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Test Age of Wonders 3: Heroische Hexfeldstrategie

Viel mehr als Orks und Elfen: Allein schon beim Umfang und den Funktionen schlägt Age of Wonders 3 die Konkurrenz. Weil das PC-Spiel aber auch toll umgesetzt ist, finden Fans von rundenbasierten Strategietiteln damit Beschäftigung für Monate.
/ Peter Steinlechner
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Age of Wonders 3 (Bild: Triumph Studios)
Age of Wonders 3 Bild: Triumph Studios

Was hat Minecraft mit Age of Wonders 3 zu tun? Auf den ersten Blick fast nichts, auf den zweiten erstaunlich viel: Nachdem sich Markus "Notch" Persson, Schöpfer von Minecraft, eher beiläufig im Startbildschirm des Klötzchenspiels als Fan der Serie Age of Wonders geoutet hatte, meldete sich Anfang 2013 bei ihm wiederum das aus den Niederlanden stammende Entwicklerteam Triumph Studios(öffnet im neuen Fenster) . Ob sie Teil 3 mal vorstellen könnten, immerhin sei dessen Produktion seit 2010 schon weit fortgeschritten. Konnten sie dann, und nicht nur das: Persson hat aus eigenen Mitteln einen Teil der restlichen Entwicklung finanziert.

Age of Wonders 3 – Fazit
Age of Wonders 3 – Fazit (01:02)

Da mag für die Triumph Studios viel Glück im Spiel gewesen sein, aber es zeigt auch: Age of Wonders hat eine große Fangemeinde, die trotz der Tatsache, dass die Veröffentlichung von Teil 2 rund zwölf Jahre zurückliegt, immer noch viel von der Serie hält. Teil 3 setzt auf bewährte Stärken, setzt die aber in einem vollständig programmierten Spiel um. Wer die Vorgänger nicht kennt, aber schon mal Heroes of Might & Magic und Civilization gespielt hat, weiß in etwa, worum es geht: Rundenbasiertes Aufdecken und Erobern von Gebieten auf einer Weltkarte plus rundenbasierte Kämpfe auf Gefechtskarten, dazu sehr viele Elemente aus Rollenspielen und ein bisschen Handel, Diplomatie und Wirtschaften.

Der Spieler wählt vor dem Beginn der Partie die Hauptfigur aus: er kreiert seinen Helden selbst oder entscheidet sich für einen vorgefertigten. Wenn er sein Alter Ego selbst gestalten will, hat er die Auswahl zwischen Zwergen, Elfen, Drachenmenschen, Goblins, Orks und Menschen. Sympathischerweise verzichtet das Spiel darauf, die Völker von vornherein in Schubladen wie "gut" oder "böse" zu stecken – die Fantasywelt von Age of Wonders 3 ist differenziert.

Anschließend muss sich der Spieler für eine von sechs Klassen entscheiden, die allen Völkern gleichberechtigt zur Verfügung stehen. Der Hohepriester etwa zaubert mit göttlicher Macht, der Technokrat mit technischen Hilfsmitteln. Der Schurke greift zu Tricks, der Kriegsherr zum Schwert. Alle Helden können durch das Sammeln von Erfahrungspunkten fünf Basiswerte verbessern, außerdem lassen sich nach und nach immer neue Fähigkeiten freischalten.

Auf der hübsch animierten Weltkarte – die anfangs noch vom Kriegsnebel verhüllt ist – zieht der Spieler seine Figuren durch Wälder und Täler, über Flüsse und Seen von Siedlung zu Siedlung. Dort baut er Städte und Produktionsanlagen auf und erweitert so nach und nach seinen Machtbereich.

Wenn er dort auf einen Gegner trifft, wechselt Age of Wonders 3 in die Gefechtsansicht. Bei Standardscharmützeln mit relativ klarem Ausgang kann der Spieler den Ausgang per Knopfdruck mal schnell berechnen lassen. Wenn er selbst antritt, landet er in einer Umgebung aus 3D-Grafik, deren Aussehen sich meist an der Umgebung der Weltkarte orientiert: Wenn dort ein Vulkan zu sehen war, finden die Kämpfe etwa auf Lavafelsen statt.

Kampf über Berg und Tal

Dort stehen sich dann die Heere gegenüber – meist getrennt durch anfangs noch größere Distanz und Hindernisse wie Barrikaden. Also muss der Spieler seine Armee erst strategisch dem Feind annähern, wobei Faktoren wie die Landschaftshöhe oder eben die Hindernisse nicht nur kosmetisch sind, sondern vom Spiel spürbar berücksichtigt werden. Den Bewegungsradius zeigen Hexfelder, dann erfolgt der Angriff – von Zauberern mit halbwegs nett animierten Flammenbögen, von Nahkämpfern mit Schwertern und so weiter.

