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Test Destiny: Schicksal voller Widersprüche

Trotz Millionenaufwands nur eine Handvoll Schauplätze, trotz spannender Grundidee eine miserable Story, trotz erstklassiger Steuerung und Bedienung viel Leerlauf: Destiny steckt voller Widersprüche. Schade, dass das Programm von Bungie unter seinen Möglichkeiten bleibt - trotz spektakulärer Kämpfe.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Destiny (Bild: Activision)
Artwork von Destiny Bild: Activision

Wir könnten uns gut vorstellen, dass in 700 Jahren ein riesiger Apfel über der letzten Stadt auf dem Planeten Erde schwebt und Werbung für das iPhone 706 macht. Das würde (zumindest für Apple) jedenfalls mehr Sinn ergeben als das Szenario von Destiny, dem neuesten Actionspiel des Entwicklerstudios Bungie(öffnet im neuen Fenster) . Da schwebt die gewaltige Kugel eines mysteriösen Reisenden über besagter Metropole. Was der Typ wirklich vorhat, wissen wir allerdings nicht. Immerhin - Handyverträge will er uns nicht verkaufen.

Destiny - Test
Destiny - Test (05:27)

Stattdessen bringt er der Menschheit eigentlich wissenschaftlichen Fortschritt und Reichtum. Gleichzeitig lockt er - wirklich aus Versehen? - böse Außerirdische herbei, die über das Sonnensystem herfallen. Zum Start von Destiny ernennt er uns als Spieler zu einem der sogenannten Hüter, indem er uns einen kleinen Flugroboter namens "Geist" schickt, der dann unser treuer Begleiter ist.

Soweit die Ausgangssituation von Destiny - die auf das weitere Spiel nur bedingt Einfluss hat. Denn statt einer Story um die Geheimnisse des Alls und den interstellaren Krieg verzettelt sich das Programm in einer ebenso wirren wie banalen Story, in der neben Aliens und Artefakten sogar der russische Prediger und Geistheiler Rasputin irgendwie eine Rolle spielt. Um es kurz zu machen: Es gibt keinen anderen Bereich, in dem das Spiel so offensichtlich versagt wie bei der Handlung.

Es finden sich keine interessanten Figuren, die Dialoge sind schwach, unser "Geist"-Roboter ist nicht mal annähernd so vorwitzig-frech wie sein Kollege aus Halo - dabei bedient sich Bungie sonst recht großzügig bei seiner eigenen Serie. Nicht einmal die paar längeren Zwischensequenzen sind wirklich spektakulär, was wir für ein Spiel mit einem kolportieren Budget von 500 Millionen US-Dollar erstaunlich finden; Diablo 3 hat in diesem Punkt extrem mehr zu bieten.

Also muss es der Rest retten, und zumindest in den Kämpfen liefert Destiny - irgendwann - sogar zu viel. Aber der Reihe nach: Die ersten paar Einsätze für den Reisenden absolvieren wir in einem schneebedeckten Gebiet namens Alt-Russland auf der Erde. Entweder als Titan, Jäger oder Warlock - große Auswirkungen hat die zum Spielstart gewählte Klasse anfangs nicht - suchen wir einen Antrieb für unser Raumschiff, alte Artefakte und Ähnliches.

Der Schwierigkeitsgrad steigt langsam an, ist dann aber rasch sehr herausfordernd - Einsteiger werden überfordert. Irgendwann stehen wir im Lauf der Kampagne in einer verfallenen Fabrikhalle an einer alten Maschine, die unser Geist-Flugroboter untersucht. Und stellen fest: Die Außerirdischen setzen wirklich alles daran, uns zu stoppen. Jedenfalls müssen wir eine Welle von Aliens nach der anderen besiegen, neben Standardgegnern sind immer mehr höherrangige und vor allem besser durch Schilde geschützte Anführer sowie mit großen Kanonen ausgestattete fliegende Drohnen dabei.

Gefechte mit schlauen Feinden

Anfangs haben wir die Feinde nach und nach erledigt, ab diesem Kampf in der Fabrik steigt der Schwierigkeitsgrad rapide an. Oder genauer: Wir haben es mit immer größeren Gegnermassen zu tun, denn im Spielverlauf schickt uns Destiny gerne einen Trupp Feinde nach dem anderen auf den Heldenhals. Oft ist das packend inszeniert und eine tolle Herausforderung, der wir uns gerne stellen.

Destiny - Intro
Destiny - Intro (09:54)

Auch, weil sich unsere Gegner schlauer anstellen als das Kanonenfutter aus anderen Shootern. Die Aliens in Destiny gehen in Deckung - und wenn sie merken, dass Gefahr droht, bleiben sie da auch und gucken nur ab und zu um die Ecke, um vorsichtig einen Schuss abzugeben. Die Feinde nehmen Reißaus, versuchen uns zu umkreisen und treffen auch sonst Entscheidungen, auf die wir reagieren müssen. Ähnlich wie in Halo können wir den meisten gegnerischen Salven gut ausweichen - statt schneller kleiner Kugeln fliegen schließlich langsame und große Energiebatzen auf uns zu, was enorm zur Dynamik beiträgt.

