Die App hat Kacheln wie bei Windows

Als wir die App nach der Initialisierung das erste Mal bedienen, müssen wir lachen: Tatsächlich hat Terrapower das Kacheldesign von Windows adaptiert. Das wirkt etwas retro, aber eben auch vertraut. Auf den Kacheln bekommen wir Informationen über unser Kraftwerk angezeigt. Beispielsweise, wie viel Strom im Moment erzeugt wird. Nach Inbetriebnahme liefert das Kraftwerk rund 1 kW Energie.

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Dabei stellt es sich adaptiv auf das Hausnetz und die benötigte Energie ein. Mit unserem Testgerät seien maximal 5 kW möglich, sagt Olberman. Ob die reale Leistung erreicht werden kann, hänge vom Standort ab. In unseren Tests kommen wir nie über 2 kW Leistung hinaus.

Ähnlich wie bei einer Solaranlage wird überschüssige Energie an das Stromnetz abgegeben, was vom Energieversorger entsprechend honoriert werden muss. Pro eingespeister Kilowattstunde erhalten wir eine Vergütung von derzeit ungefähr 8 Cent. Eine besondere Genehmigung brauche es dafür zum Glück noch nicht, erklärt uns Olberman.

Mit der Zunahme von kleinen Atomkraftwerken könnte sich dies jedoch ändern. Ähnlich wie bei den Ladestationen für Elektroautos könnte es hier ebenfalls eine Diskussion über eine Spitzenglättung kommen, bei der Energieversorger entsprechende Kraftwerke von außen abschalten könnten, um das Stromnetz stabil zu halten. Doch uns interessiert ohnehin mehr die Technik, in die uns Olberman bereitwillig einführt.

Ein Reaktorkern von der Größe einer Stecknadel

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Neben der Leistung und der Einrichtung interessiert uns vor allem der Aufbau des Reaktors. Bei der Grundkonstruktion handelt es sich um einen sogenannten Traveling-Wave-Reactor (TWR, Laufwellenreaktor). Die Idee dafür stammt wie die anfangs erwähnte Atomkraft-Euphorie aus den 1950ern.

Im Unterschied zu den bis dato gebauten Atomkraftwerken kann er mit abgereichertem Uran betrieben werden, das beim Anreichern von Uran anfällt und daher reichlich vorhanden ist. Etwas angereichertes Uran, um die Reaktion in Gang zu bringen, wird jedoch weiterhin benötigt.

Ein Brennstab sei bei unserem Minireaktor etwa stecknadelgroß und reiche theoretisch für mehrere Jahrzehnte, erklärt uns Olberman. Dennoch müsse das Mini-Atomkraftwerk wegen des heftigen Materialverschleißes nach ungefähr fünf Jahren ausgetauscht werden.

Wie wir die Klimakatastrophe verhindern: Welche Lösungen es gibt und welche Fortschritte nötig sind

Im Lieferumfang enthalten: gefährliche Natriumkühlung

Im Unterschied zu dem sonst verbreiteten Brutreaktor findet die Reaktion beim TWR nicht im gesamten Reaktor statt, sondern nur in einer bestimmten Zone. Diese wandert mit der Zeit durch den Reaktorkern. Dabei werden Temperaturen von über 500° C erzeugt. Gekühlt wird das Ganze mit flüssigem Natrium, einem silberglänzenden und hochreaktiven Metall.

Das ist zum einen energieaufwendig, da Natrium bei Zimmertemperatur fest ist, zum anderen nicht ganz ungefährlich: Natrium ist leicht entzündlich und reagiert heftig mit Wasser. Ein brennendes Atomkraftwerk kann im Unterschied zu einem Elektroauto also nicht einfach in einem Container mit Wasser versenkt werden, um die Reaktion zu beenden - im Gegenteil, das dürfte alles noch schlimmer machen. Entsprechend dürfte auch die Feuerwehr im Falle eines Brandes im gleichen Gebäude nicht mit Wasser löschen.

  • Ein Prototyp eines tragbaren Atomkraftwerkes. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Brennstäbe sind stecknadelgroß und können theoretisch für mehrere Jahrzehnte ausreichen - in der Praxis müssen sie jedoch öfter erneuert werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Brennstäbe können von Fachleuten ausgetauscht werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Rund ein Kilowatt leistet das Mini-Atomkraftwerk bei uns, möglich sind bis zu fünf. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das Mini-AKW im Betrieb (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Ein Prototyp eines tragbaren Atomkraftwerkes. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Olberman spielt die Gefahr herunter: Eine Natriumkühlung komme schon jetzt bei schnellen Brütern zum Einsatz, auch bei der Kühlung von Motorenventilen werde Natrium verwendet und habe sich bewährt. Der Vergleich hinkt allerdings: Motoren sind nun mal keine Atomkraftwerke und Brutreaktoren kommen nicht im Golem.de-Büro zum Einsatz. Letztere haben zudem regelmäßig mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen - auch bei der Kühlung.

Die Wärme wird in einen sekundären Stickstoffkreislauf abgegeben. Mit diesem wird über einen Elektromotor letztlich der Strom erzeugt. Die trotzdem entstehende Abwärme wird durch einen starken mechanischen Lüfter nach außen abtransportiert. Diese könne insbesondere bei den größeren Modellen auch zum Heizen der Wohnung, des Hauses oder gar des ganzen Wohnblocks verwendet werden, schwärmt Olberman. Das mag im Winter eine gute Sache sein. Auf die Frage, wohin die Wärme im Sommer soll, weiß er keine Antwort.

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 Terrapower: Golem.de testet Bill Gates' Mini-Atomkraftwerk (Update)Mini-Gau im Wohnzimmer? 
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Eheran 03. Apr 2021

Ich weiß nicht, warum du dich so auf die 50 % versteifst. Da steht >>50 %, also irgendwas...

torstenj 02. Apr 2021

Könnte nicht durch eine Kollaboration mit Elon Musk ein Bitcoin-Miner integriert werden...

gan 01. Apr 2021

Die Idee gab es tatsächlich mal. Über Modelle ging es jedoch nie hinaus: https://de...

gan 01. Apr 2021

Nett geschrieben ist der Artikel, aber eben an vielen Stellen derart überzogen, dass er...

AllDayPiano 01. Apr 2021

Kein Deppenapostroph im Titel - eine Wohltat :-)



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