Test NBA 2K13: Alley Oop mit Justin Bieber und Jay-Z

Ray Allen wechselt im hohen Alter aus Boston nach Miami, die Lakers greifen mit den Neuzugängen Dwight Howard und Steve Nash wieder nach dem Titel, die Nets ziehen nach Brooklyn um und sorgen so für einen Hype noch vor Saisonstart: Die kommende NBA-Saison verspricht, spannend und abwechslungsreich zu werden.

Im offiziellen Spiel NBA 2K13(öffnet im neuen Fenster) sind diese Änderungen schon erfolgreich vollzogen. Jeder transferierte Spieler läuft also im neuen Trikot auf. Wer an aktuellen Wechseln kein Interesse hat und lieber Legenden wie Pippen und Johnson anstelle von jungen Hoffnungsträgern – oder den etwas obskuren Bonus-Charakter Justin Bieber – steuern möchte, kann auch eine der historischen Mannschaften wählen, etwa das Dream Team von 1992.






Die Entwickler punkten wieder mit Authentizität und Liebe zum Detail. Die Spieler sehen bis auf wenige Ausnahmen ihren Vorbildern äußerst ähnlich, machen passende Signature Moves und zeigen auch ähnliche Verhaltensweisen im Spiel oder beim Jubeln. Die Stadien wie das Staples Center oder die American Airlines Arena entsprechen akribisch ihren Vorbildern und sind mit euphorischem Publikum bis auf den letzten Sitz gefüllt. Auch der englische Kommentar ist wieder eine Klasse für sich – anstelle von immer gleichen Plattitüden geben die Moderatoren sinnvolle Einschätzungen zum Spielgeschehen ab und erzählen Anekdoten über die Entwicklungen von Spielern und Teams in den vergangenen Jahren.
Die Tatsache, dass Rapper, Basketball-Fan und Brooklyn-Nets-Mitbesitzer Jay-Z in diesem Jahr als Produzent des Spiels fungiert, mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen. Es verleiht dem Spiel aber zusätzliche Atmosphäre, denn die Musikvideos, die in die Vor- und Nachberichterstattungen zu den Spielen integriert sind, machen das Geschehen abseits des Platzes noch etwas stilvoller. Wer mit Hip-Hop nichts anfangen kann, wird das allerdings etwas anders sehen.
Änderungen bei der Steuerung und das Fazit
Wie gewohnt kann der Spieler einzelne Matches ansetzen, eine Saison spielen oder sich seinen eigenen Athleten basteln und mit ihm eine ganze Karriere durchleben – vom Design der Frisur über die Rookie-Präsentation bis hin zum ersten Titel. Auch das Managen eines Teams ist möglich. Die eigentliche Stärke des Spiels liegt aber weiterhin vor allem auf dem Court.

Und da gibt es kleine, aber für das Spielgefühl entscheidende Veränderungen. Statt den rechten Analogstick zum Werfen zu benutzen, führt der Spieler mit ihm nun Dribblings aus. Schnelle Crossover oder Spins, Verzögerungen und Finten fühlen sich zu Beginn (und in Abhängigkeit des jeweils gesteuerten Spielers) ungelenk und kompliziert an, mit jeder weiteren Partie geht die Steuerung aber besser in Fleisch und Blut über – und erlaubt dann nach einiger Zeit tatsächlich komplexere, insgesamt aber auch deutlich flüssigere Kombination aus Dribblings und Abschlüssen.






Auch Letztere sind zunächst ungewohnt, auch hier dauert es, bis jeder einzelne Wurf funktioniert – da wären ausführliche Tutorials wünschenswert gewesen. So verlangt das Spiel einiges an Trainingseinsatz, bis alles funktioniert.
Die sonstigen Änderungen gegenüber dem Vorgänger sind eher kosmetischer Natur. Der Körperkontakt wirkt nun etwa realistischer, wer am Abwehrspieler vorbeidribbeln will, schafft dies nun mit etwas Geschick und bleibt nicht wie im Vorgänger immer wieder mit derselben Animation hängen. Insgesamt wirkt NBA 2K13 vor allem auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden auch zugänglicher, bleibt aber dennoch eher Simulation als Arcade-Spaß – wer als Anfänger eben mal schnell in die Zone ziehen und mit spektakulärem Dunking abschließen will, muss wohl auf ein älteres NBA Street von Electronic Arts zurückgreifen.
So gut Präsentation und Atmosphäre insgesamt auch sind – vor allem grafisch gibt es kaum Unterschiede zum vergangenen Jahr. Auch die Ladezeiten sind immer noch spürbar, und PC-Spieler müssen sich zudem darüber ärgern, dass das Programm im Vergleich zu den Konsolenversionen deutlich abgespeckt ist. Neben Einschränkungen im Onlinemodus fehlt vor allem die MyTeam-Management-Option.
NBA 2K13 ist für Windows-PC, Xbox 360, Playstation 3 und Wii erhältlich und kostet zwischen 30 und 50 Euro. Eine Umsetzung für Nintendo Wii folgt am 19. Oktober. Das Spiel ist von der USK ohne Altersbeschränkung freigegeben.
Fazit
Bei Spielmodi und Grafik unterscheidet sich NBA 2K13 kaum vom Vorgänger, dafür wurden die Animation und vor allem die Dribblings überarbeitet – was sich auf den Spielverlauf spürbarer auswirkt, als es sich im ersten Moment anhören mag. Besitzer des Vorgängers müssen trotzdem nicht unbedingt zugreifen, alle anderen hingegen bekommen hier wieder einmal nicht nur das derzeit beste Basketballspiel, sondern eine der momentan besten Sportsimulationen überhaupt.



