• IT-Karriere:
  • Services:

Terrorismus: Das böse, böse Internet

Die britische Premierministerin May will nach mehreren Terrorattacken die Menschenrechte einschränken und das Internet stärker regulieren. "Genug ist genug", könnte die Antwort ihrer Kritiker lauten.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Die britische Premierministerin Theresa May
Die britische Premierministerin Theresa May (Bild: Jeff J Mitchell/Getty Images)

In den Zeiten vor Erfindung des Internets müssen paradiesische Zustände in Europa geherrscht haben. Mangels Plattformen wie Facebook oder Twitter konnten sich Menschen nicht radikalisieren. Zudem konnten sie keine erfolgreichen Terroranschläge planen, weil sie nicht mit verschlüsselten Messenger-Diensten kommunizieren konnten. Wem haben Politiker eigentlich damals die Schuld gegeben, dass Organisationen wie die RAF, der NSU, die IRA oder die ETA dennoch in Europa Bomben legten? Auch ohne Internet und Whatsapp ist die Liste politisch und religiös motivierter Anschläge im 20. Jahrhundert auf Wikipedia ziemlich lang.

Inhalt:
  1. Terrorismus: Das böse, böse Internet
  2. Internet kann zur Radikalisierung beitragen

Heutzutage scheinen die Reflexe nach einem Anschlag stets die gleichen zu sein: Politiker fordern mehr Überwachung und Datenspeicherung, mehr Internetkontrolle, mehr Polizeibefugnisse. Während deutsche Politiker dabei zumindest vorgeben müssen, dass alle neuen Gesetze mit dem Grundgesetz vereinbar sind, hat die britische Premierministerin Theresa May mangels britischer Verfassung dieses Problem nicht. Im Gegenteil. Sie will nun sogar Menschenrechte "aus dem Weg räumen", um den Terrorismus besser bekämpfen zu können.

Billiger Rat von Heiko Maas

Vor dem Hintergrund der neuen Vorratsdatenspeicherung und des geplanten Facebook-Gesetzes mutet es dennoch ein bisschen wohlfeil an, wenn ausgerechnet Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) der britischen Regierungschefin gute Ratschläge auf Twitter erteilt: "Wer Menschenrechte einschränkt, beschert den Terroristen schon den ersten Sieg. Die Qualität eines Rechtsstaats zeigt sich in der Bedrohung." Denn auch die große Koalition hat in den vergangenen Monaten an etlichen Überwachungsgesetzen herumgebastelt. Über den deutlich erweiterten Einsatz von Staatstrojanern oder das Netzwerkdurchsetzungsgesetz soll in den kommenden Wochen im Bundestag abgestimmt werden.

Das Problematische an den ganzen Gesetzesverschärfungen: Vor allem der Fall des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, hat deutlich gemacht, woran es bei der Überwachung und Abschiebung von islamistischen Gefährdern hapert. Und das hatte wenig mit Facebook oder Twitter zu tun. Die islamistischen Täter waren den Ermittlungsbehörden immer bekannt, wie etwa der Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo in einer Statistik jüngst gezeigt hat. Auch beim Attentat vom vergangenen Samstag in London traf dies bei zwei der drei Männer zu. Es gab viele Warnungen wegen deren Radikalisierung.

Anschläge brauchen keine Planung

Stellenmarkt
  1. über grinnberg GmbH, Frankfurt am Main
  2. DMK E-BUSINESS GmbH, Berlin, Potsdam, Chemnitz

Ebenfalls problematisch: Anschläge wie in Berlin oder in London brauchen im Grunde keinerlei logistische Vorbereitung, bei der sich die Täter verdächtig machen könnten. Sie müssen sich keinen Sprengstoff oder keine Schusswaffen besorgen. Selbst eine Handy-Überwachung mit Staatstrojaner und allem Drum und Dran würde vermutlich keine Anschlagsplanungen aufdecken können, weil sie eben gar nicht stattfinden.

Doch was machte Theresa May? Es wäre wenige Tage vor der Wahl wirklich zu viel von ihr verlangt gewesen, sich am Sonntag vor die Downing Street Nr. 10 zu stellen und zu sagen: "Tut mit leid, dass ich als Innenministerin versagt und mehr als 20.000 Polizeistellen abgebaut habe." Stattdessen schlug sie unter anderem eine internationale Kooperation vor, um die Verbreitung von islamistischem Extremismus im Netz zu bekämpfen. "Wir dürfen dieser Ideologie nicht den sicheren Raum geben, den sie für ihr Gedeihen benötigt. Doch das ist genau das, was das Internet - und die großen Firmen, die internetbasierte Dienste bereitstellen - bietet", sagte May. Doch gibt es diesen Raum nur im Internet? Und lässt er sich so einfach abschließen?

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Internet kann zur Radikalisierung beitragen 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Hardware-Angebote

Zensurfeind 14. Jun 2017

Nicht das Internet. Nur ist es für Politiker einfacher die Schuld nicht bei sich zu...

sfe (Golem.de) 09. Jun 2017

Bevor das hier weiter abrutscht: closed. Sebastian Fels (golem.de)

plutoniumsulfat 09. Jun 2017

Die Regeln betreffen sie nicht. So läuft es doch bei fast allen Entscheidungen. Wer hat...

ZuWortMelder 09. Jun 2017

Danke. Da ich zugebener Weise mich damit noch nicht all zu sehr beschäftigt habe, bin ich...

JackIsBlack 09. Jun 2017

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13070/umfrage/entwicklung-der...


Folgen Sie uns
       


Resident Evil Village - Fazit

Im Video stelle Golem.de die Stärken und Schwächen des Horror-Abenteuers Resident Evil 8 Village vor.

Resident Evil Village - Fazit Video aufrufen
Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /