AMD Kaveri A8-7600 im Test: Die 45-Watt-Wohnzimmer-APU

Gut Ding will Weile haben – das galt bei AMDs neuer CPU- und GPU-Kombination, bei diesem Hersteller APU genannt, nur für die Markteinführung. Stand der Prozessor noch im August 2013 als für das laufende Jahr lieferbar auf AMDs Roadmap , so ist er zumindest für Endkunden doch erst Mitte Januar 2014 verfügbar. Auf einen Termin unmittelbar nach der CES hat AMD auch das Ende der Sperrfrist gelegt. Es sollte also dann doch alles ganz schnell gehen.
Das gilt auch für die Tests: Die Muster wurden erst am Wochenende direkt nach der wichtigen US-Messe CES zugestellt. Somit blieben den meisten deutschen Testern höchstens drei Tage Zeit. Zudem ist der von AMD zur Verfügung gestellte und hier getestete A8-7600 eines der wenigen Samples in Deutschland.
Die meisten Redaktionen müssen warten, bis sie Kaveri testen können, dabei sollen die A10-Chips mit 95 Watt TDP ab heute im Handel erhältlich sein. Doch ausreichend Testmuster für die Presse scheinen AMD nicht zur Verfügung zu stehen – es wurden sogar Engineering Samples statt finaler APUs verschickt, was sehr ungewöhnlich ist.


















Denn Kaveri stellt in der Entwicklung der APUs den bisher größten Schritt dar: Während Llano nur GPU und CPU auf einem Die vereinte, erweiterte AMD das Konzept bei Trinity sowie Richland um wichtige Feinheiten wie einen flexiblen Turbo – die verwendeten Architekturen aber waren nie auf dem aktuellen Stand. Kaveri hingegen setzt auf moderne AMD-Technik und Fertigung und bietet obendrein einen gemeinsamen Speicherbereich für GPU und CPU. Diese spannenden Neuerungen zu durchleuchten, braucht Zeit.
Dass wir sie nicht hatten, bedeutet einerseits, dass weniger Schwächen aufgedeckt werden können, umgekehrt ist es aber nur schwer möglich, aufwendige Messungen durchzuführen, welche die Stärken einer Accelerated Processing Unit klar herausstellen. Trotz der Eile können wir aber bereits sagen: Kaveri ist den Stress wert. Die Accelerated Processing Unit hat in der vorliegenden 45-Watt-Version überzeugt.
Technische Spezifikationen und Plattform
Zum Start der neuen APU-Generation stellt AMD offiziell drei Modelle vor, nur zwei davon sollen ab heute verfügbar sein: der A10-7850K und der A10-7700K. Der A8-7600 ist für das erste Quartal 2014 anberaumt, dennoch haben wir diese APU als Sample erhalten. Ein Blick auf die Spezifikationen zeigt, dass AMD unnötigerweise mit dem bisherigen Namensschema bricht: Die vorstehende Nummerierung wie etwa A10 ist kein Indikator mehr dafür, dass die schnellste integrierte GPU verbaut wird.


















Der A10-7850K bietet eine Grafikeinheit mit acht sogenannten Compute Units, also insgesamt 512 Shader-Einheiten, wohingegen sich der A10-7700K und der A8-7600 mit sechs Compute Units – dies entspricht 384 ALUS – begnügen müssen. Alle drei APUs verfügen allerdings über zwei Module, nach AMD-Zählung sind dies vier Prozessorkerne. Mit maximal 4,0 GHz CPU- und 720 MHz GPU-Takt liegt die Frequenz der Kaveri-APUs niedriger als bei den Richland-Vorgängern , durch neue Architektur rechnen die Chips aber pro Takt flotter.
Das ewige Leid mit dem Boost
Den GPU-Basistakt von 654 MHz verschweigt AMD in den uns zum Test zur Verfügung gestellten Unterlagen. Erst auf Nachfrage bestätigt der Hersteller, dass die 720 MHz nur die Turbofrequenz darstellen. Diese liegt nur dann an, wenn die CPU nicht stark belastet ist, da beide Chipteile ihren Takt dynamisch anpassen. Immerhin ist die Differenz zwischen den beiden Domänen nicht so groß wie etwa bei einer Radeon R9 290X, diese erreicht maximal zwar 1.000 MHz – im schlechtesten Fall aber nur 727. Der für einige Spiele und Speicher-intensive Anwendungen wichtige CPU-Northbridge-Takt beläuft sich bei Kaveri wie schon bei Richland auf 1,8 GHz bei den Chips mit höherer TDP, bei den 45- und 65-Watt-Versionen auf nur 1,6 GHz. Die FX-Modelle für den Sockel AM3+ kommen hier auf bis zu 2,2 GHz und zudem bieten sie eine dritte Cache-Stufe.
