Test The Elder Scrolls Online: Skyrim meets Standard-MMORPG
Der daedrische Fürst Molag Bal ist kein netter Kerl! Mit dunklen Machenschaften versucht der Oberbösewicht von The Elder Scrolls Online(öffnet im neuen Fenster) (Teso), die Fantasywelt Tamriel zu unterjochen und alle Bewohner zu Sklaven zu machen. Also auch uns – was wir uns, genauso wie viele andere Spieler auf den zwei Megaservern in Europa und den USA, natürlich nicht gefallen lassen. Teso spielt rund 1.000 Jahre vor den Ereignissen von Skyrim und rund 800 Jahre vor Morrowind und Oblivion, den drei letzten Spielen der Rollenspielserie The Elder Scrolls.

Wer als Level-1-Jungspund das Tutorial des MMORPGs von Zenimax Online(öffnet im neuen Fenster) absolviert hat, landet je nach gewähltem Volk in einer sonnigen Palmenlandschaft oder im ewigen Eis der nördlichen Regionen von Tamriel – oder irgendwo dazwischen. The Elder Scrolls ist vom Start weg stark auf Einzelspieler zugeschnitten, die weitgehend ohne Kontakt zu anderen von Menschenhand gesteuerten Helden auskommen können. Dann absolviert der Spieler eine Quest nach der anderen. Angenehm: Das Journal ist selten überfüllt, meist hat der Spieler in der mit "T" durchklickbaren Auswahl um die fünf aktive Aufgaben im Angebot. Ähnlich wie in anderen MMORPGs sind zum Level passende und noch zu schwierige Quests farblich unterschiedlich markiert.
Die Aufträge sind in – teils längere – Rahmenhandlungen eingebettet, die wie der allergrößte Teil der Hauptstory durch Gespräche mit NPCs erzählt werden. Entwickler Zenimax Online hat sich spürbar bemüht, die Texte kurz und knackig zu halten und trotzdem noch interessante Inhalte zu erzählen. Das ist im Grunde gelungen: Die Geschichten sind tatsächlich spannend, und der Spieler erfährt viel über die Hintergründe von Tamriel und die Geschichte der Welt. Trotzdem dürfte der Anteil der Spieler, der sich wirklich damit beschäftigt, sehr klein sein – wer Erfahrungspunkte sammeln will, für den kann die Handlung auch in Elder Scrolls eher unwichtig sein.
Ein weiteres Problem für die Immersion ist, dass Spieler selten allein in instanzierten Gebieten unterwegs sind. Wer also gerade vermeintlich Heldentaten verbringt, wird durch zahlreiche andere Heroen in seiner Nähe allzu deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass jeder andere Spieler die gleichen Abenteuer erlebt.
Multiple Oberbosse
Auch in Teso gibt es die schon aus anderen MMORPGs bekannte, aber immer noch skurrile Situation, dass man einen Oberschurken erledigen soll, aber der Boden bereits mit Leichen ebendieses Fieslings gepflastert ist. Der Spieler darf ihn schließlich auch erledigen, sobald er in der Warteschlange an der Reihe ist. Immerhin hat sich dieses Problem seit dem Start des Spiels Anfang April 2014 etwas entspannt, weil sich die Spieler besser in der Welt verteilen.
So absolvieren wir eine Quest nach der anderen – erst in einer etwas größeren Siedlung kommt es vor, dass wir mit der "T"-Taste zwischen mehr als fünf oder sechs gleichzeitig auswählen können. Dabei fällt positiv auf, dass es keinen Auftrag gibt, bei dem wir ähnlich wie in World of Warcraft einfach nur 50-mal Monster A und dann vielleicht sogar noch die doppelte Menge von Monster B ausschalten müssen. Teso ist in dieser Hinsicht abwechslungsreicher – aber dafür gibt es viele Botengänge und Missionen, für die wir längere Zeit nur durch die Welt rennen, was auf Dauer auch eintönig wird.
PvP-Schlachten in Cyrodiil
Bei allem Gewicht, das die Solospieler-Komponente von The Elder Scrolls Online hat: Natürlich gibt es auch zahlreiche Elemente, die auf "Massively Multiplayer" setzen. Die ersten Gruppenkämpfe dürften die meisten Spieler bei den sogenannten Dunklen Ankern erleben: Das sind Momente, in denen Bösewicht Molag Bal irgendwo in der Welt für eine Art Dimensionsverschiebung sorgt, so dass dort seine Truppen aufmarschieren können. Diese plötzlichen Begegnungen sind schön düster in Szene gesetzt und spannend.
