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Test Infamous Second Son: Superheld als Systemseller

Gestern ein normaler Mensch, heute ein Superheld: Die Hauptfigur in Infamous Second Son für die Playstation 4 kann plötzlich Feuerbälle schleudern und auf Hausdächer springen. Eigentlich toll – wäre da nur nicht die Anti-Superhelden-Polizei...
/ Peter Steinlechner
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Infamous Second Son (Bild: Sony Computer Entertainment)
Infamous Second Son Bild: Sony Computer Entertainment

Unterschiedlicher könnte das Jahr 2014 für Besitzer von neuen Konsolen kaum beginnen: Während auf der Xbox One die Multiplayergefechte von Titanfall im Mittelpunkt stehen, veröffentlicht Sony für seine Playstation 4 das Einzelspieler-Abenteuer Infamous Second Son, das ganz auf eine Kampagne setzt. Um es gleich vorwegzunehmen: Wer bislang kein passendes Futter für seine PS4 gefunden hat, könnte die kleine schwarze Kiste inklusive Controller nun durchaus wieder entstauben.

Infamous Second Son – Test-Fazit
Infamous Second Son – Test-Fazit (01:29)

Und das, obwohl die Hauptperson ein Typ ist, der jung-dynamisch und vor allem cool wirken soll, aber von großen Teilen der Golem.de-Redaktion spontan als Unsympath eingestuft wurde. Er heißt Delsin und ist Sprayer, trägt Jeansjacke und Wollmütze, hat eine große aber nur mäßig witzige Klappe – und wirkt ein bisschen bemüht wie für junge Zielgruppen zurechtgeschneidert. Trotzdem haben wir uns nach kurzer Zeit an den Typen gewöhnt, und dann stört er auch nicht weiter.

Delsin kommt am Anfang der Kampagne eher zufällig in Kontakt mit sogenannten Conduits, also Personen mit übernatürlichen Fähigkeiten, und entdeckt so selbst seine Superkräfte. Wie in den Filmen und Comics der X-Men-Reihe sind solche Personen in der Gesellschaft gefürchtet, also macht eine Eliteeinheit der Polizei namens Department of Unified Protection (DUP) Jagd auf sie und sperrt sie ein. Die DUP greift die Siedlung von Delsin an und foltert die Bewohner. Die einzige Lösung: Delsin muss nach Seattle, um dort eine besondere Spezialkraft zu erlernen, mit der er Freunde und Familie heilen kann.

In Seattle beginnt das eigentliche Abenteuer, dessen Handlung in gut gemachten und teils längeren Zwischensequenzen erzählt wird. Die Stadt ist als offene Spielewelt konzipiert, allerdings funktioniert das System anders als etwa in GTA 5: Wir als Spieler haben keinen Zugang zu dem riesigen Stadtgebiet, sondern nur zu einem mittelgroßen und somit überschaubaren Areal. Dort absolvieren wir eine oder mehrere Hauptaufgaben, dazu kommen freiwillige Nebeneinsätze.

Erst Regen und dann Sonnenschein

In der Praxis sieht das so aus, dass wir zum Beispiel zuerst in ein verregnetes und nebelverhangenes Seattle gelangen, in dem wir zwischen ein und drei Stunden lang beschäftigt sind. Anschließend schickt uns das Spiel in ein ganz anderes, nämlich herbstlich-golden aussehendes Seattle rund um die Space Needle, das Wahrzeichen der Stadt, auf deren Spitze wir natürlich früher oder später müssen. Echte Tag- und Nachtwechsel gibt es nicht, aber einige der späteren Einsätze finden bei Dunkelheit statt.

Infamous Second Son – Live-Action-Trailer
Infamous Second Son – Live-Action-Trailer (01:35)

In den Hauptmissionen geht es meist darum, eine Stellung der DUP zu finden und gegen den erbitterten Widerstand der Polizisten etwa die zentrale Elektronik zu zerstören oder einen bestimmten Gegner zu finden und auszuschalten. In den Nebenaufgaben müssen wir beispielsweise anhand eines eingeblendeten Bildes einen Agenten unter den Passanten identifizieren und ihn dann nach einer meist spektakulären Verfolgungsjagd über Straßen, durch Gärten und über Dächer eliminieren. Mit seinen Zauberkräften kann sich Delsin übrigens auch durch Zäune hindurch oder durch Lüftungsrohre auf Häuser teleportieren – leider beherrschen einige Gegner ähnliche Tricks.