Nicht komplett neu, dafür laut AMD für den A8-7600 optimiert, ist die cTDP: Die Custom Thermal Design Power beschreibt die Wärme, die der Kühler abführen muss, alle Kaveri-APUs können auf 45 oder 65 Watt gedrosselt werden – die Taktfrequenzen und Spannungen verringern sich hierbei. Die Spezifikationen abseits des 7850K, 7700K und 7600 hat AMD offiziell nicht bekanntgegeben. Diese Chips sollen erst in den kommenden Wochen in den Handel kommen, dies gilt auch für den A8-7600.
Achtung: Kaveri nutzt die GCN-Architektur für die Grafikeinheit, Richland hingegen ein VLIW-Design. Die Anzahl der Shader-Einheiten (ALUs) ist daher nicht vergleichbar!
| M / T | CPU-Basis | CPU-Turbo | Shader-ALUs | GPU-Basis | GPU-Turbo | Speicher | TDP | |
| A10-7890K | 2 / 4 | 4,1 GHz | 4,3 GHz | 512 | ? | 866 MHz | DDR3-2133 | 95 Watt |
| A10-7870K | 2 / 4 | 3,9 GHz | 4,1 GHz | 512 | ? | 866 MHz | DDR3-2133 | 95 Watt |
| A10-7860K | 2 / 4 | 3,6 GHz | 4,0 GHz | 512 | ? | 757 MHz | DDR3-2133 | 65 Watt |
| A10-7850K | 2 / 4 | 3,7 GHz | 4,0 GHz | 512 | 654 MHz | 720 MHz | DDR3-2133 | 95 Watt |
| A10-7800 | 2 / 4 | 3,5 GHz | 3,9 GHz | 512 | 654 MHz | 720 MHz | DDR3-2133 | 65 Watt |
| A10-7700K | 2 / 4 | 3,4 GHz | 3,8 GHz | 384 | 654 MHz | 720 MHz | DDR3-2133 | 95 Watt |
| A8-7670K | 2 / 4 | 3,6 GHz | 3,9 GHz | 384 | ? | 757 MHz | DDR3-2133 | 95 Watt |
| A8-7650K | 2 / 4 | 3,3 GHz | 3,8 GHz | 384 | 654 MHz | 720 MHz | DDR3-2133 | 95 Watt |
| A8-7600 | 2 / 4 | 3,3 GHz | 3,8 GHz | 384 | 654 MHz | 720 MHz | DDR3-2133 | 65 Watt |
| A8-7600 | 2 / 4 | 3,1 GHz | 3,3 GHz | 384 | 654 MHz | 720 MHz | DDR3-2133 | 45 Watt |
| A6-7470K | 1 / 2 | 3,7 GHz | 4,0 GHz | 256 | ? | 800 MHz | DDR3-1866 | 65 Watt |
| A6-7400K | 1 / 2 | 3,7 GHz | 4,1 GHz | 256 | 512 MHz | 756 MHz | DDR3-1866 | 65 Watt |
| A4-7300 | 1 / 2 | 3,4 GHz | 3,8 GHz | 192 | 472 MHz | 514 MHz | DDR3-1600 | 65 Watt |
| Module / Threads | CPU-Takt | CPU-Turbo | VLIW-ALUs | GPU-Takt | Speicher | TDP | |
| A10-6800 | 2 / 4 | 4,1 GHz | 4,4 GHz | 384 | 844 MHz | DDR3-2133 | 100 Watt |
| A10-6700 | 2 / 4 | 3,7 GHz | 4,3 GHz | 384 | 844 MHz | DDR3-1866 | 65 Watt |
| A8-6600K | 2 / 4 | 3,9 GHz | 4,2 GHz | 256 | 844 MHz | DDR3-1866 | 100 Watt |
| A8-6500 | 2 / 4 | 3,5 GHz | 4,1 GHz | 256 | 800 MHz | DDR3-1866 | 65 Watt |
| A8-6500T | 2 / 4 | 2,1 GHz | 3,1 GHz | 256 | 720 MHz | DDR3-1866 | 45 Watt |
| A6-6400K | 1 / 2 | 3,9 GHz | 4,1 GHz | 192 | 800 MHz | DDR3-1866 | 65 Watt |
| A4-6300 | 1 / 2 | 3,7 GHz | 3,9 GHz | 128 | 760 MHz | DDR3-1600 | 65 Watt |
Alle Kaveri werden bei Globalfoundries im 28- statt im 32-Nanometer-Prozess gefertigt, genauer gesagt im Super High Performance (SHP). Der klingt besser als er ist, denn SHP ist ein bulk-Verfahren ohne SOI(öffnet im neuen Fenster) . Dieses zeichnet sich laut AMD durch geringe Leckströme bei gemäßigten Taktraten aus, daher konnte der Hersteller die Frequenzen zugunsten der Leistungsaufnahme nicht hoch ansetzen. Bei Globalfoundries finden sich keine Informationen(öffnet im neuen Fenster) zum SHP-Prozess.


















