Tesla Optimus in Berlin: Herr Roboter, einmal Popcorn bitte
Normalerweise sind die längsten Schlangen an einem Weihnachtsmarkt vor den Glühwein- und Bratwurstständen. Doch in der Mall of Berlin versammelten sich an diesem Samstagmorgen rund 100 Menschen vor einer schnöden Popcornbude. Teslas Marketingkonzept ging voll auf: Obwohl sein humanoider Roboter Optimus nur ein bisschen Popcorn in Papptüten füllte, war das Interesse an der Präsentation groß.
Die spannende Frage lautete: Agiert der Roboter autonom oder wird dieser aus der Ferne von einem Menschen gesteuert? Anfang Dezember 2025 deutete bei einer Präsentation in Miami eine Handbewegung darauf hin, dass ein entfernter Operator sein Headset während der Livedemo abnahm. Eine solche verdächtige Bewegung war in Berlin nicht zu beobachten.
Kommunikation per Handgesten
Der Roboter kommunizierte bei der Aktion über Handgesten mit den Besuchern. Er winkte Kunden herbei, hob gelegentlich mal den Daumen, hauchte einer Frau einen Luftkuss zu und winkte zum Abschied. Die Bewegungen der Hände und Arme beim Einfüllen des Popcorns liefen recht langsam ab, wirkten aber natürlich. Die Papptüte für das Popcorn musste er sich zunächst richtig auf die Theke legen, hielt das nicht besonders stabile Gefäß dann aber sicher zwischen den Roboterfingern.
Tesla setzte Optimus bereits in seinem neuen Retro-Diner in Los Angeles ein. Bei einem Besuch von Golem war er jedoch außer Betrieb. "Der braucht nach dem Wochenende ein paar Ruhetage", erklärte ein Mitarbeiter damals. In Berlin sollte Optimus nur an diesem Tag von 10 bis 20 Uhr durchhalten. Vermutlich müssten die Akkus dazu zwischendurch geladen werden.

Auf die Frage, ob der Optimus von einem Menschen gesteuert werde, gab es von den Tesla-Mitarbeitern in Berlin nur die stereotype Antwort: "Der Roboter ist heute hier und verteilt Popcorn." Allerdings nicht nur das. Die Besucher erhielten von ihm zusätzlich eine Christbaumkugel mit Tesla-Aufdruck geschenkt. Ein Modell des Roboters kostete allerdings 39 Euro.
Roboter als neues Geschäftsfeld für Tesla
Die Frage nach der Steuerung interessierte auch Besucher wie Georg aus Dresden. Der ITler fährt ein Tesla Model Y als Dienstwagen und hatte die Präsentation zum Anlass genommen, mit seinen Kumpels einen Ausflug in die Hauptstadt zu machen. Von den Fähigkeiten des Tesla-Roboters war er nicht besonders beeindruckt. Kooperative Roboter in der Autoindustrie sollten das seiner Meinung nach ebenfalls beherrschen.
Tesla-Chef Elon Musk sieht in dem humanoiden Roboter aber ein wichtiges Geschäftsfeld für den Elektroautohersteller. Dieser soll auch in der Fertigung eingesetzt werden. Im Oktober 2025 gab es jedoch Berichte, wonach das Produktionsziel für 2025 heruntergesetzt werden musste. Als Grund wurden Probleme mit den Händen genannt.
Menschliches Personal konnte der Roboter zumindest beim Popcornstand nicht ersetzen. Eine Tesla-Mitarbeiterin bereitete das Popcorn in den Verkaufsräumen zu, eine andere füllte dem Roboter den Vorratsbehälter, während eine dritte die Kugeln bereitlegte. Vermutlich würde ein einzelner Mensch das alles ebenfalls erledigen können. Und nebenbei noch kassieren.
Die Aktion in Berlin diente ohnehin vornehmlich dazu, die Maschine als Werbeinstrument zu nutzen. Derzeit dürfte sogar ein Roboter besser als Sympathieträger taugen als Firmenchef Musk. Unter die ersten Popcornempfänger an diesem Morgen hatten sich auch etliche Tesla-Mitarbeiter gemischt. Neben dem Stand hatte Tesla werbewirksam ein Model Y und einen Cybertruck positioniert. Aber selbst mithilfe von Optimus dürfte es schwer werden, die diesjährige Absatzflaute zu beenden.
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