Test Angry Birds Space: Galaktischer Suchtfaktor

Im Grunde ist es ganz einfach. Die einen sind immer noch grün und grunzen, und das tun sie auf Planeten, auf kleinen Raumstationen oder in schwebenden Blubberblasen im All - das sind die Schweine. Um sie kaputtzukriegen, feuert der Spieler die anderen - eben die wütenden Vögel - in Angry Birds Space per Zwille ab, genauso wie in den Vorgängern von Rovio Entertainment(öffnet im neuen Fenster) . Nur das mit der Flugbahn ist jetzt zumindest in einigen Levels komplizierter. Etwa, wenn sich die Steinschleuder im All befindet und die Sau auf der eigentlich nicht direkt erreichbaren Rückseite eines Mondes grunzt. Dann muss der Spieler seinen Vogel so abschießen, dass er in das - gut sichtbare - Schwerkraftfeld einschwenkt, dabei eine Kreisbahn beschreibt und so sein Ziel findet.

Die Sache mit der Gravitation ist das, was Angry Birds am meisten von den Vorgängern unterscheidet. Auf den ersten Blick wirkt das relativ komplex, auf den zweiten wurde am grundsätzlich unkomplizierten Spiel nichts verschlimmbessert. Es hilft allerdings, dass das Spiel jetzt beim Spannen der Schleuder die anfängliche Flugbahn einblendet - so lässt sich meist ganz gut abschätzen, wo das Federvieh ungefähr landet. Angry Birds Space bietet 60 Level, wie schon in früheren Titeln steigt der Schwierigkeitsgrad allmählich an, und schon bald muss der Spieler etwa die Schwerkraft von mehreren Planeten in Reihe berücksichtigen. Dazu kommt eine Reihe von anderen Weltraumelementen - etwa, dass Trümmerteile deutlich weiter fliegen, als das sonst der Fall ist.










Die meisten Vogelarten kennen Fans der Serie bereits aus den Vorgängern, allerdings haben die Entwickler sie grafisch und stellenweise auch im Detail verändert. Die wohl wichtigste Neuerung ist eine Spezies, nach deren Abschuss der Spieler mit einem Antippen des Bildschirms ein Fadenkreuz platziert, zu dem das Federvieh dann mit Hochgeschwindigkeit saust - sofern der Weg frei ist - und dann mit entsprechenden Wirkungen einschlägt.
Auch sonst gibt es viel zu entdecken: So gibt es jetzt versteckte schwarze Löcher. Wer die trifft, landet in einer Sonderwelt namens Eggsteroids, die weitere Extras, Punkte und Belohnungen bietet - und deren Grafik nebenbei erstaunlich an ältere Mario-Bros-Spiele erinnert. Der Mighty Eagle als Quasi-alle-Probleme-Löser ist in der iOS-Version auch wieder mit dabei, allerdings in gegenüber den Vorgängern etwas veränderter Form.
Um die von echten Fans begehrten drei Sterne in allen Levels zu erhalten, ist bei Space etwas mehr Knobelei als früher gefragt. Es geht nicht mehr vor allem um Glück, sondern in vielen Levels um einen Kunstschuss gleich mit dem ersten Vogel. Damit der alle Ziele erwischt, gibt es oft mehrere Möglichkeiten, die davon abhängen, wie man die Gravitation einsetzt. Allerdings gilt in anderen Levels auch das Gegenteil: Wenn es etwa darum geht, eine Kettenreaktion auszulösen, ist manchmal auch fast nur der zufällige eine Moment gefragt, in dem sich alle Elemente am passenden Platz befinden und sich dann auch noch wie gewünscht verhalten.
Technik, Plattformen und Fazit
Angry Birds Space ist für eine ganze Reihe von Plattformen erhältlich - weitere werden folgen, darunter sicherlich auch Konsolen. Derzeit gibt für iPhone (ab 3GS), iPod touch (ab der 3. Generation) und alle Versionen des iPads für rund 80 Cent eine 16 MByte große Version - auf allen Geräten muss mindestens iOS 4.0 installiert sein. Das Spiel lief im Test auch auf den älteren Versionen der jeweiligen Plattform sehr gut. In den Foren berichten nur sehr wenige Nutzer über technische Probleme.

Die für das Google Nexus One vom Play Store angebotene kostenlose Version ist 23 MByte groß und benötigt während der Installation rund 30 MByte im Flash-Speicher des Smartphones selbst. Erst danach lässt sich das Programm auf eine SD-Karte verschieben, die weiterhin im Handyspeicher abgelegten Daten sind aber mit 2,29 MByte größer als bei allen drei früheren Angry-Birds-Spielen. Space läuft auf dem älteren Nexus One mit seinem 1-GHz-Prozessor (Single-Core) flüssig, was Angry Birds Rio auf unserem Testgerät nicht schaffte. Auch die Animationen im Menü zur Auswahl eines Levels sind ruckelfrei, ebenso komplexere Levels mit vielen Planeten, wenn beispielsweise viele Gesteinsbrocken gesprengt werden.
Zusätzlich können Spieler direkt bei Rovio Entertainment für knapp 6 Euro eine PC-Version herunterladen; eine Demoversion steht zum Download bereit(öffnet im neuen Fenster) . Am 30. März 2012 erscheint das Programm auch im Handel, dort kostet es rund 10 Euro. Bereits jetzt ist es auch im Mac App Store verfügbar, dort liegt der Preis bei rund 3,60 Euro.
Fazit
Dickes Lob an die Entwickler: Es wäre ein Leichtes gewesen, eine Serie wie Angry Birds mit zu vielen oder gar falschen Neuerungen zu ruinieren. Bei Space hat Rovio genau das richtige Mittel gefunden: Die erweiterte Planetenschwerkraft ist so gut gemacht, dass auch Veteranen erst mal staunen, dann aber rasch die veränderten Spielregeln kapiert haben und wenig später dann einen Level nach dem andern angehen - ohne dass sie wie stellenweise beim direkten Vorgänger Rio besonders oft das Gefühl haben, das alles ja schon zu kennen.
Minimalkritik gibt es angesichts der Tatsache, dass es zumindest auf kleinen Bildschirmen wie beim iPhone in einigen Levels nur schwer möglich ist zu erkennen, welche Art von Federvieh sich denn gerade auf der Steinschleuder befindet - die Biester waren früher besser zu unterscheiden. Und der Vogel mit dem Fadenkreuz fühlt sich in der Touchscreen-Haptik ein bisschen unangenehm an, was in der Praxis allerdings nicht für echte Probleme sorgt. Unterm Strich ist der Suchtfaktor von einigen der Vorgänger jedenfalls wieder da!