Es gibt aber auch Feuergefechte - und in späteren Missionen werden es immer mehr -, in denen wir den Eindruck hatten, dass Masse vor Klasse geht. So müssen wir an einer Stelle rund zehn Wellen der immer gleichen Kampfroboter ausschalten. Nach dem zweiten Angriff war zumindest uns klar, dass die Feinde keine Bedrohung sind, solange wir in Bewegung bleiben und mit unseren Waffen halbwegs normal treffen. Trotzdem hat der Kampf dann deutlich länger als eine halbe Stunde gedauert, wo zumindest uns auch zehn Minuten gereicht hätten.

In einer auf drei Spieler ausgelegten Koop-Mission vom Typ "Strike" fanden wir das sogar noch schlimmer: Da mussten wir einen toll animierten, aber eben auch superdick gepanzerten Riesenkäfer der Aliens ausschalten. Im Team stellt das überhaupt kein Problem dar - außer, dass es schlicht öde ist zu sehen, wie sich der Lebensbalken des Biestes unter unserem Beschuss nur Millimeter für Millimeter abbaut.

Wer die Kampagnen von anderen Actionspielen gewohnt ist, muss übrigens mit weiteren Unbequemlichkeiten leben. So gibt es in Destiny keine Pausen: Selbst dann, wenn wir ins Menü oder auf die Benutzeroberfläche unserer Konsole wechseln, läuft das Spiel in Echtzeit weiter - oder Activision schmeißt uns nach ein paar Minuten Inaktivität von den Servern, was das nur mit Onlineverbindung laufende Spiel faktisch abbricht.

Manuelles Speichern ist nicht möglich: Je nachdem, wo in der Mission wir uns befinden, müssen wir weite Teile oder - mit Glück - nur ein paar Minuten wiederholen; konkret hängt das davon ab, ob wir uns im öffentlichen Teil der Map oder in einem instanzierten Bereich befinden, in dem wir allein unterwegs sind.

Übrigens finden wir es generell anstrengender als nötig, uns in Destiny an diese Details zu gewöhnen. So folgt nicht einfach eine Mission nach der anderen. Stattdessen müssen wir sie auf einer Übersichtskarte auswählen, auf der nicht ganz klar ersichtlich ist, welcher Auftrag der nächste ist, dazu kommen viele sonst nicht gebräuchliche Namen - das ist zwar kein ganz großes Problem, macht den Einstieg aber anstrengender als nötig.

Kampagnenlänge und Missionen

Destiny schickt uns im Verlauf der rund 15 bis 20 Stunden langen Kampagne auf die Erde, den Mond, dann auf die Dschungelwelt Venus und schließlich auf den Mars. Das klingt nach wenig - aber es entpuppt sich als eine der Stärken des Spiels. Auf den Oberflächen der Himmelkörper können wir uns frei bewegen und etwa im freien Kampf gegen herumstromernde Aliens Erfahrungspunkte sammeln - in diesen Abschnitten befinden wir uns immer in Gesellschaft anderer menschlicher Destiny-Spieler.

Destiny - Trailer (Launch)
Destiny - Trailer (Launch) (02:23)

Wenn wir dann wirklich in die Mission einsteigen wollen, folgen wir einblendbaren Markierungen, die uns in sonst nicht zugängliche Höhlensysteme oder Täler führen. Auf dem Mond etwa untersuchen wir gewaltige Krater, eine kilometerlange Bergbaustation und sausen auf dem Hoverbike über staubige Pisten. Die Einsätze führen uns dann in schick blau-orange glimmende Tempelanlagen tief unter der Erde, die stellenweise mit alten Leitungsrohren und bizarren Ruinenanlagen an die Aliens-Filme erinnern - natürlich finden wir dort ebenfalls jede Menge böse Wesen vom fremden Stern.

Um mit den Feindesmassen fertig zu werden, greifen wir einerseits zu Waffen wie der Schrotflinte, dem Automatikgewehr oder zu nur mäßig aufwendig animierten Sci-Fi-Kanonen wie der Fusionsflinte. Dazu kommt eine wichtige Energiegranate, die wir immer dabeihaben und die sich ohne weiteres Zutun von selbst auflädt. Und ein klassenspezifischer Superangriff: Beim Jäger ist das etwa ein goldener Energiestrahl, der jede Menge Schaden anrichtet.

Eine der vielen Merkwürdigkeiten von Destiny ist übrigens, dass wir vermutlich mehr Feinde mit einem fast nebensächlichen Kampfgerät ausgeschaltet haben als mit allen anderen: Mit einem banalen Messer, das wir im Nahkampf auf Druck der rechten Schultertaste den Aliens gegen die Stirn hauen können, und das oft sofort tödlich wirkt - es würde uns wundern, wenn Bungie diese übermächtige Waffe nicht mit einem künftigen Patch "nerft", also die Wirkung senkt.

