Terrapower-Reaktor: Verfügbarkeit und Fazit

Wann das Mini-Atomkraftwerk auf den Markt kommt, ist noch unklar. Schließlich arbeitet Terrapower gemeinsam mit der US-Regierung gerade erst an Prototypen wie unserem Testobjekt - nachdem die Konstruktionen über Jahre "nur in unseren Supercomputern" existiert hatten, wie Bill Gates in seinem Buch schreibt. Dementsprechend kann Terrapower derzeit auch noch keinen Preis nennen.

Angepeilt sei derzeit der 1. April 2026. Der Termin könne sich noch nach hinten verschieben, meint Kraft zu Golem.de. Billig dürfte das Gerät jedoch nicht werden. Ob es sich wirklich finanziell lohnt, seinen eigenen Reaktor zu betreiben, muss dann wohl jeder für sich entscheiden.

Trotz aller kritischen Stimmen in der Golem.de-Redaktion hat uns die Technik anfangs durchaus begeistert. Den eigenen Strom in einer kleinen schwarzen Kiste zu produzieren, birgt eine gewisse Faszination. Doch nach und nach hat uns nicht nur das Gerät die Begeisterung genommen, sondern auch die vielen unbeantworteten Fragen und Kritikpunkte, welche die Technik und die von Gates versprochenen Vorzüge nach und nach entzaubert haben.

Auch wenn mit Mini-AKW deutlich weniger Atommüll anfallen sollte als mit herkömmlicher Atomtechnik, bleibt die Frage der Lagerung des entstehenden Mülls - im Garten vergraben oder einfach über den Restmüll entsorgen lässt er sich jedenfalls nicht. Schon hier muss die Nachhaltigkeit der Technik infrage gestellt werden. Sie fällt damit sofort hinter Solarzellen, Wasser- und Windkraft zurück - und ist obendrein inkompatibel.

Zu gefährlich fürs Wohnzimmer

Auch bleibt ob der Gefahren ein gewisser Gruselfaktor. Wen die Vorstellung, in der Nähe eines Atomkraftwerks zu wohnen, ins Schwitzen bringt, der hatte noch nie eines im Wohnzimmer respektive Büro. So mancher Kollege beäugte das Gerät beim morgendlichen Arbeitsbeginn äußerst kritisch. Hinzu kommen die rechtliche Grauzone und viele schwierige Fragen, wie: Muss ich meine Nachbarn informieren und mit Jodtabletten versorgen?

Auch die Software konnte uns nicht richtig überzeugen. Die Kacheloptik hat zwar einen gewissen Retrocharme. Viel mehr, als Informationen abzulesen und die Durchschnittsleistung einzustellen, können wir jedoch nicht. Das wurde uns zwar als Sicherheitsfeature verkauft, da sich das Kraftwerk nicht per App und somit auch nicht über das Internet steuern lasse.

Jedoch gibt es immer unvorhergesehene Sicherheitslücken - und so schlimm diese etwa in Software von Solarwinds oder Microsofts Exchange-Servern sind, in einem Atomkraftwerk sind Zero Days nochmal eine ganz andere Nummer. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass Hacker voneinander abgeschirmte Steuerungen wieder zusammenführen.

Lieber eine Solarzelle aufs Dach

Neben all den kritischen Punkten bleiben die positiven ökologischen Folgen eher überschaubar. Zwar wird CO2 eingespart, jedoch müssen die teuren und aufwendigen Kraftwerke auch erst einmal produziert werden, nach fünf Jahren entsorgt und ihr Müll über Jahre gelagert werden.

In seinem Buch weist Gates zudem auf einen Scherz zur Fusionsenergie hin, die mit dem International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) erprobt werden soll: "Bis wir die Kernfusion im Griff haben, dauert es noch vierzig Jahre - und das wird auch immer so bleiben." Auch bei der TWR-Technik ist die Frage: Wartet der Klimawandel so lange - oder sollte nicht lieber auf die Technologien gesetzt werden, die schon jetzt zur Verfügung stehen?

Nicht umsonst haben wir uns gefragt, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, wenn Gates sein Geld in die Forschung oder den Ausbau von erneuerbaren Energien investiert hätte. Aber vielleicht ist das nur ein weiterer Widerspruch des Privatjet- und Villenbesitzers, der sich für einen niedrigeren CO2-Ausstoß einsetzt.

Die Golem.de-Redaktion wird sich jedenfalls keinen Mini-Atomreaktor ins Büro oder ins Wohnzimmer stellen - aber vielleicht eine Solarzelle aufs Dach montieren.

Nachtrag vom 1. April 2021, 21:32 Uhr

Nur falls die Kommentare nicht reichen: April, April. Frohe Ostern!

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 Mini-Gau im Wohnzimmer?
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d0p3fish 02. Apr 2022

Generation der Empörten :D

Eheran 03. Apr 2021

Ich weiß nicht, warum du dich so auf die 50 % versteifst. Da steht >>50 %, also irgendwas...

torstenj 02. Apr 2021

Könnte nicht durch eine Kollaboration mit Elon Musk ein Bitcoin-Miner integriert werden...

gan 01. Apr 2021

Die Idee gab es tatsächlich mal. Über Modelle ging es jedoch nie hinaus: https://de...



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