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Wer diese Klänge von Jeremy Soule hört, ist unterwegs in die Provinz Morrowind, genauer zur Insel Vvardenfell. In uns weckt die Musik sofort ein wohlig nostalgisches Gefühl - wir erinnern uns an das Jahr 2002, als der dritte Teil von The Elder Scrolls (originaler Test) erschien.

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Von Alpträumen geplagt, finden wir uns als namenloser Gefangener im Bauch eines Schiffes wieder, wo uns ein Dunmer knurrig begrüßt. So nennen sich die in Morrowind heimischen Dunkelelfen, die gemeinhin keine Freunde von Ausländern sind. Der Elf übergibt uns an eine imperiale Wache, denn Morrowind gehört zum Kaiserreich Tamriel.

Schon bei der Charaktererstellung entfaltet Morrowind seinen enormen Umfang: Wir wählen aus zehn Völkern wie den katzhaften Khajiit, den reptilienartigen Argoniern oder den Nord aus dem frostigen Himmelsrand. In der Zensusbehörde legen wir unsere Attribute und das Sternzeichen fest, dann endlich erhalten wir unsere Entlassungspapiere, gezeichnet von Kaiser Uriel Septim VII höchstpersönlich.

Unsere erste Aufgabe ist es, einen gewissen Caius Cosades in Balmora aufzusuchen. Natürlich könnten wir nun direkt zum Schlickschreiter nebenan laufen und auf dem riesigen Insekt per Schnellreise in die nächste Stadt gelangen. Stattdessen stehen wir staunend an der Bitterküste und bewundern den spiegelnden Ozean. Morrowind ist eines der ersten Spiele, das unter Direct3D 8 auf Pixelshader setzt und dafür mindestens eine Geforce 3 oder Radeon 8500 erfordert. Aufgrund der Optik bürgerte sich damals schnell die scherzhafte Beschreibung als Quecksilber-Wasser ein.

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Die Net-Immerse und später Gamebryo genannte Engine kann aber noch mehr: Die vielfältigen Landschaften liegen friedlich im strahlenden Sonnenschein vor uns, gehen im strömenden Regen unter oder werden gar von einem Sandsturm verschluckt; zudem gibt es einen fließenden Tag- und Nachtzyklus. Ebenso abwechslungsreich zeigt sich die Architektur der Städte: mittelalterlicher Fachwerkstil, orientalische Formen, pilzartige Türme oder das gigantische Vivec mit seinen mehrstöckigen Inseln und dem darüber thronenden Mond, dem Baar Dau.

Nebenan in seinem Palast residiert Fürst Vivec, einer der drei Tribunalgötter. Den treffen wir im späteren Verlauf der Hauptquest, denn eine alte Prophezeiung offenbart, dass wir der wiedergeborene Nerevarine sind. Unsere Aufgabe ist es, Vvardenfell von der Corprus-Krankheit zu reinigen, die Menschen in Untote und im weiteren Verlauf zu Aschemonstern mutieren lässt. Verursacher ist der Halbgott Dagoth Ur, der im Roten Berg auf uns und somit auf sein Ende wartet.

Morrowind schreibt uns dabei nicht vor, wie oder gar ob wir Dagoth Ur zur Strecke bringen - wer will, kann selbst den Tribunalgott Vivec töten und dennoch die Endsequenz erspielen. In diesem Fall müssen wir in das Corprusarium unter einem Magierturm vordringen und uns dort mit dem schwer kranken Yagrum Bagarn treffen. Er ist ein Dwemer - der letzte der Zwerge in Tamriel, von denen ansonsten nur Ruinen ihrer Festen existieren. Die können wir natürlich auch erkunden und müssen es teilweise sogar, denn neben der Hauptquest gibt es in Morrowind viel zu tun.

In nahezu jeder Stadt warten Aufgaben, beispielsweise sollen wir in Gnisis in der Eiermine die Kwama-Königin heilen. Andernorts freuen sich die mächtigen Gilden über neue Mitglieder: Wir werden daher Dieb, Magier oder Krieger. Für eine Vereinigung namens Morag Tong übernehmen wir Exekutionen - mit der Dunklen Bruderschaft haben die Assassinen aber nichts zu tun. Obendrein konkurrieren drei Häuser - Hlaalu, Redoran und Telvanni - auf Vvardenfell um die Vorherrschaft, die uns für ihre Dienste einspannen.

Die Missionen fallen sehr abwechslungsreich aus, sie sind meist mehrstufig und mit vielen Gesprächen verbunden. Eine Vertonung fehlt, weshalb es ordentlich Text zu lesen gibt. Apropos: Wer mehr über Tamriel und seine Geschichte erfahren will, findet Hunderte von Büchern und Schriftrollen in Morrowind, die tiefer in die Welt eintauchen lassen. Das eigene Tagebuch hingegen ist ein Graus, da es die Aufgaben stur chronologisch sortiert. Erst die Tribunal-Erweiterung verbessert das Journal, damit Missionen leichter zu verfolgen und abzuschließen sind, denn Quest-Marker gibt es nicht.

