Keine Direktflüge an die Westküste

Nachteilig ist hingegen die schwache Verkehrsinfrastruktur. Der Berliner Autobahnring ist eine Dauerbaustelle. Der Großflughafen BER ist immer noch nicht eröffnet. Doch Tesla wird Experten für die Fabrik und das Entwicklungszentrum laufend ein- und ausfliegen müssen. Ohne eine Direktverbindung an die US-Westküste wird das mühsam.

Bereits Ende 2021 soll die Produktion in der Gigafactory 4 starten. Zunächst mit dem Model Y, später mit dem Model 3. Hoffentlich ist der benachbarte Flughafen BER kein schlechtes Omen in Sachen Bauzeit. Bei der Gigafactory 3, in der Nähe von Schanghai, begannen die Bauarbeiten im Dezember 2018 und die Testproduktion startete zehn Monate später im Oktober 2019. Das ist Rekordzeit für eine Autofabrik.

Aufbruchstimmung in Brandenburg?

Doch vielleicht versetzt die Tesla-Ankündigung dem Standort Berlin-Brandenburg den schon lange benötigten industriellen Motivationsschub. Der Ausbau der Windenergie in Brandenburg ist beispielsweise ins Stocken geraten. Das Ziel liegt bis 2030 bei 10,5 Gigawatt. Aktuell leisten die Windräder maximal 6,9 Gigawatt. Mit 92 neuen Windrädern (2018) und einer Brutto-Leistung von 289 Megawatt belegt Brandenburg im Ländervergleich Platz 3 hinter Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Im Öko-Vergleich mit dem Verbrennungsmotor ist das Elektroauto nur dann besser, wenn die energieintensive Zellproduktion mit Strom aus regenerativen Quellen erfolgt. Und wenn die Wege für Zulieferer kurz sind. Tesla baut seine Batteriezellen selbst, arbeitet jedoch mit Partnern zusammen. In der Gigafactory 1 in Nevada ist es Panasonic.

In der Gigafactory 3 bei Schanghai ist es laut Medienberichten CATL. Die könnten es auch in Brandenburg werden. CATL baut derzeit in der Nähe von Erfurt eine Zellfertigung. Das sind nur 300 Kilometer Transportweg.

Kampfansage an deutsche Autohersteller

Der Bau der Gigafactory 4 ist eine Kampfansage an die deutschen Autohersteller. Bei der Springer-Preisverleihung standen VW-Vorstandschef Herbert Diess und Elon Musk friedlich beisammen. Doch 2020 wird der Wettbewerb härter. Volkswagen steigt in den elektrischen Massenmarkt ein. Der VW ID 3 läuft seit einer Woche in Zwickau vom Band und in Salzgitter entsteht eine Zellfertigung zusammen mit Northvolt.

Tesla kann mit einer Fertigung in Deutschland seine Autos schneller liefern und erzeugt einen kleineren CO2-Fußabdruck. Zusätzlich schwingt die Hoffnung mit, dass die Amerikaner so ihre Qualitätsprobleme in den Griff bekommen. Deutschland ist die Wiege der Autoindustrie und berühmt für seine einheitlichen Spaltmaße.

Deutsche Ingenieurfirma schon übernommen

Bereits 2016 übernahm Tesla das Maschinenbauunternehmen Grohmann Engineering aus Prüm in der Eifel, um die Automation in seiner Fertigung voranzutreiben. Für drei Jahre war der Autoexperte Peter Hochholdinger Fertigungschef in den USA. Er brachte 22 Jahre Erfahrung bei Audi mit nach Fremont. Heute arbeitet Hochholdinger für Lucid Motors.

Mit der Ankündigung in Berlin für Berlin ist Musk viel Aufmerksamkeit sicher. Und das Unternehmen fackelt nicht lange. Auf der Webseite stehen bereits Jobausschreibungen. Als Arbeitsort steht da noch "Remote, Germany".

Wie sehr Elon Musk in der Zukunft lebt, bewies er in einem Nebensatz bei der Übergabe des Goldenen Lenkrads. Der Springer-Verlag müsse über eine neue Trophäe nachdenken, denn schon bald werde es kein Lenkrad mehr in Autos geben. Musk schlug stattdessen ein "Goldenes Hologramm" vor.

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 Tesla-Fabrik in Brandenburg: Remote, Germany
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Zathras 19. Jan 2020

Durch den nie fertig werdenden Flughafen Berlin/Brandenburg wird die deutsche...

E-Narr 21. Dez 2019

Einen Tunnel mitten durch den Erdkern? :D

E-Narr 21. Dez 2019

So oder so: man sollte trotzdem nur sinnvolle Batteriekapazitäten verbauen. 100 kWh...

TheYummy 20. Nov 2019

Ich glaube, die Berliner/Brandenburger sind dankbar, wenn sie eine Alternative zu "Ich...



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