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Telekom, Vodafone und Telefónica: Neues Joint Venture will Werbung mit Kundendaten verkaufen

Die Konkurrenten Deutsche Telekom , Orange, Telefónica und Vodafone wollen gemeinsam ihre Kundendaten für Werbezwecke vermarkten. Laut den Konzernen geht es um eine Nachfolge des Cookies.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Achim Sawall
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Telekom Logo, Konzernzentrale in Bonn (Bild: Deutsche Telekom/Norbert Ittermann)
Telekom Logo, Konzernzentrale in Bonn Bild: Deutsche Telekom/Norbert Ittermann

Die führenden europäischen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Orange, Telefónica und Vodafone wollen gemeinsam mit Werbung, die auf Kundendaten beruht, Geld verdienen. Das geht aus einer Einreichung der vier Konzerne bei der Europäischen Kommission hervor, über die das Onlinemagazin Videoweek berichtet(öffnet im neuen Fenster) . Dazu will man ein Ad-Tech Joint Venture gründen.

Die Unternehmen wollen damit eine Alternative zu den US-Konzernen schaffen, die derzeit das Onlinewerbegeschäft weltweit dominieren. Laut den Angaben würde das Joint Venture "einen sicheren, pseudonymisierten Token verwalten, der von einer gehashten/verschlüsselten pseudonymen internen Identität abgeleitet wird, die mit dem Konto eines Nutzers verknüpft ist, das von teilnehmenden Netzwerkbetreibern bereitgestellt wird" .

Diese ID würde laut den Angaben keine persönlich identifizierbaren Informationen preisgeben. Telekommunikationskunden könnten auf einer Onlineplattform nachsehen, welche Firmen ihre Daten erhalten, und diese gegebenenfalls sperren. Die Telekom argumentiert, dass man "mit Zustimmung der Kundinnen und Kunden einen nicht nachzuverfolgenden Hashwert aus etwa Telefonnummer und Gerätenummer" bilden würde. Zudem könne die ID nur dann erstellt werden, wenn der Nutzer vorher seine Einwilligung erteilt habe.

"Die führenden europäischen Netzbetreiber planen eine technische Plattform, die auch nach dem offiziellen Aus der Cookies personalisierte Werbung ermöglicht. Die Technik basiert auf Tokens, die keine direkt identifizierbaren persönlichen Daten enthalten. Diese Tokens haben eine begrenzte Lebensdauer und sind spezifisch für einzelne Werbetreibende, Verlage und für jedes Webportal, wo sie eingesetzt werden" , sagte Telekom-Sprecher Christian Fischer. Es gehe um die Frage, was nach dem Cookie kommt, nicht um eine neue Art von Cookie.

Das Joint Venture würde vermutlich auf den Grundlagen aufbauen, die bereits von Trustpid gelegt wurden, einem im vergangenen Jahr in Deutschland von Vodafone und der Deutschen Telekom durchgeführten Testprojekt. Der Testversuch wurde in Deutschland gemeinsam mit der Plattform Bild.de des Axel-Springer-Verlags durchgeführt. Der Provider Telefónica wollte mit seiner Marke Movistar das Konzept in Spanien testen. Auch der französische Netzbetreiber Orange war angeblich beteiligt. Damit waren offenbar alle bei dem Ad-Tech Joint Venture genannten Konzerne involviert.

Trustpid: Cookies ablehnen hilft nicht mehr

Laut den Datenschutzhinweisen, die Vodafone auf der Website Trustpid.com veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) , werden die Mobilfunknummer der Nutzer und die IP-Adresse verwendet, um eine pseudonyme Kennung zu generieren, berichtete Golem.de im Juni 2022. Auf dieser Grundlage wird eine "eindeutige Netzwerkkennung" mit der Bezeichnung Trustpid als Pseudonym erzeugt.

Trustpid wird genutzt, um weitere temporäre Marketingkennungen für die Websites zu erstellen, die von den Nutzern besucht werden. Über diese Kennungen sollen Werbetreibende personalisiertes Onlinemarketing anbieten oder - nicht weiter bezeichnete - Analysen durchführen können. Diese Marketingkennungen werden nach maximal 90 Tagen gelöscht. Kunden können das Auslesen von Daten zu bestimmten Internetadressen anders als bei Cookies nicht mehr gezielt unterbinden. Auch ein Wechsel der eigenen IP-Adresse verschleiert nichts mehr.

Nachtrag vom 13. Januar 2023, 12:00 Uhr

Wir haben eine Stellungnahme der Telekom erhalten und die Meldung entsprechend angepasst.


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