Um höhere Ränge in Gilden oder generell Spieler-Level zu erreichen, benötigen wir die passenden Stufen bei Attributen und Fertigkeiten. Das sehr freie Charaktersystem in Morrowind ist dabei recht ungewöhnlich: Wir verbessern unsere Fertigkeiten schlicht durch Anwenden, was teils kurios anmutet. Athletik und Akrobatik werden durch Laufen und Springen quasi nebenher gesteigert, gleiches gilt für Treffer auf bestimmte Rüstungstypen. Wie viel Schaden wir austeilen, hängt hingegen von der Waffe ab und davon, wie gut wir diese beherrschen.

Das ist gerade für Bogenschützen frustrierend, weil anfangs die meisten Pfeile aus Sicht der Spiellogik gar nicht treffen, statt den Gegner wenigstens ein bisschen zu verletzen. Haben wir zehn Haupt- oder Nebenfertigkeiten verbessert, steigen wir im Level auf und erhöhen damit drei unserer Attribute. Die wiederum beeinflussen Lebensenergie, Magie und Ausdauer. Das Kampfsystem fällt theoretisch komplex aus, da wir mit jeder Waffe verschiedene Hieb- oder Schneidebewegungen durchführen können. Wem das zu umständlich ist, der aktiviert im Menü, schlicht immer den besten Angriff zu verwenden.

So groß und schön Vvardenfell ausfällt, so leer fühlt es sich an: NPCs sind selten und auch die Gegnerauswahl sowie deren künstliche Intelligenz bleiben überschaubar. Besonders nervig sind die Klippenläufer, weil die fliegenden Reptilien oft unvermittelt auftauchen und uns aggressiv verfolgen. Neben obligatorischen Ratten und Skeletten treffen wir auch auf Dwemer-Konstruktionen wie Dampf-Zenturios oder Daedra wie die Atronache oder die Goldenen Heiligen.

Allerdings will uns längst nicht alles töten, was wir in der lokalen Fauna treffen: Netche schweben friedlich umher und Schlammkrabben besiedeln die Ufer. Eine davon kann sogar sprechen und ist ganz offensichtlich Alkoholiker. Mit 10.000 Draken hat diese Schlammkrabbe mit Abstand das meiste Geld aller Händler im Spiel. Das brauchen wir für Ausrüstung wie Waffen oder Dietriche oder zum Reparieren von Equipment. Das klappt auch unterwegs, dann hauen wir im Inventar mit Schmiedehämmern auf unserer Rüstung herum.

Diese Komplexität und Vielfalt der Charakterentwicklung inmitten einer gigantischen, atmosphärischen Welt voller Geheimnisse und gegeneinander agierenden Fraktionen ist es, was das auch technisch exzellente The Elder Scrolls 3 Morrowind trotz der sperrigen Bedienung so faszinierend und zugleich erfolgreich gemacht hat.

Bethesda selbst hat die Popularität von Morrowind genutzt und Vvardenfell schon 2017 als Erweiterung für The Elder Scrolls Online veröffentlicht. Das spielt jedoch 700 Jahre vor den Ereignissen von The Elder Scrolls 3, weshalb sich beispielsweise Vivec noch im Aufbau befindet und Ebenherz nicht existiert.

Wer heute nach Vvardenfell reisen will, hat mehrere Optionen: Die originale CD-Version samt den beiden Addons Tribunal und Bloodmoon läuft unter Windows 10 einwandfrei, zudem gibt es Umsetzungen bei GoG und Steam. Wir empfehlen den Morrowind Graphics Extender, um das Spiel zu modden, etwa für eine 4K- und eine Widescreen-Unterstützung, aber auch für eine höhere Sichtweite und generell bessere Optik.

Wir haben angefangen, das so modernisierte Morrowind erneut durchzuspielen. Sollten wir wieder Hunderte Stunden auf Vvardenfell verbringen, wäre das für uns die schönste Art und Weise, die Zeit bis zum Erscheinen von The Elder Scrolls 6 zu überbrücken. Und wer weiß, vielleicht gibt es im nächsten Singleplayer-Titel ja auch einen Abstecher auf die Dunkelelfen-Insel. Wir zumindest würden die Überfahrt liebend gern wagen!

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 TES 3 Morrowind (2002): Im Auftrag des Kaisers nach Vvardenfell
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Anonymer Nutzer 26. Dez 2019

Ich finde es schön, dass es solche Projekte gibt.

DieTatsaechlich... 26. Dez 2019

Doch. Die gab es schon in TES 3 Morrowind.

Anonymer Nutzer 26. Dez 2019

Klar, die Musik ist sehr aufwendig und zweifelsfrei sehr gut. Es gibt aber sehr viele...

D43 24. Dez 2019

Wenn ich mir vorstelle wie der Text eines alten Betrunken Dunmers von Alexa vorgelesen...

Anonymer Nutzer 24. Dez 2019

Mir hat Morrowind damals auch viel Spass gemacht. Das lag aber eher daran, dass ich schon...



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