Terror in Paris: Anonymous erklärt IS den Cyberkrieg

Anonymous erklärt den Terroristen den Cyberkrieg. Eine andere Gruppe behauptet, sie hätte einen Anschlag verhindert. Können Hacker mehr, als die Dschihadisten ein bisschen zu ärgern?

Artikel von Hakan Tanriverdi/Süddeutsche.de und Angela Gruber veröffentlicht am
Anonymous erklärt Terroristen den Cyberkrieg.
Anonymous erklärt Terroristen den Cyberkrieg. (Bild: Golem.de)

"Wir werden die wichtigste Operation gegen euch starten, die je geführt wurde." Mit diesen Worten, unterlegt mit dramatischer Musik, hat das Kollektiv Anonymous nach dem Terror von Paris den Islamischen Staat (IS) zum Ziel erklärt. "Der Krieg ist eröffnet", heißt es in dem Video weiter. Anonymous präsentiert sich als Kämpfer für Informationsfreiheit und Menschenrechte. Die Gruppe attackierte auch schon Scientology und den Ku-Klux-Klan.

Inhalt:
  1. Terror in Paris: Anonymous erklärt IS den Cyberkrieg
  2. Zehntausende IS-Accounts auf Twitter

Bereits nach der Charlie-Hebdo-Attacke hatte Anonymous unter Hashtags wie #OpISIS gegen den IS mobilgemacht. Das Kollektiv griff damals unter anderem Tausende Social-Media-Konten an. Es wurden dazu lange Listen von Twitter-Accounts veröffentlicht, die angeblich dem IS zuzurechnen waren - und auch Fehler enthielten. Neben rund 100.000 Twitter-Konten sollen 149 IS-nahe Propagandawebseiten stillgelegt worden sein, berichtet das US-Magazin Foreign Policy.

@GhostSecGroup hat angeblich Terrorangriff verhindert

Wie ernst zu nehmen die aktuelle Ankündigung ist, ist schwer zu sagen. Eine Gruppe Unbekannter kämpft gegen eine Gruppe Unbekannter. Anonymous ist ein dezentral organisiertes Kollektiv und schwer zu greifen. Verbindungen zwischen Mitgliedern sind meist lose, nur für bestimmte Aktionen tun sie sich zusammen.

Anonymous ist in der Öffentlichkeit vor allem für DDoS-Angriffe bekannt. Webseiten werden dabei so oft aufgerufen, dass Anfragen von Nutzern nicht mehr verarbeitet werden können - sie sind ausgeknockt. Doch mittlerweile führen die Techniken, die eingesetzt werden, weiter. Eine Gruppe von Hackern behauptet, sie habe einen Terroranschlag in Tunesien verhindert.

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Das Hackerkollektiv @GhostSecGroup hat dazu nach eigenen Angaben mehrere Twitter-Accounts von IS-Anhängern übernommen. Die Gruppe hatte in der Vergangenheit Verbindungen zu Anonymous. Im Gespräch mit SZ.de erläutert einer der Beteiligten - Pseudonym: @DigitaShadow -, wie der Angriff abgelaufen sein soll: "Wir haben profilierte Konten von IS-Anhängern in sozialen Netzwerken gefunden. Wir haben die 'Passwort-vergessen'-Funktion benutzt. Die E-Mail-Adresse wurde zwar nur teilweise eingeblendet, aber wir konnten sehen, dass sie eine Mailadresse von Mailinator.com hinterlegt hatten."

Mit diesem Dienst lassen sich Wegwerf-E-Mail-Adressen kreieren. Nutzer setzen sie ein, wenn sie ihre tatsächliche E-Mail-Adresse nicht angeben wollen. Über den Dienst lässt sich leicht auf fremde E-Mails zugreifen. In den Privatsphäre-Einstellungen heißt es: "Das E-Mail-System ist öffentlich. Es gibt keine Privatsphäre." Das nutzen Hacker aus.

Hilfe für das FBI

"Einmal drin", sagt DigitaShadow, "haben wir uns ein neues Passwort schicken lassen." So hätten sie die Kontrolle über einen IS-Account übernommen. Darin kann man nachlesen, über welche IP-Adresse sich der Nutzer angemeldet hat. "Wir haben zwei Individuen identifiziert, die einen Anschlag geplant hatten, der zwei Tage später stattfinden sollte." Diese Informationen hätten die Hacker samt Screenshots an Michael Smith geschickt.

Smith ist der Mitgründer der Firma Kronos Advisory. Diese berät Unternehmen in Fragen der nationalen Sicherheit. Im Gespräch mit SZ.de bestätigt Smith, dass er Daten von der Gruppe erhalten und diese an das FBI weitergegeben habe. Diese Informationen sollen Ghostsec zufolge mitverantwortlich dafür gewesen sein, einen Anschlag in Tunesien zu verhindern (kurz nach dem Anschlag Ende Juni).

Der Fall könnte als Beispiel dafür dienen, dass Angriffe von Aktivisten deutlich über das Lahmlegen von Webseiten hinausgehen können. Es wäre ein mächtiger Gegenangriff. Dass Drohungen von Anonymous durchaus Folgen haben können, zeigte sich Anfang November. Anonymous machte seine Drohung wahr und veröffentlichte eine rund 500 Einträge umfassende Liste mit angeblichen Mitgliedern des rassistischen Ku-Klux-Klans (KKK) aus den USA.

Im aktuellen Fall bleibt aber unklar, welchen Einfluss das Kollektiv tatsächlich auf Ermittlungen genommen hat, ob es tatsächlich mehr kann, als den IS ein bisschen zu ärgern. Ein FBI-Pressesprecher hat Anfragen von Foreign Policy, ob die Informationen hilfreich gewesen seien, weder bestätigt noch dementiert.

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Zehntausende IS-Accounts auf Twitter 
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Der Held vom... 26. Nov 2015

Ich fürchte, wir reden aneinander vorbei. Dein moralischer Kompass funktioniert...

Baron Münchhausen. 19. Nov 2015

Da kannst du lange warten. Dat sind so die "so ungefährt" und "halb genau durchdacht...

Baron Münchhausen. 19. Nov 2015

Geschichtskenntnis 0. Sogar in Blutigem mittelalter wurde ne menge nicht körperlich agiert.

Zzimtstern 19. Nov 2015

Wie genau sie an das Passwort kommen ist doch völlig egal, solange es funktioniert. Wenn...

ExHeiseTroll 19. Nov 2015

Ändert nichts an meiner Aussage.



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