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Test Call of Duty Ghosts: Actionspektakel plus Next-Gen-Hui und -Buh

West- und Ostküste der USA liegen in Schutt und Asche, also müssen zwei Brüder die Welt retten: Call of Duty Ghosts setzt erneut auf spektakuläre Effekte - aber wieder auf eine doofe Handlung. Golem.de hat das Spiel unter anderem auf der Next-Gen-Konsole getestet.
/ Berenike Kampmann
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Call of Duty Ghosts (Bild: Activision)
Call of Duty Ghosts Bild: Activision

Auf den ersten Blick ist fast alles wie immer: Auch Ghosts, das diesjährige Call of Duty, ist mehr Rausch als Spiel. Der Spieler wird von einem Special Effect in den nächsten gerissen. Wer im Kodak Theatre von Los Angeles auf südamerikanische Eliteeinheiten feuert und das Bellagio in Las Vegas vor schießwütigen Helikopterpiloten schützt, muss schon sehr an sich halten, um nicht laut "Yippie-ya-yeah Schweinebacke!" zu rufen. Schließlich fühlt sich das Ganze an wie Stirb Langsam, auch wenn es noch so sehr Call of Duty ist...

Call of Duty Ghosts - Test
Call of Duty Ghosts - Test (02:20)

Unsere Situation ist ähnlich aussichtslos wie bei John McClane. Die Wasserspiele am Bellagio haben ausgetanzt, und dort, wo sonst Schauspieler ihrer Mama, ihrem Papa, ihrem Produzenten und allen Menschen dieser Erde für den Oscar danken, hoppeln jetzt Rehe über verkohlte Sitzreihen. Warum? Die Orbital Defense Initiative (ODIN) hat Kalifornien für immer verändert.

Die Waffenplattform in der Umlaufbahn sollte eigentlich den USA zur Verteidigung gegen einen Atomangriff dienen, doch ein Staatenverbund Südamerikas, genannt die Federation, dreht den Spieß um und vernichtet mit kinetischer Energie die amerikanische West- und Ostküste, zerstört die wichtigsten Militärbasen wie die Travis Airforce Base sowie Norfolk und verwandelt das Zuhause von Logan und Hash, den beiden Brüdern und Protagonisten des Spiels, in ein flammendes Inferno.

Das klingt weit hergeholt, ist aber herrlich bildgewaltig inszeniert. Wie die Villengegend Hollywood Hills in einer tiefen Furche verschwindet, die Straßen aufbrechen und die ganze Welt unterzugehen scheint, erinnert fast schon an den Spielfilm 2012. Allerdings stellt sich die Frage, warum Mexikaner und Venezolaner mit einer gewaltigen Armee an der kalifornischen Küste anlanden. Immerhin treibt das die Brüder Logan und Hash in die Arme der Eliteeinheit Ghosts, wo sie dann zu Helden werden können.

Microsoft hat mit harten Sperrfristen versucht, die konsolenspezifische Berichterstattung zu den Xbox-One-Versionen von Battlefield 4 und Call of Duty: Ghosts zu unterbinden, doch dabei anscheinend nicht mit der Ehrlichkeit von Infinity-Ward(öffnet im neuen Fenster) -Produzent Mark Rubin gerechnet, der die Community per Twitter darüber aufgeklärt hat , dass die Xbox-One-Fassung nur in einer Auflösung von 720p (1.280 x 720 Pixel) berechnet und dann hochskaliert wird. Infinity Ward habe sich für die niedrigere Auflösung entschieden, weil der Shooter auf jeden Fall flüssig mit 60 Bildern pro Sekunde laufen solle.

