Tesla-Fabrik: In Grünheide soll "totales Chaos" herrschen
Die Elektroautofabrik des US-Herstellers Tesla bei Berlin hat offenbar weiterhin mit Personalproblemen zu kämpfen. Einem Bericht des Magazins Wired zufolge(öffnet im neuen Fenster) hat das Unternehmen statt der geplanten 12.000 Mitarbeiter bislang nur 7.000 eingestellt. Zudem sollen bereits eingearbeitete Mitarbeiter wegen der schlechten Arbeitsbedingungen wieder gekündigt haben.
Ein aktueller Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte, beschrieb demnach die Berliner Gigafactory als "totales Chaos" . Seine Darstellung lautet: "Manche Leute sind länger krankgeschrieben, als sie tatsächlich gearbeitet haben. Es gibt Leute, die ich in sechs Monaten nicht einmal drei Wochen lang auf der Arbeit gesehen habe." Viele Leute seien krankgeschrieben, weil die Motivation fehle, sagten sie und machten schlechte Arbeitsbedingungen dafür verantwortlich.
Die Kündigungen betreffen dem Bericht zufolge sowohl Zeitarbeitskräfte als auch Festangestellte, die schon vor mehr als einem Jahr und damit vor der offiziellen Eröffnung der Gigafactory im März 2022 eingestellt wurden. Am Einsatzort Grünheide listet die Arbeitsagentur derzeit 5.880 frei Stellen auf(öffnet im neuen Fenster) . Unter den Anbietern sind neben Tesla auch Zeitarbeitsfirmen wie Manpower oder Timegroup, die "im Auftrag eines renommierten Kundenunternehmens in Grünheide (Mark)" Mitarbeiter für die "Montage von verschiedenen Komponenten an den E-Fahrzeugen" suchen.
Arbeitsmarkt schwierig
Örtliche Arbeitsmarktexperten sagten laut Wired, es sei unwahrscheinlich, dass Tesla in der Lage sein werde, mehr qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Das Unternehmen gelte in der stark gewerkschaftlich organisierten deutschen Automobilbranche als unattraktiver Arbeitgeber und konkurriere mit Volkswagen um qualifizierte Arbeitskräfte in der Region Berlin.
Die Arbeitsagentur in Frankfurt (Oder) bezeichnete die Kooperation(öffnet im neuen Fenster) mit Tesla dennoch als "das größte Vermittlungsprojekt seit der Wiedervereinigung" . Schon 1.000 zuvor arbeitslose Menschen seien bis zum Herbst dieses Jahres von Tesla eingestellt worden.
Nach Angaben der IG Metall auf der Grundlage von Arbeitsverträgen und Stellenbeschreibungen zahlt Tesla fast 20 Prozent weniger als vergleichbare Unternehmen. Die damalige IG-Metall-Bezirksleiterin Birgit Dietze schrieb in einer Pressemitteilung im Juni(öffnet im neuen Fenster) : "Von aktiven Metallerinnen und Metallern im Betrieb wissen wir, dass die Rekrutierung nicht in der geplanten Geschwindigkeit vorankommt."
Nach Beschwerden über ungleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit kündigte Tesla an , die Gehälter der bis dahin eingestellten 5.000 Mitarbeiter pauschal um sechs Prozent zu erhöhen. Dadurch soll die bestehende Ungleichheit jedoch nicht ausgeglichen worden sein. Zudem bemerkte die IG Metall: "Fest steht: Tesla bleibt auch mit dieser Anhebung deutlich unter dem Niveau des Flächentarifvertrages der Metall- und Elektroindustrie."
Bislang nur Zweischicht-System
Ende Oktober sollen in Grünheide erstmals 2.000 Model-Y-Autos pro Woche produziert worden sein. Demnach wurde die Produktion seit Juni verdoppelt. Die Zielmarke von 5.000 Fahrzeugen pro Woche dürfte vermutlich auch deshalb nicht erreicht werden, weil noch immer nicht im Dreischicht-Betrieb produziert wird.
Die dritte Schicht habe eigentlich im September 2022 eingeführt werden sollen, berichtet Wired unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle. Die Einführung dieser Schicht hätte für die Produktionsarbeiter bedeutet, dass sie ihre Schichtpläne jeden Tag hätten ändern müssen, und das über einen Zeitraum von sieben Arbeitstagen.

Eine Reihe von Mitarbeitern sei damit unzufrieden gewesen und habe sich darüber beschwert, dass diese Arbeitsbedingungen nicht in ihrem Vertrag stünden und dadurch die bereits bestehenden Personalprobleme noch verschärft würden, schreibt Wired unter Berufung auf den zuvor genannten Mitarbeiter. Die Mitarbeiter gäben "zahlengetriebenen Einstellungszielen" die Schuld. "Die Leute in der Personalabteilung wollen ihre Einstellungsziele erreichen, also sagen sie alles, um Leute einzustellen, kümmern sich aber nicht darum, diese Arbeiter zu halten" , lauteten die Vorwürfe.
Ein früherer Mitarbeiter berichtete Wired, dass er über die Arbeitsbedingungen ebenfalls im Unklaren gelassen worden sei. So sei bei der Einstellung davon die Rede gewesen, "je nach Projekt an Wochenenden und nachts arbeiten zu müssen" . Doch ohne Vorwarnung sei ihnen eine neue Stellenbeschreibung gegeben worden, in der verlangt worden sei, Früh-, Nacht- und Wochenendschichten zu übernehmen.
"Nach zwei Monaten änderten sie meine Schicht in ein 24/7-Dreischichtsystem. Ich habe einen kleinen Sohn und für uns war das schwer zu bewältigen" , sagte der ehemalige Mitarbeiter. Tesla habe für die Beschwerden der Beschäftigten kein Verständnis gezeigt.
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