Test-Video Quantum Conundrum: Portals kleiner, bunter Bruder


Es ist eine dieser Familiengeschichten, wie sie sonst nur Animationsfilme von Dreamworks oder Pixar erzählen: Ein kleiner Junge soll bei seinem Onkel Urlaub machen, der zurückgezogen in einer einsam gelegenen Villa lebt. Natürlich ist dieser Onkel ein verrückter Wissenschaftler, sein Zuhause vom Dach bis in den Keller ein riesiges Versuchslabor.
Kaum hat der Spieler als zwölfjähriger Protagonist das Haus betreten, geht ein Experiment gehörig schief und sein Onkel wird in einer anderen Dimension gefangen. Immerhin kann er noch über ein Lautsprechersystem mit seinem Neffen kommunizieren. Der soll nun die vier ausgefallenen Stromgeneratoren des Anwesens wieder aktivieren, damit würden alle großen Probleme gelöst.






















Der Weg dahin ist allerdings mit ganz vielen kleinen Problemen gespickt. Laserschranken, Abgründe, giftige Flüssigkeiten, verriegelte Türen, ... - auch Erwachsene hätten mit all dem so ihre Probleme. Ganz aussichtslos ist die Lage aber nicht, denn der Spieler trägt einen Spezialhandschuh mit besonderen Fähigkeiten.
Mal federweich, mal steinhart
Verfügt ein Raum über die entsprechende Vorrichtung, kann der Spieler mit dem "Interdimensionalen Sprunggerät" in andere Realitäten wechseln. Jede der insgesamt vier Varianten hat eine eigene Farbgebung und verändert die Naturgesetze. Die lilafarbene Dimension lässt alles flauschig weich aussehen und sie macht schwere Objekte federweich. Die rote Dimension ist das Gegenteil davon, hier gewinnt jeder Gegenstand an Gewicht. In der gelben Dimension läuft die Welt in Zeitlupe ab und die grüne Dimension kehrt die Schwerkraft um.

Egal in welcher Realität: Der Spieler selbst ist von diesen Auswirkungen nicht betroffen. Er springt immer gleich hoch, kann sich normal schnell bewegen und wenn er in einen Abgrund stürzt, ist er auf der Stelle tot. So etwas wie Welpenschutz gewährt Entwickler Airtight Games seinem minderjährigen Helden also nicht.
Das erfährt er gerade in sprunglastigen Passagen immer wieder aufs Neue. Abschnitte, in denen der Spieler auf Förderbändern hin und her hüpft, um tödlichen Lasern auszuweichen, sind Geduldsübungen. Wann immer perfektes Timing verlangt wird, stört das hohe Bewegungstempo der Hauptfigur. Ebenso nervig: Muss der Spieler hinter einem Objekt in Deckung gehen, weiß er nie genau, ob er wirklich vor dem nahenden Todesstrahl geschützt ist.






















Am meisten macht Quantum Conundrum Spaß, wenn es sich an die Grundformel des ersten Portal-Spiels hält. Mit Hilfe von Würfeln, Schaltern, Lasern und anderen Vorrichtungen knobelt sich der Spieler von Raum zu Raum. Immer mit dem Zwischenziel, die nächste verschlossene Tür mit Strom zu versorgen und hindurchzuschreiten.
Alley-Oop mit Katapulten
Ein Beispiel für ein besonders gelungenes Rätsel: Der Spieler schleudert eine Kugel und sich selbst auf einer Eisenkiste mit Katapulten in die Luft. Das geschieht, indem er erst in die schwere Dimension wechselt, um Last aufzubauen und die Katapulte herabzudrücken. Dann schaltet er in die weiche Dimension. Durch das plötzlich schwindende Gewicht schnellen die Katapulte wieder hoch und schleudern die Objekte durch den Raum. Hoch oben fängt der Spieler die Kugel im richtigen Moment auf und wirft sie in einen dafür vorgesehenen Behälter - beim Basketball wäre das ein klassischer Alley-Oop.
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Viele Herausforderungen in Quantum Conundrum sind mit demselben Spielwitz designt wie die Testkammern aus Portal. Nicht nur hier merkt man dem Spiel an, dass Chefdesignerin Kim Swift tatsächlich Teil der Studentengruppe war, die den Prototyp für Valves Kultspiel erfunden hat. Auch ihr neuer Titel unterhält mit Humor, etwa wenn der schrullige Professor über die Sprechanlage sarkastische Kommentare zum Besten gibt.






















Ab und zu trifft der Spieler auf niedliche Kobolde, die im Labor ihren Schabernack treiben. So lustig und zugleich tiefgründig wie Portal 2 wird Quantum Conundrum aber nie. Dafür mangelt es der Geschichte an Höhepunkten und irgendwie auch an einem richtigen Schurken.
Zu wenig Fussel
Grafisch erweckt Quantum Conundrum, trotz Unreal Engine 3, am ehesten den Eindruck einer aufwendigen Spielemod. Die einzelnen Dimensionen sehen nicht sonderlich spektakulär aus. In der flauschigen Version eines Raumes hätten wir uns beispielsweise mehr weiche Fussel und erkennbare Fasern gewünscht. Häufig läuft der Spieler durch kahle Gänge, vorhandene Dekorationsobjekte wiederholen sich ständig. Selbst die anfangs amüsanten Familiengemälde, deren Motive je nach Dimension ihr Aussehen ändern, sind offenbar Teil einer großen Plagiatesammlung.






















Das Spiel ist nur mit englischer Sprachausgabe verfügbar, bietet aber immerhin deutsche Texte. Einzig der Onkel des Protagonisten hat eine Stimme, John de Lancie dürfte Trekkies als omnipotentes Wesen "Q" bekannt sein. Während er seine Sache gut macht, sind uns viele der Maschinengeräusche in der Spielwelt auf die Nerven gegangen.
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Square Enix hat Quantum Conundrum bei Steam zum Preis von 15 Euro für den PC veröffentlicht. Dort gibt es auch eine Demoversion(öffnet im neuen Fenster) . Die USK hat das Spiel ab 0 Jahren freigegeben. Der Titel soll am 10. Juli 2012 auch im Playstation Store und am 11. Juli bei Xbox Live Arcade erscheinen.
Fazit
Quantum Conundrum darf sich getrost als Portals sprititueller Bruder bezeichnen, solange es sich auf Logikrätsel mit den unterschiedlichen Dimensionen konzentriert. Wann immer es dagegen versucht, ein originelles Jump-and-Run zu sein, vergeht der Spielspaß für einige Minuten.
Diese schwächeren Momente und die häufig nicht sehr detaillierten Umgebungen sind angesichts des niedrigen Preises leicht verziehen. Für nur 15 Euro bietet Quantum Conundrum 51 größtenteils originell entworfene Rätselräume und so manch charmanten Witz.



