• IT-Karriere:
  • Services:

Telemedizin: Neue Patienten für die Onlinepraxis

In Deutschland steht das Fernbehandlungsverbot vor dem Fall, so dass Ärzte auch neue Patienten online behandeln können. Mit der zunehmenden Verbreitung der Telemedizin könnten von IT-Konzernen wie Google unterstützte Firmen auf den deutschen Gesundheitsmarkt vordringen.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Röntgenbild auf dem Computer
Röntgenbild auf dem Computer (Bild: Joe Raedle/Getty Images)

In Deutschland wird in diesem Jahr voraussichtlich die Telemedizin liberalisiert - und damit könnte dem deutschen Gesundheitswesen ein scharfer Wettbewerb zwischen Startups und großen IT-Konzernen wie Google bevorstehen. "Der Vorstand der Bundesärztekammer wird den Delegierten des Deutschen Ärztetags in Erfurt im Mai eine Öffnung des sogenannten Fernbehandlungsverbots vorschlagen", sagte Franz Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telemedizin der Bundesärztekammer. Den Prüfauftrag dazu hatte der Ärztetag im vergangenen Jahr erteilt.

Stellenmarkt
  1. Hochschule Albstadt-Sigmaringen, Albstadt
  2. Erzbistum Paderborn, Hardehausen bei Warburg

Das Fernbehandlungsverbot besagt, dass Ärzte neue Patienten nur nach persönlichem Gespräch behandeln dürfen. Dementsprechend können Patienten sich nicht per Videosprechstunde von einem Arzt beraten lassen, bei dem sie zuvor noch nicht in Behandlung waren.

Vorbild für eine Lockerung ist Baden-Württemberg. Dort hat die Landesärztekammer zwei Modellprojekte genehmigt, mit denen Ärzte auch ihnen unbekannte Patienten online beraten dürfen. Der Hintergrund: In vielen ländlichen Regionen nähert sich die Mehrheit der niedergelassenen Ärzte dem Pensionsalter. Telemedizin könnte ein geeignetes Mittel sein, die Auswirkungen des in wenigen Jahren zu erwartenden Ärztemangels abzumildern.

Beteiligt an dem Modellversuch ist das Münchner Startup Teleclinic, das über seine gleichnamige App Videoberatung bei mehr als 200 Ärzten vermittelt. "Das ist ein wahnsinnig umkämpfter Markt", sagte Teleclinic-Mitgründer Patrick Palacin kürzlich bei einem Pressegespräch des US-Konzerns IBM. "Deutschland ist so ein bisschen hinten dran."

Die Blicke richten sich vor allem auf die Vereinigten Staaten: "In den USA sitzen mit Doctor on demand und MDLive zwei IT-gesponserte Mitbewerber von uns. In Doctor on Demand ist Google Ventures mit drin, bei MDLive ist es Microsoft", sagte Palacin. "Wir sind nicht blauäugig, wir schätzen: Drei bis fünf Jahre, und Google kommt hier rein."

Allerdings gibt es auch Hindernisse für die US-Konzerne. "Die Einzigartigkeit und Komplexität des deutschen Gesundheitswesens stellt eine hohe Eintrittshürde dar", sagte Felix Schirmann, Mediziner und Leiter des operativen Geschäfts beim Berliner Startup Patientus, einem Portal für Online-Sprechstunden.

Vertrauen die Patienten ihre Daten auch Google an?

Schirmanns Antwort auf die Frage, ob ausländische Unternehmen in der Telemedizin auf den deutschen Markt vorstoßen werden: "ein klares Jein." Abgesehen von der Komplexität des hiesigen Gesundheitswesens seien es die Patienten in den USA anders als in Deutschland gewohnt, für die Behandlung zu zahlen. "Ich glaube aber, dass die großen ausländischen Technologiekonzerne durchaus interessiert sind. Am Ende werden die Patienten buchstäblich mit dem Smartphone abstimmen."

Eine offene Frage ist, ob und inwieweit die Patienten in Deutschland willig sind, Krankheits- und Gesundheitsdaten mit großen IT-Konzernen zu teilen: "Ein wichtiger Aspekt wird ferner sein, wie die Patienten bei Plattformen von Internet-Anbietern das Thema Datenschutz in diesem besonders sensiblen Bereich beurteilen", sagte der Telemedizin-Experte Bartmann von der Bundesärztekammer.

Schirmann geht fest davon aus, dass das Fernbehandlungsverbot gelockert wird. Er erwartet aber nicht, dass es künftig reine Online-Ärzte geben wird:

"Videosprechstunden werden den traditionellen Arztbesuch ergänzen, aber nicht ersetzen."

In der Bundesärztekammer teilt Bartmann diese Einschätzung: "Die Einschränkung der Fernbehandlung gilt ausschließlich für Patienten, die zuvor keinen physischen Kontakt mit einem Arzt hatten." Deshalb sei auch kein sprunghafter Anstieg für Videosprechstunden nach Änderung der Berufsordnung zu erwarten. "Wichtiger als die abschließende Behandlung ist ohnehin die orientierende Beratung für Patienten."

