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Test Eye-Fi-Konkurrent: Toshiba bringt SD-Karte mit WLAN auf den Markt

Die lange angekündigte SD-Speicherkarte mit WLAN von Toshiba kommt nun auf den Markt. Im Test überzeugt ein Vorserienmodell mit Flexibilität, ist aber noch nicht ganz so komfortabel wie die Konkurrenz von Eye-Fi.
/ Petra Vogt
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Bild: Michael Wieczorek/Golem.de

Den Markt für Speicherkarten mit WLAN-Funktion beherrschte bisher Eye-Fi(öffnet im neuen Fenster) . Toshiba macht dem jetzt mit einem eigenen Modell Konkurrenz . Es unterscheidet sich von Eye-Fi vor allem darin, dass nicht nur Bild- und Videodaten übertragen werden können, sondern alle Dateitypen. Außerdem soll die Karte mit entsprechenden Geräten auch den Datenempfang unterstützen und nicht nur das Senden – allerdings erst in der Zukunft, da die entsprechende Hardware mit den nötigen Zusatzfunktionen noch nicht auf dem Markt ist.

Toshiba Flashair SD-Karte mit WLAN – Test
Toshiba Flashair SD-Karte mit WLAN – Test (01:27)

Hohe Schreibgeschwindigkeit

Auf den ersten Blick sieht die Eye-Fi-Konkurrenz Toshiba Flashair(öffnet im neuen Fenster) wie eine gewöhnliche SDHC-Speicherkarte aus. Das Klassenzeichen 6 zeigt, dass die Schreibgeschwindigkeit der Karte bei mindestens 6 MByte/s liegt und damit auch für Videos geeignet ist. Die Karte ist damit schneller als die in Europa erhältlichen Sandisk-Eye-Fi-Karten, die nur Klasse 4 (also mindestens 4 MByte/s) bieten.

Für die Datenübertragung stellen sowohl Toshiba als auch Eye-Fi die heute gängigen WLAN-Standards 802.11 b/g/n mit dem aktuellen Sicherheitsstandard WPA2 zur Verfügung – allerdings nur im 2,4-GHz-Frequenzband. Alle verfügen auch über den sogenannten Infrastrukturmodus zur Verbindung mit einem vorhandenen WLAN-Netz und den Direkt- (beziehungsweise Ad-hoc-)Modus zur Direktverbindung zweier Geräte. Erster bietet sich zum Beispiel an, um die Karte etwa in einem Heimnetzwerk zu verwenden, Letzterer zum Beispiel für die Übertragung von Bildern von der Kamera direkt auf Handy oder iPad.

Einfache Konfiguration

Um die WLAN-Funktion der Flashair für eine Direktverbindung zu konfigurieren, wird ein kleines Setupprogramm mitgeliefert. In dieses können eine SSID und ein Passwort für das Netzwerk eingegeben werden, außerdem können dort Timeout-Einstellungen festgelegt werden (siehe Bildergalerie). Dies funktioniert deutlich einfacher als bei der Konkurrenz von Eye-Fi: Dort muss zwingend auch ein Nutzerkonto erstellt werden, das fest an die Karte gekoppelt ist und damit die einfache Weitergabe des Speichermediums behindert. Auch stehen bei Eye-Fi zahlreiche weitere Einstellungsmöglichkeiten für Zusatzfunktionen wie etwa den automatischen Upload zur Verfügung.

Dass dies bei Toshiba nicht nötig ist, liegt vor allem daran, dass sich der japanische Elektronikkonzern auf die Kernfunktionen der Karte beschränkt: Datenspeicherung und -übertragung. Eye-Fi dagegen setzt auf Zusatzservices wie Onlinespeicherplatz oder Geotagging. Ähnliches ist bei Toshiba derzeit laut Produktmanager Martin Juttner nicht geplant. Stattdessen setzt Toshiba auf ein flexibles Konzept, das einen HTML-Server für die Datenübertragung und den Browser zum Datenempfang nutzt. So sind keine speziellen Apps zum Abrufen von Daten von der Karte nötig, sondern jedes Device mit Browser kann eingesetzt werden.

Wir haben die Karte sowohl mit einem iPad als auch mit einem Windows-Rechner und einem Windows-Tablet erfolgreich getestet. Nichtsdestotrotz sind Apps für iOS und Android in Arbeit, die im Frühsommer verfügbar sein sollen. Sie sollen die Konfiguration der Karte ermöglichen und voraussichtlich auch das Betrachten und Übertragen von Fotos.

Datenabruf per Browser und Fazit

Wer im Moment Daten übertragen will, nutzt jedoch einfach einen Browser, nachdem er sich mit dem WLAN der Karte verbunden hat. In die Adresszeile wird die IP-Adresse der Flashair-Karte eingeben. Meist funktioniert auch einfach die Adresse "flashair". Nun erscheinen die Ordner auf der Karte und können wie vom FTP-Zugriff per Browser gewohnt per Klick geöffnet werden. Praktischerweise gibt es bei JPEG-Bildern sogar ein kleines Vorschaubild. Per Klick auf das Foto lässt es sich anzeigen – wenn es denn ein dem Browser bekanntes Format ist – und herunterladen.

Bei knapp 20 MByte großen RAW-Dateien dauerte der Download rund 20 Sekunden, bei einer rund 500 MByte großen Videodatei rund 6 Minuten. Bei der Konkurrenz von Eye-Fi ist zum Download auf Tablet oder Handy dagegen eine spezielle App nötig. Diese unterstützt nur das Empfangen von Bild- und Videodaten mit ihr bekannten Formaten. Dabei gibt es einige Einschränkungen wie etwa für den Empfang von RAW-Dateien, der nur für das Eye-Fi-Pro-X2-Modell freigeschaltet ist. All das ist bei der Toshiba Flashair kein Problem.

