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Test-Video Satinavs Ketten: Das Schwarze Auge als Adventure

Liebe und Hass in der Welt von Das Schwarze Auge : Satinavs Ketten aus dem Hause Daedalic Entertainment bietet klassische Adventuretugenden in Aventurien.
/ Peter Steinlechner
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Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten (Bild: Daedalic Entertainment)
Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten Bild: Daedalic Entertainment
Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten - Test
Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten - Test (04:46)

Eigentlich ist Geron ein harmloser Kerl - wenn da nur nicht die Sache mit der Prophezeiung wäre. Denn Geron soll irgendwann das Städtchen Andergast in den Untergang stürzen. Sagt jedenfalls ein blinder Seher, und zwar in dem Moment, in dem er auf dem Scheiterhaufen brennt, nachdem er versucht hat, Andergast mit einer Armee von Krähen unter seine Kontrolle zu bringen. Das ist keine sehr verlässliche Quelle - trotzdem hat die Prophezeiung Geron begleitet, bis er zum jungen Mann gereift ist und der Spieler in Satinavs Ketten die Kontrolle über sein weiteres Schicksal übernimmt.

Das Adventure von Daedalic Entertainment(öffnet im neuen Fenster) aus Hamburg schickt den Spieler in eine Welt, die er womöglich schon ein bisschen kennt: aus den Pen-and-Paper- und PC-Rollenspielen, die wie Satinavs Ketten auf Das Schwarze Auge basieren. Allerdings hat Daedalic auf typische Rollenspielelemente verzichtet. Es gibt also weder Erfahrungspunkte noch Levelaufstiege, sondern klassische Rätselkost: Gegenstände sammeln und sinnvoll kombinieren plus Unterhaltungen in Multiple-Choice-Manier. Alle gängigen Komfortfunktionen wie schnelle Ortswechsel bei Doppelklick und per Leertaste einblendbare Hotspots sind vorhanden; erfahrene Abenteuer dürfen die Hilfen bei Spielstart übrigens deaktivieren, notfalls dann aber auch wieder einschalten.

Die erste halbe Stunde knobelt sich Geron allein durch die Handlung, dann trifft er auf die bildhübsche Fee Nuri - in die er sich natürlich sofort verliebt. Auch deshalb ziehen die beiden anschließend gemeinsam durch Aventurien, bis ins Reich der Orks und der Feen. Die beiden sind durch Spezialfähigkeiten verbunden: Während Geron bestimmte Gegenstände wie einen Tonkrug per Gedankenkraft zerstören kann, kann Nuri kaputte Objekte reparieren. Klar, dass diese Macht eine zentrale Rolle in vielen Rätseln spielt.

Die sind anfangs recht simpel, aber logisch. Im Spielverlauf wird die Knobelkost dann allerdings zunehmend komplex - bleibt aber auch dann in den meisten Fällen nachvollziehbar und stellt Geron und Nuri nicht vor unlösbare Probleme. Bei einigen Puzzles geizt das Programm allerdings sehr mit Hinweisen: So kann es passieren, dass der Spieler eher durch Zufall als gezielt erfährt, welche besonderen Fähigkeiten ein magischer Wasserfall hat.

Erst nett, dann episch

Ähnlich wie die Rätsel verändert sich auch die Atmosphäre im Verlauf der Handlung: Während Satinavs Ketten anfangs recht gutgelaunt daherkommt und Geron einen königlichen Wettbewerb gewinnen lässt, geht es etwa ab der Hälfte der 10 bis 15 Stunden langen Story immer düsterer zu. Von der Geschichte soll hier möglichst wenig verraten werden, aber unterm Strich ist den Entwicklern eine epische Story mit mehr als genug Spannung und Überraschungen gelungen. Auch die Dialoge und sonstigen Texte sind klasse gemacht, wie von Daedalic gewohnt - allerdings auch sehr viel ernsthafter als in Titeln wie Edna bricht aus oder dem thematisch stellenweise verwandten The Whispered World.

Das Schwarze Auge Satinavs Ketten - Trailer
Das Schwarze Auge Satinavs Ketten - Trailer (01:58)

Für Grafik und Animationen gilt das nur zum Teil. Geron und Nuri agieren vor teils atemberaubend schön gezeichneten Hintergründen, die gut zum typischen Stil von Das Schwarze Auge passen. Dabei bewegen sie sich allerdings oft mit der Eleganz von kaputten Marionetten, die an Satinavs Ketten hängen: ruckelnd, stockend und meist ziemlich abgehackt. Auch sonst ist das Adventure nicht sonderlich effektvoll in Szene gesetzt, Daedalic verzichtet im Spiel wie in den wenigen Zwischensequenzen weitgehend auf dramaturgische Mittel wie Tempowechsel oder das gezielte Hervorheben von Bildausschnitten.

Musik und Sprachausgabe sind dagegen gelungen, allerdings mit einer Ausnahme: Die Stimme von Nuri kam nur bei wenigen Versuchspersonen richtig gut an - viele fanden sie zu kindisch, andere wieder zu schrill. Zu einer Fee mögen solche Widersprüche zwar gut passen, aber auf Dauer kann die zweite Hauptperson einem dann doch ganz schön auf die Nerven gehen.

Kenntnisse über Das Schwarze Auge sind nicht nötig. Auch wer noch nie in Aventurien war, kann der Handlung gut folgen. Allerdings kommen Fans der Vorlage nur bedingt auf ihre Kosten, denn die Anzahl der Anspielungen ist nicht sonderlich hoch - da wäre mehr drin gewesen.

Satinavs Ketten ist für Windows-PC verfügbar und kostet rund 40 Euro. Als Kopierschutz setzt Publisher Deep Silver auf eine Aktivierung bei Steam. Die USK hat eine Freigabe ab 12 Jahren erteilt.

Fazit

Es dauert ein bisschen, bis Satinavs Ketten so richtig in Fahrt kommt. Aber spätestens wenn Geron und Nuri wirklich durch Aventurien reisen und sie immer mehr über den Seher erfahren, entfaltet das Programm die gleiche Spannung wie ein guter Abenteuerroman. Handlung und Dialoge sind eine Klasse für sich, die meisten Rätsel auch - dass man ab und zu mal etwas mehr grübeln muss, gehört dazu. Schade nur, dass das Abenteuer zwar tolle Hintergrundbilder bietet, aber sonst arg altbacken aufbereitet ist. Das offensichtlich nicht allzu üppige Budget ist leider oft allzu deutlich sichtbar, was echte Fans von Adventures allerdings kaum stören dürfte. Satinavs Ketten gehört in die Spitzengruppe des Genres - wer dann auch noch Das Schwarze Auge mag, kommt um den Titel gar nicht herum.


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