Terrorismus: Gamer unter Terrorverdacht

Plattformen wie Steam oder Xbox Live seien nahezu unüberwacht, findet der Antiterrorkoordinator der EU. Und will das ändern. Seine Argumente sind schwierig.

Artikel von Kai Biermann/Zeit Online veröffentlicht am
Terrorbekämpfung im Ur-Counter-Strike
Terrorbekämpfung im Ur-Counter-Strike (Bild: Valve)

"Onlinegames sind an sich keine Bedrohung, aber ..." Schon der erste Satz der Analyse von Gilles de Kerchove, dem EU-Koordinator für die Terrorismusbekämpfung, macht klar, dass ihm Gamer und Gamerinnen nicht geheuer sind. Er findet, sie sollten dringend stärker überwacht werden. Denn ihre Plattformen könnten von Terroristen und Extremisten als Rekrutierungsort genutzt werden, ihnen zur Kommunikation dienen und Geldwäsche ermöglichen, schreibt er in einem 20-seitigen Papier, das Zeit Online vorliegt. Viele Belege für diese Befürchtung bringt er nicht. Es scheinen vor allem der hohe Grad an Anonymität dort und die wachsende Bedeutung von Gamingdiensten wie Steam, dem Epic Games Store, Playstation Network oder Xbox Live zu sein, die zu seiner Beurteilung geführt haben.

Inhalt:
  1. Terrorismus: Gamer unter Terrorverdacht
  2. Keine Datenbasis

Steam beispielsweise hat eine Milliarde registrierte Nutzer - wobei die Zahl nicht so viel aussagt, da sich darunter eine Vielzahl Bots und toter Konten befinden. Wichtiger hingegen ist die Zahl derer, die monatlich aktiv sind, laut de Kerchove derzeit etwa 95 Millionen Menschen. "Spielplattformen werden nicht in der gleichen Weise überwacht wie die großen sozialen Netzwerke wie Facebook oder wie Kryptowährungen wie Ethereum. Infolgedessen agieren sie in einer Art Vakuum und sind daher dem Risiko ausgesetzt, von Terroristen und anderen Kriminellen missbraucht zu werden", heißt es in seiner Analyse. So sei Steam "noch weitgehend unüberwacht" und daher bei rechten Extremistinnen und Extremisten sehr populär. Verschiedene Gruppen würden dort "rechtsextreme, antisemitische, homophobe und andere hasserfüllte Inhalte verherrlichen".

Gleichzeitig würden die meisten Plattformen ihren Nutzerinnen und Nutzern "einen hohen Grad an Anonymität bieten" und in vielen Spielen würden Fremde miteinander kommunizieren und Gruppen bilden. Beides würde es Radikalen leicht machen, neue Kontakte zu knüpfen.

Die Anonymität ist keine

Natürlich gibt es Beispiele dafür, dass Terroristen Gamesplattformen für ihre Zwecke genutzt haben, so wie sie auch Autos, Telefone und andere moderne Techniken verwenden. Immer wieder finden sich auf Steam rechtsextremistische und verfassungsfeindliche Inhalte. 2015 wurde in Österreich ein 14-Jähriger verurteilt, weil er Kontakt zum IS gesucht und sich Bombenpläne heruntergeladen hatte - die entsprechenden Daten wurden auf seiner PS4-Konsole gefunden. David Sonboly, der rechtsradikale Attentäter von München, war zuvor auf Steam in Gruppen aktiv, die rechtsextreme und antimuslimische Inhalte teilten. Die rassistische Alt-Right-Bewegung hat Games entdeckt, um dort Gleichgesinnte zu finden. Und der IS nutzt seit einiger Zeit auch unter Spielerinnen und Spielern beliebte Chatdienste wie Discord, bei denen jeder einen eigenen Server aufsetzen und darüber mit anderen kommunizieren kann.

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Doch die Anonymität, von der de Kerchove schreibt, gibt es nur bedingt. Zwar ist es möglich, sich etwa bei Steam oder auf der Playstation mit einer beliebigen E-Mail-Adresse und falschen Kontaktinformationen einen kostenlosen Account zu erstellen. Doch spätestens, wenn man kostenpflichtige Games herunterladen und spielen möchte, ist es mit der Anonymität vorbei: Die großen Gamesplattformen nutzen alle Bezahlmodelle; die Nutzerinnen und Nutzer sind zumindest für die Betreiber eindeutig identifizierbar, da sie Kreditkarten und Kontoinformationen mit ihren Accounts verknüpfen müssen. Da die Betreiber vor allem in Ländern wie den USA ihren Sitz haben, ist die Abfrage dieser Daten für staatliche Ermittler kein Problem.

Auch ein weiterer Punkt, den de Kerchove als Grund für seine Befürchtung angibt, ist problematisch. So schreibt er, dass sich unter Gamerinnen und Gamern sicher viele Menschen befänden, die für Terrorismus und Extremismus empfänglich seien, da viele Games Gewalt zum Thema hätten. Zitat: "Viele populäre Videospiele beinhalten Gewalt und Krieg, was Spieler anspricht, die von gewalttätigen extremistischen Botschaften angezogen werden könnten." Außerdem seien die meisten Gamer solcher gewalttätigen Spiele junge Männer - darunter viele, "die sozial isoliert oder entrechtet sein können und sich aus diesen Gründen zu Gewalt hingezogen fühlen könnten".

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Keine Datenbasis 
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notnagel 25. Jul 2020

"die Nutzerinnen und Nutzer sind zumindest für die Betreiber eindeutig identifizierbar...

notnagel 25. Jul 2020

Wenn der Inhalt des Videos genauso "kompetent" behandelt wurde wie ein anderes vom...

Truster 24. Jul 2020

ich glaube, es gibt genug Eltern, die das nicht zu ernst nehmen. Möglicherweise, weil sie...

rubberduck09 22. Jul 2020

Denn es ist erwiesen dass Terroristen Brot essen...

Renricom 22. Jul 2020

Der ist gut xD



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