Neben dem Fernbehandlungsverbot gibt es ein zweites Hemmnis für die deutsche Telemedizin: Ärzte können zwar seit vergangenem Jahr Bestandspatienten auch per Videosprechstunde beraten, aber diese Möglichkeit hat wegen niedriger Vergütung bislang keinen großen Widerhall in der Ärzteschaft gefunden.

"Seit Juli 2017 gibt es die Videosprechstunde als Kassenleistung, aber die Regelung hierzu bietet keinen Anreiz, sondern wirkt eher abschreckend", sagte Bartmann. Patientus-Manager Schirmann spricht sogar von einem "äußerst negativen Signal für die Telemedizin in Deutschland".

Nicht nur Ärzteschaft und Startup-Manager gehen davon aus, dass das Interesse der Bürger an der Telemedizin steigen wird. In der Politik ist die Kritik an der Vergütung angekommen. "Insgesamt ist damit zu rechnen, dass Patienten zunehmend auch ihren Arzt nach telemedizinischen Angeboten fragen", sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Für den Arzt könne die Telemedizin die Patientenbindung sogar stärken, für die Patienten ermögliche das größere Flexibilität. "Dies erfordert jedoch entsprechende Abrechnungsmöglichkeiten, für die ich mich auf Bundesebene weiterhin einsetzen werde", sagte Huml.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Top-Angebote
  1. 71,71€
  2. (u. a. Asus Zenbook 14 für 1.049,00€, Lenovo Ideapad 330 für 439,00€, MSI Trident 3 für 759...
  3. (u. a. Foscam Outdoor Netzwerk-Kamera für 69,90€, HP 15s Power Notebook für 629,00€, LG 27...
  4. 139,99€

cpt.dirk 05. Feb 2018

Ist klar - auf diese Weise wurde schon über viele Dinge "abgestimmt", deren...

_4ubi_ 05. Feb 2018

Stimmt, ist das bessere System. Lasst uns unser Gesundheitssystem komplett abschaffen...

TrollNo1 05. Feb 2018

Genau ein Mal, danach sind sie wieder in der Notaufnahme ;)

TrollNo1 05. Feb 2018

Dann solltest du auch vorher zum Arzt deiner Wahl gehen und danach zur Apotheke deiner...

DreiChinesenMit... 05. Feb 2018

Das mach ich schon öfters mal mit meinem Hausarzt Doktor Siri. Der überweist mich...


Folgen Sie uns
       


Golem Retro - Minikonsolen im Vergleich

Retro-Faktor, Steuerung, Emulationsqualität: Wir haben sieben Minikonsolen miteinander verglichen.

Golem Retro - Minikonsolen im Vergleich Video aufrufen
Threadripper 3970X/3960X im Test: AMD wird uneinholbar
Threadripper 3970X/3960X im Test
AMD wird uneinholbar

7-nm-Fertigung, Zen-2-Architektur und dank Chiplet-Design keine Scheduler-Probleme unter Windows 10: AMDs Threadripper v3 überzeugen auf voller Linie, die CPUs wie die Plattform. Intel hat im HEDT-Segment dem schlicht nichts entgegenzusetzen. Einzig Aufrüster dürften sich ärgern.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Via Technologies Centaur zeigt x86-Chip mit AI-Block
  2. Nuvia Apples Chip-Chefarchitekt gründet CPU-Startup
  3. Tiger Lake Intel bestätigt 10-nm-Desktop-CPUs

Mikrocontroller: Sensordaten mit Micro Python und ESP8266 auslesen
Mikrocontroller
Sensordaten mit Micro Python und ESP8266 auslesen

Python gilt als relativ einfach und ist die Sprache der Wahl in der Data Science und beim maschinellen Lernen. Aber die Sprache kann auch anders. Mithilfe von Micro Python können zum Beispiel Sensordaten ausgelesen werden. Ein kleines Elektronikprojekt ganz ohne Löten.
Eine Anleitung von Dirk Koller

  1. Programmiersprache Python verkürzt Release-Zyklus auf ein Jahr
  2. Programmiersprache Anfang 2020 ist endgültig Schluss für Python 2
  3. Micropython Das Pyboard D ist ein Steckbausatz für IoT-Bastler

Staupilot: Der Zulassungsstau löst sich langsam auf
Staupilot
Der Zulassungsstau löst sich langsam auf

Nach jahrelangen Verhandlungen soll es demnächst internationale Zulassungskriterien für hochautomatisierte Autos geben. Bei höheren Automatisierungsgraden strebt die Bundesregierung aber einen nationalen Alleingang an.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Autonomes Fahren Ermittler geben Testfahrerin Hauptschuld an Uber-Unfall
  2. Ermittlungsberichte Wie die Uber-Software den tödlichen Unfall begünstigte
  3. Firmentochter gegründet VW will in fünf Jahren autonom fahren

    •  /