Die Die-Size von Kaveri beträgt 245 mm², also praktisch dieselbe Fläche, die AMD auch für Richland angibt. Pro Chip sind 2,41 Milliarden Transistoren vorhanden – das sind rund 1,1 Milliarden mehr als beim Vorgänger. Ein jedes Kaveri-Die besteht aus einer integrierten GPU mit einer Vielzahl an Funktionen, aus zwei CPU-Modulen, aus einem DDR3-Speichercontroller mit einem 128-Bit-Interface (Dual-Channel) sowie 16 PCIe-3.0-Lanes, um externe Grafikkarten anzubinden. Der RAM-Takt liegt bei 933 oder 1.066 MHz, also DDR3-1866 sowie DDR-2133. Letzteres ist die höchste von der JEDEC spezifizierte Frequenz.
Die APUs setzen zwingend den Sockel FM2+ voraus. Dieser ist kompatibel zu Richland und Trinity, wohingegen Kaveri zu Mainboards mit dem Sockel FM2 mechanisch inkompatibel ist, da sich das Pin-Layout unterscheidet. In Sachen Fusion Controller Hubs (FCH) arbeiten die APUs mit neuen A88X- und A78-Chips zusammen, auch der ältere A55 wird unterstützt .
Sehr gut bei Compute, gestiegene Leistung pro Takt plus HSA
Die beiden CPU-Module nutzen die neue Steamroller-Architektur , die den Modulansatz etwas aufweicht: Bei der Bulldozer - und der Piledriver -Technik mussten sich die beiden Integer- und die einzelne Gleitkommaeinheit pro Modul einen Dekoder teilen. Dieser befindet sich im Frontend und bereitet die Daten für die Rechenwerke vor – ist er zu langsam, "verhungern" die ALUs. Daher hat AMD bei Steamroller zwei Dekoder verbaut, pro Takt sollen diese 30 Prozent mehr Daten durchschleusen. Es ist daher anzunehmen, dass die neuen Dekoder schwächer sind als der alte – gemeinsam aber stärker.


















Zudem hat AMD den L1-Daten-Cache deutlich optimiert, da dieser aufgrund seiner geringen Größe von nur 16 KByte besonders effektiv und effizient arbeiten muss. Weitere Verbesserungen hat der Hersteller an der den Dekodern vorgelagerten Fetch-Stufe vorgenommen, auch die Scheduler für die Integer-Einheiten und der von diesen gemeinsam genutzte L2-Cache sollen nun besser arbeiten. AMD gibt daher für Steamroller eine im Vergleich zu Piledriver im Durchschnitt um 10 Prozent höhere Leistung pro Takt (Instructions per Clock – kurz IPC) an, bei einigen Integer-Berechnungen soll Steamroller bis zu 20 Prozent schneller rechnen.
