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Tesla-Fabrik in Brandenburg: Remote, Germany

Elon Musk steht auf Berlin, doch industrielle Großprojekte sind nicht die Stärke der Region. Ausgerechnet in die Nähe der ewigen Flughafen-Baustelle BER will Tesla seine Gigafactory 4 platzieren. Was spricht für und gegen den Standort Berlin/Brandenburg?
/ Dirk Kunde
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Künftig sollen auch in Brandenburg Tesla-Modelle vom Band laufen. (Bild: Steve Jurvetson)
Künftig sollen auch in Brandenburg Tesla-Modelle vom Band laufen. Bild: Steve Jurvetson / CC-BY 2.0

Elon Musk versteht zu überraschen – immer wieder. Bei Berlin, in der Nähe des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg, soll bis Ende 2021 die Gigafactory 4 entstehen. Mit dem Goldenen Lenkrad für das Model 3 in der Hand, kündigte Elon Musk im Gespräch mit Moderatorin Barbara Schöneberger diese Neuigkeit an. Bei Axel Springers Preisverleihung verriet Musk den Standort der nächsten kombinierten Batterie- und Autofabrik.

Später unterbrach er seine selbst auferlegte Twitter-Abstinenz und schrieb(öffnet im neuen Fenster): "GIGA BERLIN". Mit Herzen in Deutschland-Farben. Musk als Deutschland-Fan und Neu-Berliner. "Ich komme oft nach Berlin. Berlin rocks", sagte er bei der Preisverleihung. Begeisterung in Brandenburg. Enttäuschung in Niedersachsen. Als eigentliche Favoriten für den Standort galten Emden, Dörpen und Papenburg im niedersächsischen Emsland. Die sind nicht so sexy wie die Hauptstadt, doch vieles sprach für den nordwestlichen Rand der Bundesrepublik.

Alles sprach für das Emsland

Die Argumente für diese Orte leuchten ein: Es gibt einen Zugang zur Nordsee und damit zum tideunabhängigen Tiefseehafen Jade-Weser-Port. Günstiger und vor allem grüner Strom hätte aus Offshore-Windparks aus der Nordsee bezogen werden können. In der Region leben und arbeiten etliche Auto-Fachkräfte, die bislang an diversen Volkswagen- und Daimler-Standorten (Bremen) beschäftigt sind. Da die klassischen Autohersteller in Zukunft Jobs abbauen, wären sicherlich etliche Facharbeiter bereit für einen Wechsel, ohne gleich umziehen zu müssen.

Aber auch die logistische Nähe zu wichtigen Absatzmärkten wie den Niederlanden sprachen für das Emsland. Es wäre sogar ein Ausbau des bereits bestehenden Montage-Standortes im niederländischen Tilburg wahrscheinlicher gewesen.

Einiges spricht für Berlin

Doch Elon Musk ist berühmt für seine Alleingänge und Sonderwege. Neben der Fertigung in Brandenburg soll in Berlin ein Design- und Entwicklungszentrum entstehen. Zusammengenommen könnten die Vorhaben bis zu 10.000 neue Jobs schaffen, vermutet die Bild-Zeitung. Obwohl Berlin in den 1920er Jahren als größte Industriestadt Europas galt(öffnet im neuen Fenster), ist nach dem Zweitem Weltkrieg und Mauerfall nicht mehr viel davon übrig geblieben. Immerhin gibt es noch die Mercedes-Werke in Marienfelde und Ludwigsfelde (Brandenburg) sowie die BMW-Motorradproduktion in Spandau mit zusammen 6.500 Mitarbeitern.

Tesla Model 3 – Test
Tesla Model 3 – Test (04:18)

Für das Design- und Entwicklungszentrum ist Berlin hingegen der perfekte Standort. Als Startup-Hochburg in Deutschland leben hier viele Talente. Etliche Großunternehmen betreiben in der Stadt ihre digitalen Forschungslabors. Die Mobilitätsdienstleister von Daimler und BMW unter der Marke Share Now, Volkswagens Moia, aber auch der Innovation-Hub der Lufthansa sitzen in der Hauptstadt.

Doch es gibt auch Nachteile.

