Bloodborne im Test: Das Festival der tausend Tode
Diesmal muss es klappen! Zuerst knöpfen wir uns zum gefühlt 15. Mal den Oger vor. Ein gezielter Molotowcocktail reicht wie immer, um seinen Schadensbalken um die Hälfte zu reduzieren – den Rest erledigen wir mit der Axt. Dann folgt erneut der längere Kampf in den wasserüberfluteten Katakomben der Stadt Yharnam. In mindestens einem Dutzend früherer Durchgänge haben wir gelernt, dass wir den Feind auf der rechten Seite mit kurzen und harten Schlägen, den auf der linken Seite besser aus der Distanz mit unserer Flinte angreifen.

Jetzt folgt wieder das Gefecht mit einem guten Dutzend Zombies und Riesenratten – aber die stellen keine Gefahr für uns dar, sondern fallen schnell. Der ganz dicke Brocken kommt wie immer zum Schluss: ein paar Werwölfe, die ziemlich immun gegen Feuer zu sein scheinen und auch sonst viel aushalten. Den ersten erledigen wir gerade noch so, aber dann leuchtet das schlimmste Wort von Bloodborne auf dem Bildschirm auf: "Gestorben". Es ist nicht das erste und sicher auch nicht das letzte Mal...
Ganz im Gegenteil: Das von From Software(öffnet im neuen Fenster) und Sony Japan Studio(öffnet im neuen Fenster) produzierte Action-Rollenspiel zeichnet sich wie die früheren Werke Demon Souls und Dark Souls durch seinen gnadenlosen Schwierigkeitsgrad aus. Der sorgt nicht nur bei Einsteigern für Frust. Auch sehr erfahrene Spieler werden die mindestens 30 bis 40 Stunden lange Kampagne von Bloodborne nicht ohne Leidenschaft im engsten Wortsinn und ohne sehr, sehr viele Bildschirmtode bewältigen.
Der Schwierigkeitsgrad ist durchaus nervend – auch, weil die Ladezeiten in dem für die Playstation 4 erhältlichen Spiel je nach Level bei bis zu 40 Sekunden liegen. Wenn die Entwickler eine PC-Fassung angekündigt hätten, würden wir darauf warten und schon mal anfangen, für den schnellsten auf dem Markt verfügbaren Rechner mit SSD und extra viel Speicher zu sparen.
Neben vielen Situationen, in denen wir unser Gamepad mitsamt der Konsole verärgert aus dem Fenster werfen wollten, bietet Bloodborne natürlich auch grandiose Momente. Und zwar nicht nur dann, wenn wir einen Abschnitt irgendwann doch erfolgreich bewältigt oder einen der Bossgegner besiegt haben. Der erste, ein geschätzt 20 Meter großer Zottelwolf, würde in vielen anderen Games locker als finaler Endgegner durchgehen. Im Vergleich zu dem, was später in Bloodborne kommt, ist er harmlos – umso toller ist das Gefühl, gegen so ein Biest gewonnen zu haben, egal wie lange wir dafür gebraucht haben.
Stimmiges Kampfgefühl
Eine der großen Stärken des Spiels ist, dass es auch dann Spaß macht, wenn wir uns mal ohne die ganz große Herausforderung einfach so durch ein oder zwei Dutzend Feinde kloppen. Die Entwickler haben es hinbekommen, dass dank schicker Animationen, gutem Sound, den flüssigen Kombos und einer generell angenehmen Steuerung – und trotz gelegentlicher Sichtprobleme – das Kämpfen an sich Spaß macht.
.jpg)
Die wichtigste Waffe tragen wir in der rechten Hand: Es handelt sich um verschiedene Varianten von Klingen, die wir in einer Kurzform als Axt oder in einer Langform als eine Art Sense verwenden können, und das jeweils mit einem kurzen (R1) oder einem lang ausholenden (R2) Schlag. Dazu kommt in der linken Hand eine Pistole oder Flinte, mit der wir Feinde auf mittlere und lange Distanz verwunden und manchmal zu uns locken können.
Anteil am guten Kampfsystem hat auch die Zielaufschaltung von Bloodborne. Mit einem Druck auf den rechten Analogstick nehmen wir einen Feind fest ins Visier und treffen ihn dann so gut wie sicher – wenn wir nah genug bei ihm stehen. Per Menü lässt sich übrigens eine Option aktivieren, durch die nach dem Sieg gegen einen Feind automatisch sofort der nächste Gegner aufs Korn genommen wird. Wir haben das verwendet und finden, dass es in den meisten Situationen sehr praktisch ist.