Unsere Messungen mit einer Kaveri- und einer Richland-APU bei 2,0 GHz CPU- und 1,6 GHz NB-Takt sowie DDR3-1866-Speicher zeigen hingegen, dass Steamroller zu weit mehr fähig ist: Liegen die beiden Frequenzen nahe beieinander, bremst der NB-Takt die eigentlichen Recheneinheiten nicht aus und in Cache-intensiven Anwendungen legt die neue Architektur teils drastisch an Leistung zu. Mit hohem CPU-Takt verpufft dies aber.
| Piledriver (Richland) | Steamroller (Kaveri) | Differenz | |
| 3DMark Fire Strike (Physics Score) | 1.644 Punkte | 2.172 Punkte | +32 % |
| 7-Zip x64 (3GB per LZMA2 packen) | 760 Sekunden | 715 Sekunden | +6 % |
| Cinebench R11.5 x64 (X-CPU) | 1,66 Punkte | 1,90 Punkte | +15 % |
| Cinebench R15 (X-CPU) | 150 Punkte | 168 Punkte | +12 % |
| Luxmark x64 (Room) | 123 KSamples/sec | 126 KSamples/sec | +2 % |
| Truecrypt (AES-Twofish-Serpent, 1GB) | 62 MB/sec | 91 MB/sec | +47 % |
| x264 HD (Pass #2) | 3,5 fps | 4,9 fps | +40 % |
Weiterhin hat AMD Kaveri mit drei DSP-Kernen für Trueaudio ausgestattet, diese kleinen Zusatzkerne berechnen hochwertigen Raumklang, ohne damit die CPU-Module zu belasten. Spiele wie Star Citizen und Thief unterstützen diese Technik, bisher ist aber kein Titel mit Trueaudio-Support im Handel erhältlich. Ein kleiner Cortex-A5-Kern in jeder Kaveri-APU ermöglicht Trustzone . Diese bietet eine sichere, vom eigentlichen Betriebssystem entkoppelte Umgebung – beispielsweise für Onlinebanking.
Großer Sprung durch den Graphics Core Next
Eine weitere wichtige Änderung bei Kaveri ist der Wechsel der GPU-Architektur vom VLIW-Design der Cayman-Grafikkarten (HD 69x0) auf die GCN-Technik, den Graphics Core Next mit DirectX-11.2 -Unterstützung. AMD setzt erfreulicherweise nicht auf die ursprüngliche GCN-Version, sondern auf die verbesserte, wie sie auch in den aktuellen R-Modellen wie der 290X steckt: Die bis zu acht Compute Units, also Blöcke bestehend aus 64 Rechen- und 4 Textureinheiten sowie 2 angekoppelten Rasterend-Stufen, bieten je 8 Asynchronous Compute Engines (ACE), die wiederum 8 Compute- oder Grafikbefehle entgegennehmen. Insbesondere die Compute-Leistung steigt daher bei Kaveri im Vergleich zu Richland deutlich.


















Die GPU unterstützt wie alle GCN-Varianten das Mantle-API , AMD verspricht eine um bis zu 45 Prozent höhere Bildrate in Battlefield 4 als mit der D3D11-Schnittstelle, in der extrem CPU-lastigen Starswarm-Techdemo von Oxide Games sollen sich die Bilder pro Sekunde gar verdreifachen – beides konnte Golem.de mangels Verfügbarkeit nicht überprüfen. Ebenfalls seit GCN hat AMD die anisotrope Filterung verbessert: Diese flimmert deutlich weniger als bei VLIW-GPUs, die Bildqualität mit aktiver AF ist sichtlich besser, da Texturen viel ruhiger sind. Davon profitieren Renn- und Rollenspiele ebenso wie Shooter.
Neben den eigentlichen Compute Units bietet die Kaveri-Grafikeinheit mehrere Fixed-Function-Einheiten: Die Video Code Engine (VCE) und der Unified Video Decoder (UVD) verbessern die Umwandlung respektive die Beschleunigung von x264-Videomaterial sowie weiteren Codecs wie VC-1, MPEG-2 und MVC.


















Gemeinsam statt einsam
Die größte Neuerung von Kaveri aber ist die vollständige Unterstützung der HSA (Heterogenous System Architecture): Die CPU und die GPU greifen per HUMA ( Heterogenous Uniform Memory Architecture ) auf einen gemeinsamen Speicherbereich zu, HQ (Heterogeneous Queuing) beschreibt die Zusammenarbeit der beiden Chipbestandteile. Dank HSA unterstützt Kaveri als erster Prozessor den neuen OpenCL-2.0-Standard, zudem beschleunigt der Chip laut AMD durch die Heterogenous System Architecture auch ältere OpenCL-Versionen. Als Anwendungen mit HSA-Unterstützung konnte der Hersteller den JPEG Decoder, Libre Office und Corels After Shot (der "Local Contrast Filter" wird beschleunigt) zur Verfügung stellen, womit die Möglichkeiten der neuen Architektur weitgehend ungenutzt bleiben.


