Keine Direktflüge an die Westküste

Nachteilig ist hingegen die schwache Verkehrsinfrastruktur. Der Berliner Autobahnring ist eine Dauerbaustelle. Der Großflughafen BER ist immer noch nicht eröffnet. Doch Tesla wird Experten für die Fabrik und das Entwicklungszentrum laufend ein- und ausfliegen müssen. Ohne eine Direktverbindung an die US-Westküste wird das mühsam.

Bereits Ende 2021 soll die Produktion in der Gigafactory 4 starten. Zunächst mit dem Model Y, später mit dem Model 3. Hoffentlich ist der benachbarte Flughafen BER kein schlechtes Omen in Sachen Bauzeit. Bei der Gigafactory 3, in der Nähe von Schanghai, begannen die Bauarbeiten im Dezember 2018 und die Testproduktion startete zehn Monate später im Oktober 2019. Das ist Rekordzeit für eine Autofabrik.

Aufbruchstimmung in Brandenburg?

Doch vielleicht versetzt die Tesla-Ankündigung dem Standort Berlin-Brandenburg den schon lange benötigten industriellen Motivationsschub. Der Ausbau der Windenergie in Brandenburg ist beispielsweise ins Stocken geraten. Das Ziel liegt bis 2030 bei 10,5 Gigawatt. Aktuell leisten die Windräder maximal 6,9 Gigawatt. Mit 92 neuen Windrädern (2018) und einer Brutto-Leistung von 289 Megawatt belegt Brandenburg im Ländervergleich Platz 3 hinter Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Im Öko-Vergleich mit dem Verbrennungsmotor ist das Elektroauto nur dann besser, wenn die energieintensive Zellproduktion mit Strom aus regenerativen Quellen erfolgt. Und wenn die Wege für Zulieferer kurz sind. Tesla baut seine Batteriezellen selbst, arbeitet jedoch mit Partnern zusammen. In der Gigafactory 1 in Nevada ist es Panasonic.

In der Gigafactory 3 bei Schanghai ist es laut Medienberichten CATL. Die könnten es auch in Brandenburg werden. CATL baut derzeit in der Nähe von Erfurt eine Zellfertigung. Das sind nur 300 Kilometer Transportweg.

Kampfansage an deutsche Autohersteller

Der Bau der Gigafactory 4 ist eine Kampfansage an die deutschen Autohersteller. Bei der Springer-Preisverleihung standen VW-Vorstandschef Herbert Diess und Elon Musk friedlich beisammen. Doch 2020 wird der Wettbewerb härter. Volkswagen steigt in den elektrischen Massenmarkt ein. Der VW ID 3 läuft seit einer Woche in Zwickau vom Band und in Salzgitter entsteht eine Zellfertigung zusammen mit Northvolt.

Tesla kann mit einer Fertigung in Deutschland seine Autos schneller liefern und erzeugt einen kleineren CO2-Fußabdruck. Zusätzlich schwingt die Hoffnung mit, dass die Amerikaner so ihre Qualitätsprobleme in den Griff bekommen. Deutschland ist die Wiege der Autoindustrie und berühmt für seine einheitlichen Spaltmaße.

Deutsche Ingenieurfirma schon übernommen

Bereits 2016 übernahm Tesla das Maschinenbauunternehmen Grohmann Engineering aus Prüm in der Eifel, um die Automation in seiner Fertigung voranzutreiben. Für drei Jahre war der Autoexperte Peter Hochholdinger Fertigungschef in den USA. Er brachte 22 Jahre Erfahrung bei Audi mit nach Fremont. Heute arbeitet Hochholdinger für Lucid Motors.

Mit der Ankündigung in Berlin für Berlin ist Musk viel Aufmerksamkeit sicher. Und das Unternehmen fackelt nicht lange. Auf der Webseite stehen bereits Jobausschreibungen(öffnet im neuen Fenster). Als Arbeitsort steht da noch "Remote, Germany".

Wie sehr Elon Musk in der Zukunft lebt, bewies er in einem Nebensatz bei der Übergabe des Goldenen Lenkrads. Der Springer-Verlag müsse über eine neue Trophäe nachdenken, denn schon bald werde es kein Lenkrad mehr in Autos geben. Musk schlug stattdessen ein "Goldenes Hologramm" vor.


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