Tenet macht Unmögliches glaubhaft

So authentisch und dennoch ausufernd, wie Christopher Nolan in Zusammenarbeit mit Kameramann Hoyte van Hoytema gerade im letzten Filmdrittel mit Formen der Zeitmanipulation visuell spielt, hat es noch kein Filmemacher vor ihm getan. Hier beeindruckt er durchaus so, wie Fans es sich aufgrund der Vorgängerfilme erhofft hatten, in denen nicht-lineares Geschichtenerzählen und von den Normen abweichendes Zeitempfinden stets als Markenzeichen Nolans herausragten.

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Rein visuell sehen wir in Tenet - nach unserem gewohnten Verständnis von linearer zeitlicher Wahrnehmung - völlig unmögliche Dinge als absolut glaubhafte, lebensecht dargestellte Vorstellung auf der Kinoleinwand. Und das auch noch mal ein ganzes Level real wirkender als etwa in Inception.

Ob nun in sich logisch oder nicht, besonders durch den Anspruch, so viele Spezialeffekte wie möglich ohne CGI, mit praktischen Mitteln und handwerklichen Kameratricks real gedreht umzusetzen, bleibt das reine Spektakel von Tenet faszinierend anzusehen. Der Soundtrack von Ludwig Göransson unterstützt die gewaltigen Bilder mehr zweckmäßig gut, hallt aber nicht so eindringlich nach wie die Musik von Hans Zimmer aus den vorherigen Nolan-Filmen.

Hölzern wie Deus Ex

Dass der alles überschattende und umgebende Agentenfilm, der Tenet abgesehen vom Sci-Fi-Part ganz offensichtlich in erster Linie eigentlich sein möchte, jedoch allenfalls Mittelmaß ist, lässt in mir das zwiegespaltene Gefühl zurück, audiovisuell begeistert und dennoch, was den Gesamtfilm angeht, sehr ernüchtert zu sein.

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Fast wirkt es wie ein bewusstes Experiment des Regisseurs und Autors Nolan, seine Geschichte so trocken und unterkühlt wie nur möglich zu erzählen, um den komplexen Zeitchoreographien der Actionszenen maximalen Wirkungsraum auf seine Zuschauer zu überlassen.

  • Tenet (Bild: Warner Bros.)
  • Christopher Nolan und John David Washington am Set von Tenet (Bild: Warner Bros.)
  • Christopher Nolan und John David Washington am Set von Tenet (Bild: Warner Bros.)
  • John David Washington und Robert Pattinson in Tenet (Bild: Warner Bros.)
  • Tenet (Bild: Warner Bros.)
  • Tenet (Bild: Warner Bros.)
  • Tenet (Bild: Warner Bros.)
  • Tenet (Bild: Warner Bros.)
  • Tenet (Bild: Warner Bros.)
John David Washington und Robert Pattinson in Tenet (Bild: Warner Bros.)

Das Ergebnis erinnert mich an die hölzerne Story-Präsentation von Videospielen wie dem Ur-Deus-Ex aus dem Jahr 2000. Dort hatte der Spielercharakter wenigstens noch einen richtigen Namen, die hier im Film von John David Washington gespielte Hauptfigur nennt sich selbst bezeichnenderweise einfach nur Der Protagonist.

So klatsche ich als Actionfan zwar begeistert, wenn Christopher Nolan vor der Kamera tatsächlich ein echtes Flugzeug in ein Gebäude rasen lässt, bin aber selbst am Rande des drohenden Weltuntergangs nie auf die Idee gekommen, dem namenlosen Helden von Tenet auch nur die Daumen zu drücken oder mir über den Abspann und diesen Artikel hinaus noch weiter Gedanken über seine Erlebnisse zu machen.

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 Tenet: Es sind Ödnisse
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WalterSobchak 06. Sep 2020

Ja natürlich. Nennt sich "suspension of disbelief"

WalterSobchak 06. Sep 2020

Gerade der Ton war, Nolan typisch, mal wieder unter aller Sau. An wichtigen Stellen kaum...

montis 05. Sep 2020

Ja, komplex ist der Film. Aber für mich eher auf die Art komplex, wie wenn man aus der...

psyemi 01. Sep 2020

Gibt viele Fans von Nolan genauso wie von anderen Regisseuren. Nur weil dir es egal ist...

dEEkAy 01. Sep 2020

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