AMD hat in einer Beta-Version von Libre Office die Berechnung von Aktienwerten als Demo eingebaut: Calc berechnet hierbei die Kurse und misst, wie lange eine Aktualisierung des Graphen benötigt. Rein auf der CPU dauert dies auf dem A8-6500T quälend lange 5,4 Sekunden – Kaveri benötigt nur 2,6 Sekunden. Mit OpenCL verkürzt sich die Berechnung etwas, mit HSA jedoch aktualisiert der A8-7600 den Graph in rund einer halben Sekunde.
| Aktienkurs-Aktualierung per Libre Office | A8-6500T (Richland) | A8-7600 45W (Kaveri) |
| Berechnung in Software | 5,4 Sekunden | 2,6 Sekunden |
| Berechnung per OpenCL | 4,4 Sekunden | 2,2 Sekunden |
| Berechnung per HSA | Nicht möglich | 0,6 Sekunden |
Testsystem und Testverfahren
Für unsere Messungen hat uns AMD einen PC im SSF-Format (Small-Form-Factor) zur Verfügung gestellt, dies unterstreicht die Positionierung von Kaveri als Wohnzimmer-APU für Multimedia-Rechner. Das Mainboard, ein Gigabyte GA-F2A88XN-WiFi(öffnet im neuen Fenster) , ist mit 2 x 8 GByte DDR3-2133 ausgestattet. Es bietet unter anderem Funktionen wie modernes 802.11ac-WLAN (2,4/5,0 GHz) sowie Bluetooth v4.0 per Mini-PCIe-Karte und einen HDMI-1.4a-Ausgang. Die Samsung-SSD 840 Pro mit 256 GByte sorgt für ein schnelles Ansprechverhalten – wenngleich ein solch teures Modell angesichts der günstigen APU im Xigmatek Nebula-Gehäuse ziemlich deplatziert wirkt.
Ein Blu-ray-Laufwerk bietet das System nicht, die Kühlung übernimmt der sehr gute Noctua NH-L9a. Unverständlich ist, warum AMD bei einem System mit einer sparsamen APU ein völlig überdimensioniertes Antec High Current Pro mit 750 Watt Nennleistung verbaut. Wir haben daher für unsere Messungen auf ein Be Quiet Straight Power E9 mit 400 Watt und Gold-Zertifikat zurückgegriffen, das bei geringen Lasten effizienter arbeitet und die Unterschiede zwischen den Testprobanden besser herausstellt.







Da AMD uns spät informierte, welches Sample uns wann zur Verfügung stehen würde, haben wir nur einen A8-6500T mit Richland-Architektur und 45 Watt TDP als Vergleichsprozessor in unsere Messungen aufgenommen. Dieser wurde uns dankenswerterweise sehr kurzfristig als Leihgabe von Alternate(öffnet im neuen Fenster) zur Verfügung gestellt. Ein passendes Intel-Pendant wie den Core i3-4130(T) konnten wir aus Zeitmangel nicht testen. Beide AMD-APUs vermessen wir mit dem anisotropen Filter auf High Quality, als Treiber dient der Beta-Catalyst 13.30 RC2 unter Windows 8.1 in der 64-Bit-Version.
Schneller Prozessor mit beeindruckender Grafikeinheit
Dank der flotten SSD sowie der UEFI-Option "Ultra Fast Boot" benötigt das Kaveri-System vom Drücken des Startknopfes bis auf den Windows-8.1-Desktop nur 17 Sekunden. Im direkten Vergleich mit einem typischen Haswell-Ultrabook bietet der A8-7600 einen deutlichen Mehrwert – Programme starten schneller und parallele Anwendungen reagieren zügiger.
