Tesla: Gigafabrik Grünheide verliert fast 2.000 Arbeitsplätze

Der US-Autohersteller Tesla hat in seiner Fabrik im brandenburgischen Grünheide offenbar mehr Stellen abgebaut als bislang angenommen. Einem Bericht des Handelsblatts(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) zufolge sind in der sogenannten Gigafactory Berlin aktuell noch 10.703 Mitarbeiter beschäftigt, bei der Betriebsratswahl im März 2024 seien es noch 12.415 gewesen. Das entspricht einer Differenz von 1.712 Arbeitsplätzen.
Die Zeitung beruft sich auf den Wahlvorstand im Betriebsrat der Fabrik. In einer Einladung zu den Betriebsratswahlen Anfang März 2025 habe es geheißen: "In unserem Betrieb sind 1.683 Frauen, 9.006 Männer und 14 nicht-binäre Personen beschäftigt." Im Vergleich zum Jahr 2024 entspricht dies einem Rückgang von 13,8 Prozent.
Stellenabbau größer als angekündigt
Im März 2024 hatte Musk angekündigt , mehr als jeden zehnten Tesla-Mitarbeiter weltweit entlassen zu wollen. Hintergrund der Entlassungswelle waren damals bereits Absatzprobleme des US-Herstellers .
Tesla kündigte wenig später an , in Grünheide 400 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Zudem wurden die Verträge von 300 Leiharbeitern in Grünheide nicht verlängert . Im August 2025 hieß es, dass in Grünheide noch 11.000 Menschen beschäftigt seien.
Warnung vor Wahl der IG Metall
Damit liegt Tesla weit hinter den ursprünglichen Ausbauzielen von 22.500 Mitarbeitern zurück. Angesichts des starken Absatzrückgangs in Deutschland und Europa ist der Ausbau der Fabrik ins Stocken geraten . Laut Werksleiter André Thierig versucht Tesla, die gesunkene Nachfrage in Europa durch Exporte in außereuropäische Länder zu kompensieren, darunter Taiwan und Kanada.
Im Dezember 2025 warnte Thierig vor der Wahl von Gewerkschaftsvertretern in den neuen Betriebsrat. Thierig sagte demnach mit Blick auf Tesla-Chef Elon Musk: "Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass Elon, dass unser Board sich für den Ausbau der Fabrik entscheiden würde, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt." Einen Tarifvertrag für die Beschäftigten lehnt Thierig weiter kategorisch ab .
Spekulationen über Werksschließung
Inzwischen spekulierte das eher Tesla-kritische Blog Electrek.co bereits darüber(öffnet im neuen Fenster) , dass Musk einen Wahlerfolg der IG Metall zum Vorwand nehmen könnte, die Fabrik komplett zu schließen. "Rechnerisch gesehen ist Giga Berlin ein finanzielles Desaster. Unter normalen Umständen ist die Schließung oder drastische Verkleinerung einer brandneuen Fabrik ein demütigendes Eingeständnis des Scheiterns. Es signalisiert der Wall Street, dass die Wachstumsstory der 'unbegrenzten Nachfrage' vorbei ist. Aber was wäre, wenn man jemand anderem die Schuld dafür geben könnte?" , fragte das Blog.
Inwieweit dies zutrifft und die Fabrik ein "finanzielles Desaster" ist, bleibt unklar. Solche Spekulationen dürften jedoch eher Elon Musk in die Hände spielen. Denn Mitarbeiter könnten aus Furcht vor einem Jobverlust darauf verzichten, einen Gewerkschaftsvertreter zu wählen. Sollte das Werk hingegen langfristig Verluste machen, dürfte Musk auch dann vor einer Schließung nicht zurückschrecken, wenn die IG Metall keine Mehrheit im Betriebsrat stelle.
Die Gewerkschaft hatte bei der vergangenen Betriebsratswahl im März 2024 mit ihrer Liste 16 Sitze gewonnen und stellt damit die größte Einzelfraktion. Eine Mehrheit erreichte sie jedoch nicht. Mehrere andere Listen kamen zusammen auf 23 Sitze und bilden seither eine Mehrheit gegen die Gewerkschaft.
Nachtrag vom 21. Januar 2026, 17:59 Uhr
Tesla wies auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa den Bericht des Handelsblatts zurück. "Im Vergleich zum Jahr 2024 hat es keinen nennenswerten Stellenabbau bei der Stammbelegschaft gegeben. Ein solcher ist auch nicht geplant" , teilte eine Sprecherin mit und fügte hinzu: "Die Arbeitsplatzsicherheit in der Gigafactory ist auch weiterhin gegeben." Schwankungen in dieser Größe der gesamten Belegschaft – zu der auch Leiharbeiter zählten – seien "vollkommen normal" .
Nach dem schnellen Hochlauf der Fabrik habe der Bedarf an einer flexiblen Zahl an Leiharbeitern abgenommen, sagte die Sprecherin weiter. Als Gründe nannte sie die Optimierung von Arbeitsprozessen, Automatisierung in der Produktion und einen dauerhaften deutlichen Rückgang im Krankenstand. Bis 2027 würden zudem weitere Jobs wegen des geplanten Ausbaus der Batteriezellfertigung geschaffen.
In der Fabrik in Grünheide gebe es im Gegensatz zu vielen anderen Standorten der Automobilindustrie in Deutschland keine Anpassungsmaßnahme beim Personal aufgrund der Marktlage. "Das Produktionsvolumen der letzten Jahre war konstant und es gibt keine Pläne, das Volumen und damit einhergehend Personal zu reduzieren" , sagte sie weiter.



