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Telekommunikation: Webcams auf Schweizer Bergen werden deaktiviert

Weil Swisscom das 3G-Netz abschaltet, verschwinden populäre Webcams von Sendemasten. Ein Upgrade auf 4G/5G ist dem Konzern zu teuer.
/ Nils Matthiesen
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3G-Aus bedroht Schweizer Webcams (Bild: Swisscom / Screenshot Golem)
3G-Aus bedroht Schweizer Webcams Bild: Swisscom / Screenshot Golem

In den nächsten Tagen zieht der Schweizer Telekommunikationsriese Swisscom den Stecker beim 3G-Netz(öffnet im neuen Fenster) . Die technologische Modernisierung hat eine für Touristen und Hoteliers unangenehme Nebenwirkung: Zahlreiche populäre Panorama-Webcams an markanten Aussichtspunkten werden deaktiviert. Betroffen sind unter anderem die Standorte auf dem Chasseral, dem Mont Gibloux und dem Mont Pèlerin.

Für viele Schweizer und Touristen sind diese Kameras weit mehr als eine technische Spielerei. Sie dienen auch als Entscheidungshilfe für Ausflüge, um festzustellen, ob ein Berggipfel aus der für das Flachland typischen Nebeldecke ragt oder ob ausreichend Schnee für Wintersportaktivitäten liegt.

Hohe Kosten für 4G-Modernisierung

Der technische Grund für das Aus ist das Alter der Übertragungstechnik. Die installierten Kameras nutzen den über 20 Jahre alten 3G-Standard, der laut Swisscom mittlerweile obsolet ist. Um die Geräte weiterzubetreiben, müssten sie mit modernen 4G- oder 5G-Modulen nachgerüstet werden. Swisscom-Sprecherin Alicia Richon erklärte gegenüber dem Sender RTS(öffnet im neuen Fenster) , dass ein solches Upgrade für das Unternehmen nicht wirtschaftlich sei.

Bei den betroffenen Geräten handelt es sich oft um sogenannte Roundshot-Kameras, die in der Branche als Goldstandard unter den Webcams gelten. Eine Umrüstung pro Standort würde Kosten zwischen 2.000 und 3.000 Schweizer Franken verursachen. Da die Kameras auf den Sendemasten der Swisscom montiert sind, liegt die Entscheidung über den Verbleib primär beim Infrastrukturbetreiber.

Widerstand aus der Tourismusbranche

Die Pläne stoßen auf deutliche Kritik. Elias Vogt, Inhaber des Hôtel Restaurant Chasseral, betont die Bedeutung der Livebilder: Es ist ein wichtiger öffentlicher Dienst für Menschen, die wissen wollen, wie das Wetter auf dem Chasseral ist. Für seinen Betrieb sei die Kamera ein essenzielles Marketing- und Informationstool.

Es gibt jedoch Hoffnung für einige Standorte. Laut Swisscom haben sich bereits potenzielle Partner gemeldet, die bereit wären, in die Modernisierung einzelner Kameras zu investieren, um den Betrieb zu sichern. Sollte keine Einigung mit dem Telekommunikationskonzern zustande kommen, planen betroffene Akteure bereits Alternativen. Vogt kündigte an, im Zweifelsfall eine eigene Kamera direkt am Hotel zu installieren, um die Abhängigkeit von der Swisscom-Infrastruktur zu beenden. Damit dürfte die Wetterprüfung für Wanderer in der nächsten Saison zumindest an einigen Orten gesichert bleiben.


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