Deutlich flotterer CPU-Teil
Der A8-7600 mit 45 Watt cTDP taktet unter Last mit 3,1 bis 3,3 GHz – der ältere A8-6500T hingegen pendelt in den meisten Anwendungen zwischen 2,1 und 2,8 GHz. Die Höchstgeschwindigkeit von 3,1 GHz erreicht er nur sehr selten. Der Kaveri-A8 ist aufgrund seiner höheren CPU-Frequenz, mehr Leistung pro Takt und flotterem Speicher der klar bessere Prozessor. Insbesondere Integer-Berechnungen wie der x264 HD oder Verschlüsselung wie Truecrypt liegen ihm.
| A8-6500T (Richland) | A8-7600 45W (Kaveri) | Differenz | |
| 3DMark Fire Strike (Physics Score) | 2.105 Punkte | 3.688 Punkte | +75 % |
| 7-Zip x64 (3GB per LZMA2 packen) | 677 Sekunden | 568 Sekunden | +16 % |
| Cinebench R11.5 x64 (X-CPU) | 1,98 Punkte | 2,86 Punkte | +44 % |
| Cinebench R15 (X-CPU) | 178 Punkte | 263 Punkte | +48 % |
| Luxmark x64 (Sala via CPU) | 147 KSamples/sec | 184 KSamples/sec | +25 % |
| Truecrypt (AES-Twofish-Serpent, 1GB) | 74 MB/sec | 126 MB/sec | +70 % |
| x264 HD (Pass #2) | 4,5 fps | 7,4 fps | +64 % |
Überzeugende Compute- und Spieleleistung
Wie erwartet ist die GCN-Grafikeinheit des Kaveri-Chips bei Compute-Berechnungen enorm stark: Der Luxmark verdeutlicht dies, da hier die Anzahl der KSamples pro Sekunde sich weit mehr als verdoppeln. Im 3DMark zeigt der A8-7600 ebenfalls eine sehr gute Leistung. Für die Spieletests haben wir uns für die weit verbreitete 1080p-Auflösung entschieden, zumal diese bei Fernsehern üblich ist.
Ziel war es, die Grafikeinstellungen so anzupassen, dass der A8-7600 etwa 30 fps wie auf einer Konsole erreicht. Im direkten Vergleich berechnet der A8-6500T zumeist ein Drittel weniger Bilder pro Sekunde, die Spiele laufen daher sehr zäh bis ruckelig. Kaveri hingegen ermöglicht eine Optik, die zwischen der Last- und der Current-Konsolen-Generation angesiedelt ist. Für einen gut 100 Euro teuren Chip ist dies sehr gut.
| A8-6500T (Richland) | A8-7600 45W (Kaveri) | Differenz | |
| 3DMark Fire Strike (Graphics Score) | 771 Punkte | 1.386 Punkte | +80 % |
| Luxmark x64 (Sala via GPU) | 149 KSamples/sec | 389 KSamples/sec | +161 % |
| Battlefield 4 (1080p, Mittel, FXAA/4:1 AF) | 16 fps | 27 fps | +69 % |
| Borderlands 2 (1080p, Mittel ohne PhysX, FXAA/4:1 AF) | 22 fps | 33 fps | +50 % |
| Crysis 3 (1080p, Niedrig, FXAA) | 14 fps | 22 fps | +57 % |
| Diablo 3 (1080p, Mittel, harte Schatten, FXAA) | 23 fps | 33 fps | +43 % |
| Skyrim (1080p, Hoch ohne MSAA, FXAA/4:1 AF) | 18 fps | 27 fps | +50 % |
| Tomb Raider (1080p, Normal ohne TressFX, FXAA/4:1 AF) | 17 fps | 26 fps | +53 % |
| Trine 2 (1080p, Hoch, FXAA) | 21 fps | 32 fps | +52 % |
Weitere Benchmarks zum Prozessor(öffnet im neuen Fenster) und der Grafikeinheit(öffnet im neuen Fenster) gibt es bei den Kollegen der PC Games Hardware.
Gute Leistungsaufnahme und gestiegene Effizienz
Offiziell gliedert AMD den A8-7600 und den A8-6500T beide in die 45-Watt-Klasse ein. Dies ist theoretisch die höchste Verlustleistung, die der Kühler in Form von Wärme abführen muss – die reale Leistungsaufnahme kann darüber oder darunter liegen.
Im Leerlauf geben sich die beiden Chips nichts, da hier identische Stromsparmodi aktiv sind. 20 Watt an der Steckdose gemessen sind für ein Mini-ITX-System mit SSD ein niedriger Wert. Erfreulich: Ein zweites Display treibt die Leistungsaufnahme nicht nennenswert nach oben.