Wer auch mal gegen andere Spieler antreten möchte, muss mit seinem Ingame-Raumschiff zum sogenannten Schmelztiegel fliegen. Dahinter verbirgt sich das Player-versus-Player-Angebot von Destiny. Es gibt vier Modi, die sich an Standards wie Deathmatch, Team Deathmatch und Caputure the Flag orientieren. Was es nicht gibt: Einen Serverbrowser oder irgendwelche Einstellmöglichkeiten. Spieler haben lediglich die Möglichkeit, einer Partie beizutreten, den Rest macht das Spiel - inklusive der Auswahl der menschlichen Gegner und der Karte.

Wenn wir es richtig verstanden haben, passt das Programm den Level der Spieler automatisch aneinander an, aber nicht die Waffen. Das würde jedenfalls erklären, warum wir bei einigen Partien ständig auseinandergenommen wurden, bei anderen aber problemlos im vorderen Drittel mithalten konnten. Wirklich klar ist das aber nicht, weil das System weitgehend intransparent gestaltet ist.

Verfügbarkeit und Fazit

Auf der Playstation 4 und der Xbox One wird Destiny nativ mit einer Auflösung von 1080p (1.920 × 1.080 Pixel) berechnet, auf der Playstation 3 und der Xbox 360 in 720p (1.280 × 720 Pixel) - jeweils mit 30 FPS, was sich im Spiel sehr flüssig anfühlt. Unterschiede innerhalb der jeweiligen Konsolengeneration sind quasi nicht zu erkennen. Eine PC-Version ist nicht angekündigt. Die deutsche Synchronisation ist Bungie gut gelungen. Alberne oder unpassende Stimmen wie in den Lokalisationen der Halo-Spiele haben wir nicht zu hören gekriegt.

Destiny auf PS3 und PS4 - Grafikvergleich
Destiny auf PS3 und PS4 - Grafikvergleich (05:44)

Bungie hat angekündigt, dass Destiny regelmäßig mit Updates und Patches versorgt werde. Einer der noch nicht erhältlichen Inhalte - dessen Daten allerdings größtenteils auf den Discs mitgeliefert werden - steht schon fest: Erst am 16. September 2014 schalten die Entwickler den ersten Raid namens Vault of Glass auf dem Planeten Venus für Helden mit einem Mindestlevel von 26 frei.

Destiny ist für alle vier Konsolenplattformen im stationären Handel oder als Download über das Playstation Network und Xbox Live erhältlich. Der Preis liegt offiziell bei 70 Euro, vereinzelt ist das Programm beim Spieleladen des Vertrauens auch minimal günstiger erhältlich. Wer Online die Old-Gen-Fassung kauft, kann ohne weitere Kosten innerhalb der Plattformfamilie auf die jeweilige Current-Gen-Version umsteigen - also von der Xbox 360 auf die Xbox One, aber nicht auf die Playstation 4; die Speicherstände sind kompatibel. Hierzulande erscheint das Programm ohne inhaltliche Änderungen gegenüber dem US-Original mit einer Altersfreigabe durch die USK ab 16 Jahren.

Fazit

Destiny hat uns einige tolle Triumphe beschert - wenn wir nach packenden Gefechten endlich den Oberboss besiegt und die Mission geschafft haben, fühlt sich das natürlich super an. Leider hat uns das neue Werk von Bungie aber auch oft frustriert und genervt. Etwa dann, wenn noch eine weitere Horde von Standardfeinden auf den Kampfplatz springt, oder wir viele Minuten stupide auf einen größeren Gegner ballern müssen, bis sein Lebensbalken endlich auf Null ist. Es gibt vieles, was uns in Destiny nicht so gut gefällt, aber die Massen an überlangen und künstlich in die Länge gezogenen Kämpfen haben uns letztlich mit Abstand am meisten genervt.

Auf Platz zwei folgt dann die Ernüchterung, dass Destiny keine spannende Handlung erzählt und sich offensichtlich nicht einmal Mühe macht, uns in eine irgendwie glaubwürdige und interessante Welt zu ziehen. Im Grunde bietet das Programm in dieser Hinsicht einfach - nichts. Angesichts der Erfahrung von Bungie, der vielversprechenden Idee mit dem mysteriösen Reisenden und des mutmaßlich riesigen Budgets finden wir das schlicht unfassbar.

Man könnte hier noch weitere Seltsamkeiten aufführen und etwa darüber lästern, dass die letztlich effektivste Waffe im ganzen Spiel unser Kampfmesser ist. Zum Gesamtpaket gehört aber auch das, was Bungie richtig gemacht hat. Das sind in erster Linie die tolle Gegner-KI und eine nahezu perfekte Steuerung - von beidem sollten sich andere Studios gerne viel abgucken, allein durch diese Punkte gewinnt Destiny enorm. Außerdem sind die Entwickler beim Design der teils spektakulär aussehenden Schauplätze neue Wege gegangen, die uns trotz kleiner Nachteile sehr gut gefallen. Selten haben offene Spielwelt und lineare Missionen so aus einem Guss gewirkt wie hier.

Unterm Strich ist Destiny nicht der erhoffte Überkracher geworden. Aber Potenzial ist da - wir sind gespannt, in welche Richtung sich das Spiel durch Updates, Erweiterungen und Nachfolger in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln wird.


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