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Test PES 2015: Der Außenseiter ist zurück in der Champions League

Pro Evolution Soccer ist wieder eine ernstzunehmende Konkurrenz für Fifa 15: Mit einer neuen Engine, gelungenen Animationen und vor allem temporeichem Fußball greift das Sportspiel von Konami jetzt neu an.
/ Thorsten Wiesner
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Mario Götze, offizielles Coverartwork von PES 2015 (Bild: Konami)
Mario Götze, offizielles Coverartwork von PES 2015 Bild: Konami

Die vergangenen Jahre waren für Pro Evolution Soccer unerfreulich. Aus dem einstigen Vorzeigekicker war ein Reservist geworden – und der Abstand auf den amtierenden Fifa von EA Sports so groß, dass Pro-Evo-Fans zum Fernglas greifen mussten, um Sichtkontakt zu halten. Für die Neuauflage Pro Evolution Soccer 2015 hat Konami deshalb auf einen Neustart gesetzt und die Serie wieder zur ernstzunehmenden Konkurrenz gemacht.

Pro Evolution Soccer 2015 – Trailer
Pro Evolution Soccer 2015 – Trailer (00:48)

Trotzdem, ein altes Problem von PES bleibt: In Sachen Originallizenzen bietet auch die 2015er-Version wieder nur ein Sparmenü. Zwar beginnt das Spiel mit der Supercup-Partie Real Madrid gegen FC Sevilla mit den jeweiligen Originalkadern. Wer danach sein Lieblingsteam auswählen oder ein freies Spiel absolvieren möchte, bekommt aber erneut nur eine Handvoll großer und echter Namen geboten. Kernstück ist dabei wieder einmal die Champions League inklusive Originalsong und -grafiken sowie vieler großer Namen.

Aber eben nicht alle: Bayern München, Schalke 04 und Leverkusen sind dabei, der BVB Dortmund nicht. Für die anderen großen Ligen gilt Ähnliches. Wer die gesamte Bundesliga spielen möchte, muss erneut zum Editor greifen und selbst Hand anlegen. In unserer Testversion (die finale Xbox-One-Fassung) waren zudem die Kader der lizenzierten Teams noch nicht komplett auf dem letzten Stand; allerdings will Konami durch kontinuierliche Updates wohl noch Abhilfe schaffen.

Pro Evolution Soccer 2015 ist der erste Teil der Reihe, der auch für die Next-Generation-Konsolen erscheint. Konami setzt auf die Fox Engine, der es tatsächlich gelingt, die grafische Qualitätslücke zu Fifa weitgehend zu schließen. Besonders auffällig ist das bei Aktionen wie Ballannahmen aus dem Sprint, Volleyschüssen oder Kurzpassablagen, die beeindruckend flüssig und stimmig umgesetzt sind. Dafür gibt es allerdings teils kleinere Aussetzer zwischen den einzelnen Aktionen, wo der Spielablauf nicht ganz fließend wirkt, sondern so, als wären mehrere Animationen mit kleiner Verzögerung aneinandergereiht; hinzu kommen einige Ruckler im Spielablauf.

Auch bei den Spielermodellen gibt es Licht und Schatten: Ein Benzema sieht seinem Vorbild sehr ähnlich, Christiano Ronaldo hingegen wirkt feist und aufgequollen. Jeder Spieler hat eigene Bewegungsabläufe und Eigenschaften. Die Unterschiede bei der Steuerung sind nicht gravierend, aber durchaus spürbar.

Auf dem Platz und der Endstand

Entscheidend ist letztendlich auf dem Platz – und da macht Pro Evolution Soccer 2015 vieles richtig. Das Tempo ist etwas höher als bei Fifa, der Spielablauf insgesamt etwas unberechenbarer: Konami gelingt es besser als Electronic Arts, jedes Spiel überraschend zu gestalten. Kleine Stellungsfehler der Abwehr, ein ungewollter Abpraller, ein Gegenspieler, der auf dem falschen Fuß erwischt wird: Wo bei Fifa jede Partie zwar auf höchstem Niveau abläuft, aber immer gewissen Schemata zu folgen scheint, wirkt PES 2015 so, als wäre etwas mehr Platz für die unvorhergesehenen Momente des Spiels, was die Partien etwas echter und lebendiger wirken lässt.

Pro Evolution Soccer 2015 – Trailer (Demo Release)
Pro Evolution Soccer 2015 – Trailer (Demo Release) (02:26)

Auch die Reaktionen von den Zuschauern sind dynamischer. Da gibt es etwa deutlich zu vernehmendes Raunen nach einem aggressiven Tackle – selbst dann, wenn der Schiri die Situation weiterlaufen lässt. Gleichzeitig finden sich aber ebenso viele Momente, die sich schnell wiederholen und denen eben diese Spontaneität fehlt, etwa die Reaktionen der Torhüter.

Bei Ballkontrolle und taktischen Möglichkeiten ist alles auf gewohnt hohem Niveau: Dribblings, Abstufungen bei Passrichtung und Geschwindigkeit sind gewohnt feinfühlig einstellbar. Auch die Modi, vom Einzelspiel über diverse Meisterschaften on- und offline bis zur Meisterliga, sind weitgehend bekannt. Als Kommentatoren fungieren wieder Hansi Küpper und Wolff-Christoph Fuss – wie gewohnt mit witzigen Sprüchen ebenso wie nicht passenden und zu oft wiederholten Kalauern.

PES 2015 erscheint am 13. November 2014 für Windows-PC, Xbox 360, Playstation 3, Xbox One und Playstation 4. Das Spiel kostet je nach Plattform zwischen 50 und 70 Euro und ist von der USK ohne Einschränkung freigegeben. Auf den Konsolen gibt es über die jeweiligen Netzwerke eine Demoversion, für PC soll am 13. November 2014 eine Schnupperversion über Steam erhältlich sein.

Fazit

Neue Optik, besserer Spielfluss, lebendige Partien: Konami hat sich große Mühe gegeben, PES wieder zu einem echten Wettbewerber zu machen. Insbesondere alte Fans der Reihe werden diese Entwicklungen zu schätzen wissen. Für eine neuerliche Wachablösung reicht es allerdings noch nicht ganz – das Gesamtpaket ist bei Fifa 15 von der Präsentation über den Umfang bis hin zu den Lizenzen einfach stimmiger.


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