Unter Last genehmigt sich der A8-7600 rund 10 bis 20 Watt mehr als der A8-6500T, dies ist angesichts der nominellen TDP etwas überraschend. AMD erkauft sich also einen Teil der höheren Leistung durch eine gestiegene Leistungsaufnahme. Der Noctua NH-L9a bleibt nichtsdestotrotz kaum hörbar. Detail am Rande: Im Spielebetrieb benötigt das Kaveri-System 71 Watt, eine Playstation 4 doppelt so viel.
| A8-7600 (45 Watt cTDP) | A8-6500T (45 Watt TDP) | |
| Windows-Desktop (ein Monitor, WLAN an) | 20 Watt | 20 Watt |
| Windows-Desktop (zwei nicht identische LCDs, HDMI + DVI) | 22 Watt | 22 Watt |
| CPU-Volllast (x264 HD, Pass #2) | 65 Watt | 45 Watt |
| GPU-Volllast (Luxmark, Room) | 56 Watt | 41 Watt |
| Trine 2 (1080p, Hoch, FXAA) | 71 Watt | 58 Watt |
Da für den x264-Benchmark und den Luxmark neben der Leistungsaufnahme auch Leistungsmessungen vorliegen, lässt sich die Effizienz des Kaveri- respektive Richland-Systems aufzeigen. Zwar ist die absolute Leistungsaufnahme mit dem A8-7600 höher, da der Chip jedoch viel flotter rechnet, ist die Effizienz klar besser – sehr gut.
| A8-6500T (45 Watt TDP) | A8-7600 (45 Watt cTDP) | Effizienzgewinn | |
| CPU-Volllast (x264 HD, Pass #2) | 0,083 fps pro Watt | 0,116 Punkte pro Watt | +40 % |
| GPU-Volllast (Luxmark, Room) | 3,6 KSamples/Sec pro Watt | 7,0 KSamples/Sec pro Watt | +94 % |
Verfügbarkeit und Fazit
Die Desktop-Prozessoren A10-7850K und der A10-7700K sind ab heute für 160 respektive 140 Euro bei den bekannten Onlineversandhändlern verfügbar. Der von uns getestete A8-7600 soll in den nächsten Wochen folgen, der Straßenpreis dürfte sich bei etwa 110 Euro einpendeln. Für Notebooks soll Kaveri erst in der zweiten Jahreshälfte 2014 erscheinen, der Spätherbst gilt als wahrscheinlichster Veröffentlichungszeitraum.


















Fazit
Kaveri ist für AMD der bisher größte Schritt in der Entwicklung der einst als Fusion bezeichneten APUs gewesen: Die Verzahnung der aktuellen GCN-Architektur und der neuen Steamroller-Technik ist durch den gemeinsamen Speicherbereich enger als je zuvor, die moderne 28-Nanometer-Fertigung ermöglicht viele Transistoren und damit eine hohe Leistung. Der getestete A8-7600 bildet eine gute Basis für ein Computersystem, das praktisch alle Bereiche abdeckt, mit denen ein Multimedia-affiner Endanwender in Berührung kommt.
Die sehr geringe Leistungsaufnahme im Leerlauf sowie im Office-Betrieb mit zwei Bildschirmen macht Kaveri zum idealen Arbeitsgerät, die Prozessorleistung genügt alltäglichen Ansprüchen ebenso wie für gelegentliches Rendering oder Bildbearbeitung. Die Grafikeinheit ist durchschnittlich knapp zwei Drittel schneller als die des Vorgängers, die Spieleleistung liegt deutlich über der letzten Konsolengeneration. In einigen Punkten mussten wir uns für diesen Test auf die Angaben des Herstellers verlassen, da unser Sample erst gestern eintraf – die Messungen zur Pro-Takt-Leistung und HSA haben wir nachgereicht, beides überzeugt.
In Kombination mit SteamOS oder Windows 8.1 eignet sich Kaveri daher sehr gut als sparsamer HTPC und Spielerechner im Wohnzimmer. Sollte es AMD gelingen, das Billig-Image ein wenig abzustreifen und sollten die großen Hersteller begreifen, dass Kaveri ein idealer Unterbau für die Steam Machines ist, so könnte AMDs einstiges Leitmotiv nicht nur im Konsolensegment wahr werden: "The Future is Fusion" .