Call of Duty Ghosts - PS4 vs. Xbox One (Grafikvergleich)
Call of Duty Ghosts - PS4 vs. Xbox One (Grafikvergleich) (01:54)

Aufgrund der Sperrfrist von Microsoft dürfen wir nicht über die grafischen Unterschiede sprechen, technikaffine Leser werden allerdings eins und eins zusammenzählen können. Die Playstation-4-Version berechnet das Spiel nativ in 1080p (1.920 x 1.080 Pixel) und macht auch Grafikfans richtig Spaß. Besonders auffällig ist der Techniksprung, wenn man dem Gegner beim Nahkampf in die Augen blickt. Durchaus beachtlich ist, wie viel Arbeit Infinity Ward in Barthaare, Augenfarbe und vom Rauch verdreckte Gesichter investiert hat.

Scharfschützen und Schleichwege

Ghosts' eigentliche Stärke ist die Inszenierung, und darin war Call of Duty immer schon sehr gut. Wenn eine Schießerei im mexikanischen Caracas zum Moorhuhn-Festival zu verkommen droht, jagt ein Irrer plötzlich den Damm in die Luft und Wassermassen schießen durch die Straßen. Tonnenschwere Panzer werden wie Spielzeugautos durch die Gegend gewirbelt, reißen Häuser ein, begraben Soldaten. Wir treiben hilflos durch die schlammige Flut, versuchen uns irgendwo festzuhalten, werden wieder fortgerissen und wähnen uns schon im gleichen Grab wie der arme mexikanische Offizier, der uns gerade entgegengespült wird.

Call of Duty Ghosts - Trailer (Launch)
Call of Duty Ghosts - Trailer (Launch) (00:58)

Egal ob mit eingestreuten Scharfschützenmissionen oder leicht taktisch angehauchten Sequenzen, in denen wir mit Minen und Selbstschussanlagen Bereiche verteidigen müssen: Ghosts schafft es immer wieder, seine Bleipartys aufzulockern. Genau wie in Battlefield 4 gibt's auch ein paar Schleichwege und Treppen, um Patrouillen von oben mit einer Granate zu überraschen.

Was Call of Duty aber immer noch nicht hinbekommt, ist eine vernünftige Charakterzeichnung. Es ist völlig grotesk, wie die Serie in diesem Jahr trotz Unterstützung von einem Autor wie Stephen Gaghan (Traffic, Syriana) immer wieder darin versagt, ihre Protagonisten als Menschen aufzubauen. Battlefield 4 arbeitet dafür mit simplen Drehbuchtricks: Lass die Charaktere Fehler machen, ruhig auch mal unsicher wirken und mache klar, dass sie diese Kriegssituation, in der sie sich befinden, von Herzen hassen.

Die Besetzung von Call of Duty funktioniert leider schon wieder nach dem klassischen Hooray-for-the-USA-Prinzip. Das ist ärgerlich, denn vielversprechende Ansätze sind da: In einer Szene müssen wir Ghosts-Teammitglied Ajax vor der Folter bewahren. Das hat Potenzial, allerdings müsste Infinity Ward diesen Alex vorher vorstellen: Wer ist er, wo kommt er her, was hat er vor dem Krieg gemacht?

Im Multiplayermodus lässt Infinity Ward seiner Kreativität freien Lauf und hört auf seine Fans: Die Killstreak-Abschussserien wurden deutlich zurückgefahren. Vorbei sind die Black-Ops-2-Zeiten, in denen die Karten im Sekundentakt von Bombardements durchwühlt wurden. Stattdessen gibt's abgeschwächte Varianten wie den K9-Dog, der zwar auch gerne mal zwei, drei Kehlen mit je einem Biss durchtrennt, aber nur so lange effizient arbeiten kann, wie die Gegenspieler ihn nicht beachten.