.jpg)
Den zweiten MMO-Grundpfeiler können Spieler erst ab Level 10 erleben: Das sind die vom restlichen Spiel weitgehend getrennten PvP-Schlachten in einem großen, dreieckigen Gebiet namens Cyrodiil, in dem die drei Allianzen und Hunderte von Spielern gleichzeitig um die Macht kämpfen. Das System erinnert dezent an Guild Wars 2 und Dark Age of Camelot. Spieler kämpfen darum, ihren Einflussbereich zu vergrößern und Burgen und Versorgungsanlagen einzunehmen. Wer sich geschickt anstellt, kann es sogar vorübergehend zum Herrscher über Tamriel bringen!
Außerdem gibt es noch eine Reihe von Instanzen, in denen Gruppen gemeinsam gegen besonders herausfordernde Feinde und große Gegnerscharen antreten können; in den kommenden Monaten wollen die Entwickler noch weitere derartige Inhalte vor allem für hochstufige Spieler nachliefern.
Vor dem Spielstart steht natürlich die Erstellung des Helden an. Dabei überlässt The Elder Scrolls Online dem Spieler sehr viele Freiheiten. Er kann als Mitglied des Dolchsturz-Bündnisses, der Almeri-Dominion oder des Ebenherz-Pakts antreten, und sich für neun Völker wie die Ork, die Hochelfen oder die Rothwardonen entscheiden. Wer eine Sammleredition kauft, kann zusätzlich als Mitglied der neutralen Kaiserlichen antreten.
Held oder Heldin?
Außerdem darf der Spieler das Geschlecht festlegen und das Aussehen weitgehend selbst bestimmen. Er kann eine große oder kleine, gertenschlanke oder pummelige, junge oder ältere Hauptfigur entwerfen. Das Angebot an Frisuren, Bärten, Tätowierungen und sonstigen Details ist umfangreich und sorgt dafür, dass sich das eigene Alter Ego deutlich von anderen Charakteren unterscheiden kann.
Ein großer Teil der Individualisierung und der Verbesserung von Werten geschieht natürlich über Ausrüstungsgegenstände. Die kann der Spieler kaufen, bei erlegten Feinden oder in Schatzkisten finden oder mit dem einfachen, aber gut gemachten Handwerkssystem in mehreren Qualitätsstufen selbst herstellen. Wer die virtuellen Produkte verkaufen möchte, muss übrigens einer Gilde beitreten – ein öffentliches Auktionshaus gibt es nicht.
In den Kämpfen setzt das Programm auf Echtzeit und deutlich stärker auf Action als die meisten anderen MMORPGs wie etwa World of Warcraft. In Kämpfen schlagen wir beispielsweise über die Maustaste mit unserem Schwert zu und verpassen dem Gegner gleichzeitig per "1" einen besonders effektiven magischen Schlag, den wir aber nur begrenzt oft aufrufen können.
Kampfsystem mit Echtzeit-Elementen
Ein kurzer Klick auf die linke Maustaste führt zu einem schnellen Schlag, über das Halten der Taste können wir alternativ einen schweren Hieb austeilen. Mit der rechten Maustaste blockieren wir feindliche Angriffe mit einem Schild oder mit unserer Klinge. Wer beide Tasten gleichzeitig drückt, kann damit einen feindlichen Spezialangriff unterbrechen und etwa einen gegnerischen Magier daran hindern, einen Zauberspruch aufzusagen, mit dem er gerade unsere Bewegungsgeschwindigkeit reduzieren wollte.
.jpg)
Das System ist schnell gelernt und macht Spaß. Allerdings: Das eher gemütliche Nebenbeispielen, wie es das Kampfsystem von WoW beim Grinden stellenweise erlaubt, ist in Elder Scrolls kaum möglich – hier ist immer ein relativ hoher Konzentrationspegel gefragt. Nicht gut umgesetzt ist übrigens die Visualisierung des angerichteten Schadens: Der Spieler sieht kaum, ob er mit seiner Waffe tatsächlich den Gegner trifft oder ins Leere schlägt. Die Entwickler sind sich des Problems bewusst und arbeiten angeblich daran, das System zu verbessern und künftig eine bessere Rückmeldung zu bieten.
Echte Probleme bereiten die Kämpfe trotzdem nicht. Das liegt vor allem daran, dass das Balancing sehr ausgewogen und The Elder Scrolls stellenweise fast ein bisschen zu einfach ist. Die meisten Gegner, denen ein normal agierender Spieler begegnet, sind schon für einen Helden allein keine große Herausforderung. Wenn dann noch andere Spieler in der Nähe sind und helfen, wird es fast zu einfach.
Auch Elemente wie die sporadisch auftretenden Schalterrätsel sind sehr einfach zu lösen – praktisch immer zeigt ein kleiner Pfeil an, an welchem Hebel der Spieler als Nächstes ziehen oder welchen bösen Edelstein er zerdeppern muss. Und wer trotzdem einmal ins Gras beißt, kann sich nahezu sofort auf Knopfdruck an Ort und Stelle wiederbeleben lassen, bekommt dafür nur ein paar leicht zu behebende und eigentlich auch nebensächliche Schadenspunkte auf Teilen der Ausrüstung.
