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Terawave von Blue Origin: Bezos Satellitennetzwerk ist mehr Provokation als Physik

Amazon Gründer Jeff Bezos kündigt sein Wundernetzwerk Terawave an. Doch wer genauer hinsieht, zweifelt an der physikalischen und wirtschaftlichen Machbarkeit.
/ Achim Sawall
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Terawave gibt es nur als Grafik. (Bild: Blue Origin)
Terawave gibt es nur als Grafik. Bild: Blue Origin

Blue Origin hat den Aufbau des Satellitennetzwerks Terawave angekündigt, das mit Starlink und Amazon Leo (Kuiper) konkurriert. Jeff Bezos Raumfahrtunternehmen gab am 21. Januar 2026 bekannt(öffnet im neuen Fenster) , dass der Aufbau der geplanten Konstellation von 5.408 Satelliten im vierten Quartal nächsten Jahres beginnen und sich an Unternehmen, Rechenzentrumsbetreiber und Regierungsbehörden richten soll.

Blue Origin hatte sich lange Zeit auf Entwicklung von Raketen spezialisiert. Im vergangenen Jahr landete das Unternehmen erfolgreich New Glenn und demonstrierte damit, dass es Wiederverwendbarkeit wie bei SpaceX mit der Falcon-Flotte bieten kann.

Terawave will weltweit symmetrische Datenübertragungsraten von bis zu 6 TBit/s ermöglichen. Terawave-Architektur besteht aus 5.408 optisch miteinander verbundenen Satelliten in niedriger (Leo) und mittlerer (Meo) Erdumlaufbahn. Es soll den Glasfaser-Backhaul ergänzen.

Über Q/V-Band-Verbindungen einer Konstellation aus 5.280 Leo-Satelliten sollen Datenraten von bis zu 144 GBit/s erreicht werden, während optische Verbindungen von 128 Meo-Satelliten bis zu 6 TBit/s bieten sollen.

Technisch und wirtschaftlich abenteuerlich

Blue Origin ist ein privat geführtes Unternehmen, das sich im persönlichen Besitz von Jeff Bezos befindet. Er gründete es im Jahr 2000 zur Erschließung des Weltraums. Bezos nutzt seinen Reichtum aus Amazon-Aktienverkäufen, um Blue Origin zu finanzieren. Er erklärte in der Vergangenheit, dass er jährlich Amazon-Aktien im Wert von etwa 1 Milliarde US-Dollar verkaufe, um das Kapital in Blue Origin zu investieren.

Branchenexperte Christian von der Ropp erklärte Golem: "Das Konzept wirkt technisch und wirtschaftlich abenteuerlich. Aufgrund der Frequenzknappheit beabsichtigt Blue Origin, in das Q/V-Band auszuweichen, was aus Nutzerseite höchst problematisch ist. Phased-Array-Antennen im Q/V-Band sind aufgrund der erforderlichen Fertigungstoleranzen, Kalibrierung und Ausbeute nur sehr teuer herzustellen. Dazu wird die Regendämpfung in diesem Frequenzbereich zumindest auf einer Flachantenne gravierend sein, und die Gateways, die im noch höheren E-Band funken sollen, stellen einen weiteren wetterabhängigen Flaschenhals dar."

Lediglich bei wolkenfreiem Himmel möglich

Noch schwieriger sind laut von der Ropp die angestrebten Laserverbindungen zwischen Weltraum und Erde, da diese lediglich bei wolkenfreiem Himmel möglich sind, nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zulassen und die Satelliten nur mit einer geringen Zahl von Laser Communication Terminals (LCTs) bestückt werden können. "Laser-Kommunikation zum Endnutzer lässt sich praktisch nicht skalieren" , sagte er.

All dies bewege sich am technischen Limit, erfordere enormen Entwicklungsaufwand sowie hohe Betriebskomplexität – und solle dennoch mit nur rund 100.000 Unternehmenskunden wirtschaftlich betrieben werden. Diese Rechnung sei genauso gewagt wie die Physik. Die Frage sei, ob es bei Terawave um Konnektivität oder darum gehe, den Börsengang von SpaceX zu untergraben und Amazon zur Verschmelzung seiner Leo-Konstellation mit Blue Origin zu bewegen. Gerüchteweise wollte Bezos schon im vergangenen Jahr Amazons Leo kaufen, um es mit Blue Origin zusammenzubringen.


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