Optionen bezahlen, Steuern begleichen, mehr Geld haben

Solche Pakete werden in den USA hoch besteuert, denn laut dortigem Steuerrecht handelt es sich dabei um Einkommen und Musks Steuersatz liegt bei rund 53 Prozent. Die zu zahlende Steuer berechnet sich aus dem tatsächlichen Preis der Aktien abzüglich der Anschaffungskosten. Das bedeutet also: Um seine Optionen ausüben zu können und die fast 23 Millionen Aktien überhaupt übernehmen zu dürfen, muss Musk der amerikanischen Steuerkasse gute 14 Milliarden-US-Dollar überweisen.

Würde er also das versprochene Aktienpaket verkaufen, um endlich Steuern zu zahlen, käme dabei auch nach Abzug der 23,72 Prozent Kapitalertragssteuer nützlicherweise genug Geld raus, um das genannte Paket kaufen zu können und letztlich die Menge der Aktien trotz allem hin und her erneut zu erhöhen. Richtig: Musk wäre anschließend reicher. Überraschung.

Musk kauft seinen eigenen Kurs-Dip

Der PR-Stunt ist hier aber noch nicht beendet. Durch den öffentlichkeitswirksamen Verkauf, beziehungsweise dessen Ankündigung, schafft es der selbsternannte Edge Lord vermutlich, den Tesla-Kurs zu drücken. Bereits am Morgen des 8. November ließ der Kurs spürbar nach, was Musks Erlöse und auch Einkäufe natürlich günstiger macht - wir erinnern uns: Beide Steuerzahlungen sind abhängig vom Aktienkurs.

Da hat es auch etwas Geschmäckle, dass ausgerechnet Kimbal Musk, Elons Bruder, am 5. November 10 Prozent seiner Tesla-Anteile verkauft hat. Oder Musk präpubertär auf den Tweet eines US-Senators reagiert, der anmerkt, dass Steuerzahlungen nicht in der Hand von Twitter-Abstimmungen liegen sollten.

Auch Musks Umzug nach Texas hat wohl nicht nur mit der Nähe zur SpaceX-Abschussrampe zu tun, sondern möglicherweise auch mit dem Wissen, dass die bundesstaatliche Einkommenssteuer in Texas bei 0 und in seinem ehemaligen Heimatstaat Kalifornien bei 12,3 Prozent liegt.

Zuletzt ist da noch die Frage nach der drohenden Steuerreform. Die USA werden 2022 vielleicht Anpassungen vornehmen. Dass unter einer demokratischen Regierung dabei Vorteile für Milliardäre entstehen, die seit Amtsantritt von Joe Biden non-stop im Kreuzfeuer stehen und sich durch die hohen Kapitalzuwächse während der Corona-Krise wenige Freunde gemacht haben, ist unwahrscheinlich.

Bekannte Regeln für mehr Profite

Musk kennt das aktuelle Steuerrecht. Die Käufe und Verkäufe sind für ihn berechenbar. Verkauft er seine Aktien und übt 2021 seine Optionen aus, weiß er, was auf ihn zukommt. Wartet er bis zu einer etwaigen Steuerreform, könnte es deutlich teurer werden.

Es mag nahbar wirken, wenn ein Firmen-Chef wie Elon Musk die breite Masse auf Twitter entscheiden lässt, was mit seinem Milliardenvermögen passieren soll. Es mag auch nahbar wirken, wenn man der Welthungerhilfe vorschlägt, Milliarden zu spenden, wenn die Ausgaben der Spende transparent dargestellt werden. Doch am Ende des Tages kann man sich sicher sein: Elon Musk mag vieles tun, aber er überlässt sein Vermögen weder dem Zufall, noch dem Volk.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]

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 Tesla-Aktien: Der Aktienverkauf von Elon Musk ist kein Fanservice
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Cavaron 14. Nov 2021

Entgegen allen Anschuldigungen und Unkenrufen wickelt Musk den Abruf seiner Optionen und...

Achranon 11. Nov 2021

Ja, eine Strom oder Wasserleitung von hier zum Mars zu legen ist aufwändig, außerdem...

ashahaghdsa 10. Nov 2021

Es gibt vermutlich keinen einzigen Reichen, der 10 Mio Steuern sparen will, indem er 100...

-eichi- 10. Nov 2021

Na dann nimm hald ne Dividendenaktie(da kannst dann deine Miete für zahlen ;-) )



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