Mittlerweile hat es sich herumgesprochen: Teso erinnert teils frappierend an Skyrim. Die Art der oft eher grauen und erdigen Texturen, teils auch auf Charakteren, ebenso wie die der Landschaftsdarstellung, sind stark an Skyrim angelehnt. In beiden Spielen gibt es auch immer wieder eher unvermittelt sehr farbenfrohe Stellen, in beiden sind vor allem Zauber- und Waffeneffekte sehr aufwendig gestaltet. Das Spiel läuft auch auf langsameren Rechnern noch flott – mehr dazu steht in unserem Artikel Die Tamriel-Technik .
Feindliche Fehler
Das Spiel enthält noch eine Reihe von Bugs, in den Foren gibt es viele entsprechende Kommentare. Zenimax Online scheint die größeren Fehler nach und nach zu beheben – aber bis das Programm eine gewisse Nervschwelle unterschreitet, dürfte noch etwas Zeit vergehen. Weder reaktionslose NPCs noch Abstürze haben uns dabei am meisten gestört, sondern die gelegentlichen Lags im Kampf. Auch mit Goldfarmern und Cheatern muss es noch Probleme geben – jedenfalls haben die Entwickler versprochen, entschieden gegen derartige Personen vorzugehen. Sichtbar sind sie vor allem im Chatsystem, nicht im Spiel selbst.
The Elder Scrolls Online ist als Box im stationären Handel oder als Download (unter anderem über die offizielle Webseite) für rund 50 Euro erhältlich. Alternativ gibt es mehrere Sammler- und Spezialausgaben, etwa die weitgehend ausverkaufte Imperial Edition. Bei allen sind 30 Tage Mitgliedschaft enthalten.
Abokosten und Fazit
Wer länger spielen möchte, zahlt ab rund 13 Euro pro Monat; bei längerer Vertragslaufzeit reduziert sich der Preis auf bis zu 11 Euro pro Monat; die Kreditkartendaten müssen bei der Anmeldung hinterlegt werden. Derzeit gibt es das Spiel für Windows-PC und Mac OS, im Sommer 2014 soll es auch Versionen für die Playstation 4 und die Xbox One geben.

Die deutsche Ausgabe ist sehr gut übersetzt, auch die Stimmen der Synchronsprecher passen. Alternativ können Spieler die US-Sprachausgabe und -Bildschirmtexte verwenden. Das Programm enthält keine inhaltlichen Schnitte und hat von der USK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
Fazit
Die Liste der Dinge, die The Elder Scrolls Online richtig gut macht, ist lang: Sie reicht von der Grafik bis zur Bedienung, vom Balancing bis zu den Kämpfen, von der Haupthandlung bis zum Levelsystem. Die riesige Welt sieht stellenweise fantastisch aus, sie wirkt lebendig und hat viel Atmosphäre. Das Abenteuern macht Spaß, bei der Jagd nach Gegenständen und Erfahrungspunkten kommt oft die Nur-noch-fünf-Minuten-Motivation auf.
Alles super also? Nein, leider nicht. Denn so richtig will der Funke langfristig doch nicht überspringen – jedenfalls nicht so, dass man um die 120 Euro allein im ersten halben Jahr für Teso ausgeben müsste. Das Programm ähnelt zu sehr allen anderen MMORPGs. Da hilft es auch wenig, dass die Mischung deutlich mehr für Solospieler ausgelegt und die Story gelungen ist. Denn leider bietet der Heldenalltag zu selten mehr als die altbekannten Liefer-, Sammel- und Auftragsmord-Quests. Deren Mechanik dürfte inzwischen so gut wie jeder Spieler durchschaut haben. Erfahrene Gamer begreifen das System längst als Herausforderung zum Optimieren ihres Hochlevel-Tempos.
Teso ist zwar eines der besseren MMORPGs der letzten Jahre. Aber das nützt wenig, wenn der Spieler in Tamriel bei jedem Schritt das Gefühl hat, schon genau zu wissen, was ihn die nächsten paar Tage erwartet – nur diesmal mit Action-Kampfsystem und Skyrim-Grafik. Vielleicht sollten sich ein paar gute Gamedesigner mal an einer wirklichen Neuerfindung des Genres versuchen.
Fairerweise sollte man allerdings dazu sagen: Für einen Teil der künftigen Zielgruppe, nämlich die Konsolenspieler, ist das Setzen auf Bewährtes möglicherweise doch sinnvoll. Wer keinen PC hat und noch nie World of Warcraft spielen konnte, wird The Elder Scrolls Online möglicherweise wahnsinnig aufregend finden.
- Anzeige Hier geht es zur Playstation 5 Pro bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.