Gewöhnungsbedürftig ist, dass das Programm in diesem Modus viele Einheiten als Armee darstellt, die gar keine sind: Von einem Bogenschützen etwa sind anfangs zwar neun Männchen zu sehen, aber die Anzahl steht lediglich für die Lebenspunkte und nicht für die Kampfkraft. Eine weitere Besonderheit von Age of Wonders 3 ist, dass der Spieler wählen kann, ob er abwechselnd mit dem Gegner jeweils eine Einheit zieht oder ob er erst allen Truppen Befehle erteilt und dann der Feind dran ist. Letzteres spielt sich etwas ruhiger.

Die Kämpfe sind nicht nur wegen der vielen taktischen Möglichkeiten herausfordernd, sondern auch wegen der selbst im niedrigsten Schwierigkeitsgrad sehr starken KI der Computergegner. Die schafft in Age of Wonders 3 tatsächlich vieles, was andere Programme nur versprechen: Die Armee des Spielers zu umzingeln, sich scheinbar sinnvoll und gezielt entweder zuerst den Helden oder die schwächsten Truppenteile vorzuknöpfen, bei Rückzügen verbrannte Erde zu hinterlassen und Ähnliches. Es trägt spürbar zum Spielspaß bei, dass auf diese Art immer wieder Überraschungen und Kampfverlagerungen stattfinden, die unerwartet sind und so für viel Dramatik in den Kämpfen sorgen.

Vergleichsweise stiefmütterlich sind die Entwickler mit Elementen wie der Diplomatie umgegangen. Zwar kann der Spieler mit seinen Gegnern Nichtangriffspakte schließen oder sogar feste Bündnisse eingehen, aber dazu reicht es, stark vereinfacht gesagt, die nötigen Schmiermittel in Form von Gold anzubieten. Dem Gesamterlebnis schadet das so gut wie gar nicht: Age of Wonders 3 ist auch so komplex genug.

Age of Wonders 3 bietet neben zwei Kampagnen, deren vor allem in Textform erzählte Handlung sich um den Krieg zwischen Elfen und Menschen dreht, noch weitere Spielmöglichkeiten. So gibt es vorgefertigte Szenarien, einen Zufallsgenerator und Multiplayermatches für acht Teilnehmer sowohl zwischen einzelnen Spielern als auch zwischen Teams. Sogar ein Hot-Seat-Modus ist enthalten, in dem die Gegner am gleichen Rechner nacheinander ihre Züge vornehmen.

Kopierschutz und Fazit

Wer sich noch nie mit einem Spiel dieser Art beschäftigt hat, wird angesichts der Fülle an Optionen und Möglichkeiten natürlich erst einmal überfordert sein. Die Entwickler haben aber einiges getan, damit der Einstieg gelingt – und damit auch fortgeschrittene Spieler kein Detail übersehen. Gut gemacht ist etwa die Hexfeldansicht, die genau und sogar halbwegs intuitiv zeigt, wie weit der Spieler seine Einheiten bewegen kann, und ab welcher Reichweite es dann Abzüge bei der Anzahl an Angriffen gibt.

Age of Wonders 3 – Launch-Trailer – Rückkehr der Legende
Age of Wonders 3 – Launch-Trailer – Rückkehr der Legende (00:58)

Ein weiteres unverzichtbares Hilfsmittel sind die Hinweise am rechten Bildschirmrand, die Spieler über offene Hilfsangebote von anderen Parteien, über anstehende oder abgeschlossene Produktionen von Einheiten oder über sonstige Aufgaben informieren. Das ist keine neu erfundene Funktion, aber sie ist gut umgesetzt: Weder übersieht das Programm auffällig oft wichtige Vorgänge, noch weist es auf zu viele hin, so dass das Abarbeiten keinen Spaß mehr machen würde.

Age of Wonders 3 ist für Windows-PC erhältlich und für jeweils rund 40 Euro über verschiedene Vertriebswege erhältlich: Im Handel gibt es eine Box-Version von Eurovideo, bei Steam eine Version mit und bei Gog.com eine ohne DRM-Schutz. Die deutsche Fassung ist sehr aufwendig und nach unserem Eindruck trotz der Textmasse und vielen sehr speziellen Genre-Begriffe auch gut lokalisiert. Die USK hat eine Freigabe ab 12 Jahren erteilt.

Fazit

So souverän hat sich schon lange kein neues Spiel mehr an die Spitze seines Genres gesetzt: Age of Wonders 3 ist klar das derzeit beste rundenbasierte Fantasy-Strategiespiel. In allen wichtigen Bereichen, vom Umfang über die KI bis zur Grafik und der Bedienung, genügt das Programm der Triumph Studios allerhöchsten Ansprüchen.

Wer sich mit Orks, Elfen oder einem der anderen Völker ins Abenteuer stürzt, kann so gut wie immer mit epischen Schlachten und Feldzügen rechnen, in denen Dramatik und Überraschungen die Regel und nicht die Ausnahme sind.

Zu kritisieren gibt es nur wenig. Das Diplomatiesystem ist etwas zu einfach gestrickt und die Darstellung von Einheiten im Schlachtenmodus ist sehr gewöhnungsbedürftig. Das sind aber Details, die nach kurzer Zeit kaum noch stören. Unterm Strich ist Age of Wonders 3 ein Spiel, mit dem sich Genrefans die nächsten Monate aufs Beste beschäftigen können.


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