Hotline Miami 2 im Test: Gewaltige Herausforderung
Schon vor der Veröffentlichung machte Hotline Miami 2 Schlagzeilen . Dem Spiel wurde vom Australian Classification Board wegen einer Vergewaltigungsszene keine Freigabe erteilt. Die Entwickler von Dennaton Games(öffnet im neuen Fenster) gaben Australiern den Rat, "einfach eine Schwarzkopie" zu machen, wenn sie den Titel spielen möchten. Die problematische Stelle ist gleich zu Beginn des Spiels in einer Zwischensequenz zu sehen und gehört zu einem fiktiven Filmdreh – wer trotzdem lieber auf sie verzichten möchte, kann schon vor Spielbeginn auswählen, dass Szenen mit sexueller Gewalt überspringen werden sollen.
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Wert auf Political Correctness legt Hotline Miami 2 ansonsten auch nicht. Das Spiel strotzt nur so vor sexistischen Bemerkungen und expliziten Gewaltdarstellungen. Kontrahenten können erschossen oder im Nahkampf zu Boden geknüppelt und mit einem beherzten Schlag unschädlich gemacht werden – was regelmäßig große Blutlachen nach sich zieht.
Angst vor Albträumen muss trotzdem niemand haben, denn wie der Vorgänger ist das Spiel in traditioneller Pixelgrafik gehalten. Der Retrolook lässt an längst vergangene Heimcomputertage denken. In den Achtzigern wäre solch ein Spiel wohl sofort indiziert worden, angesichts der heutigen Ansprüche an Realismus und Grafikqualität wirkt das Ganze allerdings eher komisch als gewalttätig – zumal Disco-Musik und Neon-Töne für ein gewisses, eben leicht surreales Miami-Vice-Gefühl sorgen.
Alles andere als komisch ist erneut der Schwierigkeitsgrad. Auch erfahrene Spieler sterben fast von Beginn an im Sekundentakt, schon die ersten Level sind eine kompromisslose Herausforderung. Dabei ist das Spielprinzip einfach: Aus dem Auto steigen, Maske aufsetzen, Eingangstür eines Gebäudes öffnen und dann in typischer 2D-Action-Manier metzeln.
Ersten Raum betreten, alle Wachen erledigen, nächsten Raum betreten, Kontrahenten umbringen – solange, bis eine Ebene komplett erledigt ist, und es weiter geht zum nächsten Level. Der Spieler wird per WASD bewegt, schießt oder schlägt mit der linken Maustaste und nimmt per rechter Maustaste etwa Schrotflinte oder Hammer auf. Wer die Waffen wechseln will, muss sie zunächst ebenfalls per rechter Maustaste wegwerfen, um eine andere aufzuheben. Mit der Shift-Taste kann die Umgebung etwas besser eingesehen werden, ein Druck auf die Leer-Taste erledigt am Boden liegende Gegner.
Ebenso einfach wie die Gegner stirbt allerdings auch der Spieler. Einmal nicht aufgepasst oder die Masse an Gegnern unterschätzt, schon darf man wieder R für einen Neustart drücken. Die KI ist unberechenbar: Mal reagieren die Bösewichte auf herumliegende Leichen und kommen angerannt, dann wieder patrouillieren sie unbeeindruckt weiter. Mal stürzen sie sich im Rudel auf den Spieler, dann wieder warten sie einzeln in den jeweiligen Räumen.
Kein Plan und das Fazit
Die Level sind dadurch oft unberechenbar. Ein vorher gefasster Plan für das eigene Vorgehen muss regelmäßig über den Haufen geworfen werden. Das sorgt für viel Frust, unzählige Extra-Versuche – und ein unfassbar gutes Gefühl, wenn wieder ein Level geschafft ist.

Wirklich viel Abwechslung bietet Hotline Miami 2: Wrong Number trotz mehr Waffen allerdings nicht. Zwar ist die Story umfangreicher, versucht die Beweggründe der Protagonisten zu erklären und knüpft nicht nur an die Ereignisse des ersten Spiels an, sondern zeigt auch ihre Vorgeschichte rund um einen Überfall und einen Angriff auf die russische Mafia. Zudem werden die Level aus unterschiedlichen Perspektiven und verschiedenen Charakteren mit diversen Masken und damit verbunden minimal veränderten Fähigkeiten erlebt.
Auf das eigentliche Spiel hat das aber kaum Auswirkungen. Dafür kann tatsächlich noch ein "Hard Mode" freigeschaltet werden: Wer das Spiel erfolgreich absolviert, darf sich also in einem noch schwierigeren Modus erneut versuchen und bekommt als Belohnung ein paar zusätzliche Story-Fetzen spendiert.
Hotline Miami 2: Wrong Number verfügt über einen Level-Editor, der in unserer Testversion allerdings noch nicht zur Verfügung stand und erst im April oder Mai 2015 nachgereicht werden soll. Mit ihm können Spieler laut Angaben der Entwickler eigene Level inklusive Intro und Outro, einem Wechsel von Stockwerk zu Stockwerk und verschiedenen Missionszielen sowie Charakteren erstellen.
Hotline Miami 2 erscheint für Windows-PC, OS X, Linux, Playstation 3 und 4 sowie die PS Vita. Auf Steam ist die Version für Windows-PC, OS X und Linux ab dem 10. März 2015 für 14,99 Euro verfügbar.
Fazit
Neue Story, ein paar Extra-Waffen, zusätzliche Animationen und dadurch etwas mehr Leben in den Gebäuden: Die Veränderungen gegenüber dem Vorgänger sind rar gesät, zudem ist auch der Überraschungseffekt natürlich weg. Trotzdem werden Fans des Vorgängers auch Teil 2 lieben. Kaum ein Spiel imitiert so gut Optik und Sound der Vergangenheit – in Kombination mit fordernder, oft frustrierender aber dennoch motivierender 2D-Action. Wer es unkompliziert und blutig mag, den Retrolook schätzt und auch beim zwanzigsten Versuch für ein Level nicht aufgibt, bekommt hier wieder ein paar Stunden bester Old-School-Shooter-Unterhaltung.
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