Bei den Gefechten setzt Delsin natürlich vor allem auf seine Superkräfte. Er kann Gegner im Nahkampf mit Flammenketten oder später einem Energieschwert attackieren, oder sie aus der Ferne mit Flammengeschossen ins Visier nehmen. Immer nur wild angreifen funktioniert auf Dauer aber nicht: Trotz seiner automatischen Selbstheilung muss Delsin immer wieder nach Deckung suchen. Er sollte sich nach Möglichkeit ungesehen in die Nähe der feindlichen Stellungen bewegen statt einfach drauflos zu rennen. Wenn er zu viele Treffer einsteckt und stirbt, belebt ihn das Programm an automatisch angelegten Speicherpunkten neu.

Eine wichtige Entscheidung müssen wir als Delsin treffen: Wir können uns bei Missionen meist für eine eher gute oder böse Vorgehensweise entscheiden. Das bringt uns entsprechend blaue oder rote Karma-Punkte ein und gewährt im Talentbaum den Zugriff auf unterschiedliche Fähigkeiten. In den Missionen können wir etwa wählen, ob wir Drogendealer ausschalten oder lieber Jagd auf Demonstranten machen, die gegen "Bio-Terroristen" protestieren – gemeint sind damit Conduits wie Delsin.

Angenehmer Nebeneffekt der Gut- und Böse-Wahl: Weil sie spürbare Auswirkungen hat, ist es durchaus interessant, die rund zehn bis zwölf Stunden lange Kampagne ein zweites Mal durchzuspielen. Außerdem kann man dann weiter daran arbeiten, alle sammelbaren Gegenstände zu finden, insbesondere die für die Verbesserung von Fähigkeiten benötigten blauen Energiescherben.

Grafik und Fazit

Grafisch ist das vom US-Entwicklerstudio Sucker Punch(öffnet im neuen Fenster) produzierte Infamous gelungen. Die Animationen von Delsin, der viel an Hauswänden klettert und teils wild im Parkour-Stil durch die Stadt hüpft, sind durchgehend gut. Die Effekte der Superkräfte sind teils fast schon etwas übertrieben in Szene gesetzt – gut aussehen tun sie.

Infamous Second Son – Trailer (Launch)
Infamous Second Son – Trailer (Launch) (01:29)

Das Spiel läuft in einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln bei 30 bis 40 fps, die Schärfe der Texturen und der allgemeine Detailgrad liegen für Konsolenverhältnisse recht hoch. Überzeugte PC-Spieler mit leistungsstarker Hardware sind allerdings noch Besseres gewohnt.

Infamous Second Son ist nur für die Playstation 4 erhältlich und kostet rund 65 Euro. Auf der Festplatte belegt es rund 24 GByte. Einen Multiplayermodus gibt es nicht. Das Programm ist vollständig lokalisiert, die deutschen Synchronstimmen finden wir halbwegs passend ausgesucht, die US-Sprachfassung ist auf der Blu-ray mit enthalten. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Die Handlung von Infamous Second Son verfügt über B-Movie-Charme: Sie wirkt eher albern als anspruchsvoll, ist dadurch aber sehr unterhaltsam. Die Gegner sind einfach nur irgendwie böse – Kanonenfutter halt. Und die offene Stadt wirkt weniger ausgearbeitet als im hochglanzpolierten GTA 5, ist aber schick anzusehen. Das alles sorgt dafür, dass Hauptfigur Delsin nach den ersten Gefechten nicht nur Superkräfte des Feuers und des Stroms entfaltet, sondern auch der Langzeitmotivation.

Dazu kommen immer neue Fähigkeiten und Missionstypen. Auch die Wahl zwischen Gut und Böse ist gelungen, weil das echte Konsequenzen hat und zum Ausprobieren sowie zweiten Durchspielen einlädt. Die Kämpfe sind wunderbar flott inszeniert und bieten eine spannende Mischung aus Geschicklichkeit und Taktik.

Außerdem sieht Infamous klasse aus, und zwar nicht nur die Umgebungen, sondern auch die Animationen. Insbesondere die Partikeleffekte stechen optisch hervor. Unterm Strich ist es bislang das mit Abstand beste Action-Singleplayerspiel für die neue Konsolengeneration und eine klare Empfehlung für alle Playstation-4-Besitzer.


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