Call of Duty Ghosts - Trailer (Multiplayer)
Call of Duty Ghosts - Trailer (Multiplayer) (02:51)

Beim Test war der Hund in den ersten Runden beinahe übermächtig, später musste Riley hingegen nur noch blaue Bohnen schlucken. Generell sind die Killstreaks mehr als Hilfsmittel denn als Killmotoren gedacht. Von einem Helikopter aus kann der Spieler wunderbar das Scharfschützengewehr benutzen, tötet damit aber nicht mit einem Schlag das halbe gegnerische Team. Interessant ist auch das Perk-System, was sich sehr beliebig kombinieren und auf die einzelnen Karten zuschneiden lässt: Chasm, die mit den Highways von L.A. spielt, setzt stark auf Vertikalität, hier bietet sich ein Perk an, was den Fallschaden reduziert. Octane ist eine sehr große Karte mit einem Ausschnitt von Las Vegas und langen Routen, hier bietet sich das Sprint-Perk an.

Verfügbarkeit und Fazit

Prinzipiell lassen sich jeder Modus und jede Waffe auf allen Karten spielen, Infinity Ward achtet allerdings darauf, dass es immer jeweils eine Map gibt, auf der man neue Elemente kennenlernen kann: In Cranked tickt nach jedem Abschuss die Uhr. Treffen wir binnen 30 Sekunden nicht nochmal, aktiviert sich unsere C4-Weste und es macht boom. Dafür ist Strikezone perfekt geeignet. Die engen Gänge der Katakomben eines San Diegoer Footballstadions bieten genau die Duelle, die dieser Modus braucht. Bei Blitz müssen wir eine Art Teleport-Reifen erreichen, und dafür sind verwinkelte und große Karten wie die Schnee-Map Whiteout perfekt geeignet. Generell ist das Kartendesign sehr abwechslungsreich, mitunter erstaunlich weitläufig, für die klassischen schnellen Eins-gegen-eins-Duelle gibt's aber auch genug Gelegenheit.

Call of Duty Ghosts - Trailer (Squads, Multiplayer)
Call of Duty Ghosts - Trailer (Squads, Multiplayer) (02:39)

Größte Überraschung ist wohl der brandneue Squad-Modus, für den wir uns bis zu zehn verschiedene Soldaten erstellen und einzeln auf Prestige leveln können. Damit attackieren wir entweder Squads von menschlichen Gegnern oder kämpfen gegen die K.I. Und hey: Was unsere Scharfschützen so alles aus den Ecken gefischt und wie clever sie sich positioniert haben - da dürfen sich die Kampagnenkollegen gerne mal ein Scheibchen abschneiden.

Call of Duty Ghosts erscheint am 5. November 2013 für Windows-PC (60 Euro), Xbox 360 und Playstation 3 (jeweils 70 Euro). Die Versionen für die Next-Gen-Konsolen folgen am jeweiligen Starttag, also am 22. November 2013 für die Xbox One und am 29. November 2013 für die Playstation 4. Käufer der Current-Gen-Versionen sollen für rund 10 Euro die Next-Gen-Variante bekommen können. Das Spiel kommt hierzulande ungeschnitten mit einer USK-Freigabe ab 18 Jahren auf den Markt.

Call of Duty Ghosts - Trailer (Aliens im Extinction-Modus)
Call of Duty Ghosts - Trailer (Aliens im Extinction-Modus) (02:08)

Fazit

Call of Duty braucht dringend ein vernünftiges Autorenteam, dann wäre der hollywoodreife Actionspaß auch in Sachen Kampagnendramaturgie gelungen. Es rumst und bumst an allen Ecken, die Special-Effects-Abteilung leistet ganze Arbeit und auch an Überraschungsmomenten mangelt es nicht. Die Charakterzeichnung ist allerdings erneut völlig vergeigt. Es sagt viel über die Dramaturgie eines Spiels aus, wenn die emotionalsten Szenen diesmal der Hund liefert.

Technisch darf man bei Ghosts zwar keine Grafik auf dem Niveau eines Battlefield 4 auf einem High-End-PC erwarten, bekommt aber zumindest auf der Playstation 4 absolut flüssiges natives 1080p, druckvolle Explosionen und ziemlich lebensechte Rutschanimationen von Elitesoldaten.


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