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Test Total War Attila: Erbarmen, die Hunnen kommen

Ein riesiges Reich, aber viel zu wenig Truppen: Um die Zukunft des Römischen Reiches steht es im Jahr 395 alles andere als rosig. Im neuen Teil der Total-War-Reihe müssen sich Spieler einer gigantischen feindlichen Übermacht erwehren – oder die eigene Heimat niederbrennen.
/ Thorsten Wiesner
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Artwork von Total War Attila (Bild: The Creative Assembly)
Artwork von Total War Attila Bild: The Creative Assembly

Das britische Entwicklerstudio The Creative Assembly(öffnet im neuen Fenster) hat sich viel vorgenommen für den neuesten Teil seiner erfolgreichen Strategieserie Total War. Attilas direkter Vorgänger Rome 2 bekam zwar viel Lob, aber insbesondere von langjährigen Serienfans auch viel Kritik zu hören. Technische Mängel, KI-Probleme und das Fehlen einiger liebgewonnener Funktionen senkten die Laune der PC-Feldherren. Total War Attila versucht nun, zugleich einerseits wieder den gewohnt tiefgründigen Mix aus Echtzeit- und Rundenstrategie mit hohem Schwierigkeitsgrad und dem Fokus auf Kampf und Diplomatie zu bieten, andererseits aber auch Neueinsteiger nicht zu überfordern.

Total War Attila – Trailer (Launch)
Total War Attila – Trailer (Launch) (01:15)

Wer Attila das erste Mal spielt, bekommt vor der Kampagne im gut gemachten Prolog eine Einführung. Einheiten auswählen, bewegen und ins Gefecht schicken, die Unterschiede zwischen den einzelnen Truppen zu Lande und zu Wasser lernen, Gebäude aufrüsten, neue Soldaten rekrutieren und nach und nach die unzähligen Untermenüs entdecken.

Die grundsätzliche Bedienung auf dem Weg zur Weltherrschaft für die eigene Fraktion verlangt einiges an Einarbeitungszeit. Wer sich in Total War Attila auf der riesigen Strategiekarte, aber auch dauerhaft durchsetzen will, braucht viel taktisches Geschick und einen guten Überblick – insbesondere das in zwei Teile gespaltene Römische Reich etwa befindet sich fast in auswegloser Situation.

So gehören den beiden Reichen zwar riesige Territorien und aufwendig ausgebaute Provinzen mit beachtlichen Steuereinnahmen – allerdings mangelt es an schlagkräftigen Truppen. Gerade die ersten Runden werden so zu einer Herkules-Aufgabe, wenn innerhalb kürzester Zeit aus allen Himmelsrichtungen Goten und andere feindlich gesinnte Truppen anrücken.

Wer zu Beginn auf ein großes Reich verzichten kann, übernimmt hingegen die Kontrolle über einen der umherziehenden Stämme und baut so nach und nach seinen Machteinfluss aus. Die zehn spielbaren Fraktionen wie Sachsen, Franken, Goten und Hunnen sorgen so für eine langanhaltende Motivation, weil jede Kampagne ein komplett anderes Vorgehen verlangt. Die größte Besonderheit von Attila und seinen Reitern ist, dass sie keine festen Städte errichten können, sondern nur jederzeit wieder abbaubare Zeltlager. Der Bau begonnener Bauten gilt dann als pausiert – man muss ihn also nicht jedes Mal neu starten.

Die grundsätzliche Spielmechanik ist Serienkennern weitgehend bekannt und unterscheidet sich kaum vom Vorgänger. Allerdings gibt es neben den Fraktionen und diversen Einheiten eine Reihe spielerisch durchaus spürbarer Neuerungen, sowie im Vorgänger schmerzlich vermisste und jetzt wieder eingeführte Extras. Etwa die Möglichkeit, Statthalter für die Provinzen einzusetzen, die den eigenen Willen durchsetzen oder auch das Volk milde stimmen sollen.

Verbrannte Erde und das Fazit

Eine weitere wichtige Ergänzung: Wer merkt, dass der feindlichen Übermacht nicht beizukommen ist, kann eigene Städte komplett dem Erdboden gleichmachen und so sichergehen, dass dem Kontrahenten nur Schutt und Asche zurückgelassen wird. Die neu integrierten Seuchen hingegen haben auf den Spielverlauf nur geringen Einfluss.

Total War Attila – Trailer (Gameplay – The White Horse)
Total War Attila – Trailer (Gameplay – The White Horse) (03:27)

Trotz Prolog, virtueller Berater und der Möglichkeit, jederzeit in der Enzyklopädie nachzulesen, ist der Schwierigkeitsgrad gewohnt fordernd, da es fast unmöglich ist, auf alle Unwägbarkeiten vorbereitet zu sein. Die Liste unschöner Überraschungen reicht von plötzlichen Attacken über wirtschaftliche Probleme bis hin zu innerfamiliären Intrigen. Veteranen werden allerdings eben diesen Anspruch zu schätzen wissen.

Weniger schön sind die altbekannten Zwangspausen, insbesondere wenn viele Fraktionen ihre Züge machen, sowie einige immer noch seltsame KI-Aktionen wie das stetige Verharren an einem Ort, obwohl in der Nähe gekämpft wird.

Total War: Attila ist für Windows-PC und OS X erhältlich und kostet etwa 40 Euro. Das von Sega veröffentlichte Spiel hat eine USK-Einstufung ab 12 Jahren erhalten. Direkt ab der Veröffentlichung soll für Vorbesteller auch bereits die erste Downloaderweiterung "Wikingervorfahren" verfügbar sein. Einen Multiplayermodus bietet Attila nicht.

Fazit

Viele Fraktionen und damit einhergehend komplett unterschiedliche Spielsituationen, ein spannendes Szenario und sinnvolle Neuerungen: Total War Attila ist nicht einfach nur eine eigenständige Erweiterung, sondern eine deutliche Verbesserung zum direkten Vorgänger, die für unzählige Stunden Spielspaß gut ist.

Allerdings bleiben die gewohnt hohen Einstiegshürden. Wer zum mächtigen Weltherrscher aufsteigen will, muss gewohnt viel Zeit in das Erlernen der Spielmechanik investieren und vor allem zu Beginn eine sehr hohe Frustresistenz mitbringen – die auf lange Sicht aber tatsächlich belohnt wird.


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