Stellenweise erinnert das Spielgefühl in den flotten Gefechten beinahe an ein Hack-and-Slay. Im Vergleich etwa mit Dark Souls 2 ist das Tempo sehr hoch, Feinde greifen uns deutlich aggressiver an und sind öfter in Gruppen unterwegs – die KI macht dabei einen ordentlichen Job. Gleichzeitig haben wir weniger Schutz und müssen entsprechend offensiver agieren. Wir finden fast keine Schilde und haben nur selten Gelegenheit, einen größeren Gegner erst mal in Ruhe unter die Lupe zu nehmen und uns einen Plan zurechtzulegen.
Neben den Kämpfen gibt es übrigens noch einige weitere Herausforderungen, denen wir uns in Bloodborne stellen müssen. Dazu gehört die Orientierung in den verwinkelten und verschachtelten Umgebungen. Es gibt keine Übersichtskarte und keine einblendbaren Pfeile, die den Weg zum nächsten Zwischenziel weisen. Stellenweise hätten wir uns in diesem Bereich mehr Unterstützung durch das Programm gewünscht.
Der zentrale Level und das Fazit
Es kann vorkommen, dass man sich in mühevoller Arbeit bis ans Ende eines langen Abschnitts kämpft und dann feststellt, dass man eigentlich ganz woanders hin muss. Generell ist es übrigens wichtig, dass der Spieler die Umgebung sehr genau untersucht und nach Möglichkeit alle Kisten und Fässer am Wegesrand zerdeppert, um etwa dahinter verborgene Abkürzungen oder Geheimgänge zu finden.
.jpg)
Einen speziellen Ort besuchen wir immer wieder: den "Traum des Jägers". Dabei handelt es sich um eine kleine Karte mit einem Garten und einem Gebäude. Wir können dort unsere Waffen reparieren, Erfahrungspunkte gegen bessere Charakterwerte tauschen und Vorräte sowie einen Teil unserer Ausrüstung kaufen. Die meisten wirklich guten Waffen finden wir allerdings unterwegs in der Stadt Yharnam.
Ausrüstung, insbesondere Heiltränke, erhalten wir anfangs in ausreichender Zahl von getöteten Monstern. Später im Spiel versiegt diese Nachschubquelle spürbar und wir müssen uns den Einsatz der Medizin gut überlegen. Zusätzlich gibt es diverse Mittelchen, um Feinde anzulocken, unsere Werte, Lebenspunkte oder Stamina kurzfristig zu verbessern und noch mehr. Vorräte, die wir nicht mehr tragen können, landen in einer Kiste im "Traum des Jägers" und werden von dort bei Bedarf automatisch ins mobile Inventar übertragen.
Bloodborne ist ab dem 25. März 2015 für rund 65 Euro für die Playstation 4 erhältlich. Neben der Kampagne gibt es einen Multiplayermodus, in dem Spieler mit Anderen in zufallsgenerierte Höhlensysteme – die Chalice Dungeons – steigen können. Wir haben das mit unserer fertigen Version (inkl. rund 2,7 GByte Launch-Patch) noch nicht ausprobiert. Das Programm ist vollständig lokalisiert, allerdings gefallen uns einige der deutschen Sprecher nicht – zum Glück haben sie aber kaum Text und wir können direkt im Optionsmenü zum Beispiel die englische Fassung aktivieren. Von der USK hat Bloodborne eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
Fazit
Die vielleicht größte Stärke von Bloodborne ist die geschickte Verbindung von fast schon flüssig spielbaren Actionpassagen, einem spaßigen Kampfsystem mit toll umgesetztem "Wumms" und Grusel: Läuft es gerade zu gut? Lauert um die Ecke ein richtig fieses Monster? Ist da etwas hinter uns, und wir merken es nicht?
Fast immer wartet in Bloodborne tatsächlich in der Nähe ein stärkerer oder schnellerer Feind. Oder zumindest einer, der überraschend auftaucht und uns deshalb den Garaus macht. Wer nicht mit voller Konzentration antritt und bereit ist, auch sehr lange Abschnitte immer neu mit anderer Taktik zu wiederholen, hat keine Chance.
In diesem tollen Programm hat uns neben den langen Ladezeiten das stellenweise zu verwinkelte Level-Design noch am meisten gestört. Für die Entwickler von Bloodborne gehört das vermutlich zur Herausforderung. Uns hat es genervt, dass wir den richtigen Weg oft nur zufällig gefunden haben und vor allem, dass wir häufig gar nicht wussten, wonach genau wir eigentlich gerade suchen sollten.
Trotzdem: Bloodborne ist ein großes, fieses Meisterwerk. Die Atmosphäre ist stimmig, das Kampfsystem macht Spaß. Alles in allem ist es eine Herausforderung, der erfahrene Spieler mit starken Nerven eine Chance geben sollten.
- Anzeige Hier geht es zur Playstation 5 Pro bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.