Tesla-Video: Musk drängte auf "verblüffende" Demofahrt mit Autopilot

Ein von Tesla inszeniertes Demovideo für das autonome Fahren geht im Wesentlichen auf Forderungen von Firmenchef Elon Musk zurück. Das berichtet der Wirtschaftsdienst Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf interne E-Mails. Demnach schrieb Musk im Oktober 2016 an seine Mitarbeiter: "Ich möchte nur klarstellen, dass die höchste Priorität für alle darin besteht, eine verblüffende Autopilot-Demofahrt zu erreichen."
Weiter hieß es in der Mail: "Da es sich um eine Demo handelt, ist es in Ordnung, einen Teil des Codes hart zu kodieren, da wir ihn später in einem OTA-Update mit Produktionscode ersetzen werden." Ebenfalls schrieb der Tesla-Chef: "Ich werde der Welt sagen, dass das Auto das können wird, und nicht, dass es das bei der Abholung kann."
Unter dem Betreff "Absolute Priorität" schrieb Musk demnach in einer E-Mail vom 11. Oktober 2016, er habe seine Verpflichtungen für das folgende Wochenende abgesagt, um am Samstag und Sonntag mit dem Autopilot-Team zu arbeiten. Jeder müsse ein tägliches Protokoll darüber schreiben, was er zum Erfolg der Demofahrt beigetragen habe, forderte er. Später habe er moniert, dass es in dem Video immer noch zu viele Schnitte gäbe und es wie eine einzige Aufnahme wirken müsse.
Hinweis soll von Musk stammen
Von dem Hinweis, dass in dem Video nur künftige Fähigkeiten von Teslas gezeigt werden, findet sich in der im Oktober 2016 veröffentlichten Version jedoch nichts mehr. Stattdessen heißt es zu Beginn des Videos: "Die Person auf dem Fahrersitz ist nur aus rechtlichen Gründen anwesend. Sie tut nichts. Das Auto fährt selbst." Dieser Text stamme von Musk selbst, berichtet Bloomberg. Dazu habe er seine Mitarbeiter in einer E-Mail angewiesen.
Tesla hatte das Video erstmals am 20. Oktober 2016 zur Präsentation eines neuen Sensorsystems gezeigt. Um die Fahrt zu ermöglichen, verließen sich die Tesla-Ingenieure nach Angaben des zuständigen Entwicklungschefs Ashok Elluswamy nicht auf die während der Fahrt aufgenommenen Daten von Kameras und anderen Sensoren. Stattdessen griff das System auf vorab aufgezeichnete 3D-Informationen der Strecke zurück. Zudem seien mehrere Versuche nötig gewesen, um die autonome Fahrt ohne einen menschlichen Eingriff bewältigen zu können.
Die in dem Video gezeigte Ampelerkennung sei damals ebenfalls noch nicht verfügbar gewesen, räumte Elluswamy ein. Auch habe das Fahrzeug damals noch nicht selbstständig an einem Stoppschild anhalten und wieder anfahren können.

Hintergrund der nun bekannt gewordenen Details ist ein Prozess, den die Hinterbliebenen eines tödlich verunglückten Tesla-Fahrers gegen den Autohersteller anstrengten . Der Apple-Mitarbeiter Wei "Walter" Huang war am 23. März 2018 bei einem Unfall auf dem US-Highway 101 im Silicon Valley mit seinem Tesla gegen einen sogenannten Anpralldämpfer gerast.