Allerdings leidet die Bequemlichkeit unter dem Browserzugriff. Wer mal eben 200 Fotos übertragen will, benötigt einige Zeit, um sie alle einzeln anzuklicken und dann herunterzuladen. Das ist bei Eye-Fi deutlich bequemer: Dort gibt es eine Funktion, mit der Bilder automatisch auf den Onlinedatenspeicher oder einen Laptop hochgeladen werden. Bei der Flashair müsste man sich dazu ein Script schreiben oder einen Download-Helper nutzen. Die Karte ist generell konfigurationsfreundlich: Die Einstellungen liegen in einer Textdatei und können von Fortgeschrittenen auch dort editiert werden. Davor warnt der Hersteller jedoch, da falsche Eingaben Funktionsprobleme nach sich ziehen können.

Ausblick: Direktunterstützung durch Hardwarehersteller

Toshiba will sich mit Flexibilität gegen die Konkurrenz durchsetzen: Es ist in Gesprächen mit zahlreichen Herstellern, die die Karte direkt unterstützen sollen. Basis dazu ist ein neuer Standard namens iSDIO von der SD-Association, dem Dachverband der SD-Kartenhersteller. Damit soll es in Zukunft möglich sein, von Kamera zu Kamera ebenso direkt Bilder zu übertragen, wie vom Drucker oder Fernseher von der Kamera zu empfangen.

Sogar für medizinische Geräte gibt es Einsatzszenarien. Auch die Nutzung der Karte im Infrastrukturmodus soll damit möglich sein. Der Hersteller erwartet im Laufe des Jahres Kameras, die solche Funktionen anbieten. Auf der Produktroadmap steht auch eine Unterstützung des DLNA-Standards der Digital Living Network Alliance, einem Zusammenschluss zahlreicher Unternehmen in den Bereichen Heimelektronik, Mobile Devices und EDV.

Verfügbarkeit und Fazit

Ab wann die Karte in Deutschland erhältlich ist und zu welchem Preis, hängt vom Einzelhandel ab. Toshiba rechnet jedoch mit Mitte Mai. In Japan oder über japanische Onlinehändler wie Amazon.jp ist die Karte seit Mitte März für umgerechnet rund 60 Euro erhältlich. Japanische Händler in Deutschland wie etwa Japantrendshop listen sie auch schon in Deutschland.

Die Toshiba Flashair ist eine interessante Alternative zu den Eye-Fi-Karten. Sie punktet vor allem durch ihre Flexibilität: Von allen Geräten, die eine WLAN-Verbindung aufbauen können und über einen Browser verfügen, kann auf die Karte zugegriffen werden. Allerdings bietet sie im Moment noch deutlich weniger Komfort als die Konkurrenz von Eye-Fi, da die Dateien manuell per Klick einzeln heruntergeladen werden müssen oder der Nutzer sich selbst um ein Script oder entsprechende Software kümmern muss. Spannend wird es, sobald Hardwarehersteller die Karte direkt unterstützen und dann Funktionen wie das Senden und Empfangen etwa direkt zwischen zwei Kameras anbieten.

Vergleichstabelle SD-Speicherkarten mit WLAN-Funktion
Spezifikationen Toshiba Eye-Fi Sandisk
Modelle Flashair Connect X2, Mobile X2, Pro X2 Sandisk Eye-Fi
Speicherplatz 8 GByte 4 / 8 GByte 4 / 8 GByte
Geschwindigkeitsklasse 6 6 4
WLAN-Standards 802.11 b/g/n; nur 2,4-GHz-Frequenzband 802.11 b/g/n; nur 2,4-GHz-Frequenzband 802.11 b/g/n; nur 2,4-GHz-Frequenzband
WLAN-Funktionen Direkt- bzw. Ad-hoc-Modus sowie Infrastruktur-Modus (abhängig von entsprechender Hardware) Direkt- bzw. Ad-hoc-Modus sowie Infrastruktur-Modus (d.h. Nutzung vorhandener WLAN- Access-Points) Direkt- bzw. Ad-hoc-Modus sowie Infrastruktur-Modus (d.h. Nutzung vorhandener WLAN- Access-Points)
Sicherheitsstandards WPA2 voreingestellt WPA2, WEP WPA2, WEP
Unterstützte (Bild)formate für WLAN Keine Beschränkung, beliebige möglich JPEG, Übertragung von RAW-Dateien nur bei Pro X2Video: mpg, mov, wmv, avi Audio, mp4, mts (Pro X2) JPEG, keine Übertragung von RAW-Dateien,Video: mpg, mov, wmv, avi Audio, mp4
Zusatzfunktion Cloud-Service über Kartenanbieter nein, von Toshiba nicht geplant, aber über Dritte (z.B. Kamerahersteller) möglich ja ja
Account/spezielle Software nötig zur Konfiguration nein/nein (Browser) ja/ja ja/ja (von Eye-Fi)
Abruf der der Daten über Browser, App geplant für Juni/Juli für iOS und Android App (iOS und Android), auch Drittanbieter (z.B. Shuttersnitch) Eye-Fi-App (iOS und Android), auch Drittanbieter (z.B. Shuttersnitch)
Zusatzfeatures Webserver eingebaut Geotagging bei Pro X2

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