Telekom: VATM wolle FTTH-Ausbau wegen der Kabelnetzbetreiber bremsen

Die Deutsche Telekom wehrt sich gegen Kritiken des Branchenverbands VATM an ihrem Glasfaserausbau. Telekom-Sprecherin Nicole Schmidt sagte Golem.de am 15. Mai 2024 auf Anfrage, der VATM setze "seine Kampagne gegen den Glasfaserausbau der Telekom mit falschen Behauptungen und in aggressivem Tonfall unbeirrt fort." Der VATM wolle den Glasfaserausbau der Telekom im Interesse der Kabelnetzbetreiber ausbremsen.
Da die Telekom Haushalte mit Homes Passed ausbaue, gehe es "vornehmlich um Handtuchwerfen zur Investitionsverdrängung und einer lukrativeren Weiterversorgung mit Kupfer DSL" , heißt es in Gigabitstudie von Dialog Consult(öffnet im neuen Fenster) für den VATM. Der Glasfaserausbau erfolgt stufenweise: zuerst Homes Passed, dann Homes Connected und anschließend Homes Activated. Bei Homes Connected ist eine Glasfaser mit Hausanschluss installiert, aber es besteht noch kein Nutzungsvertrag.
Marktzahlen und Entwicklungen würden "so gedreht, damit sie in die eigene Story passen. Das ist unseriös und unlauter. Damit wird der ganzen Branche und ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit geschadet. Damit schadet der Verband seinen eigenen Mitgliedsunternehmen, deren Investoren und dem Standort Deutschland insgesamt" , erklärte Schmidt.
FTTH: Vermarktungsquote der Telekom ist niedriger
Es sei angesichts der "hohen Investitionssummen, der enormen Ausbaumengen, der intensiven Vermarktungsaktivitäten und der zuletzt deutlich gestiegenen Take-up-Rate völlig absurd, der Telekom die Ernsthaftigkeit des Glasfaserausbaus abzusprechen" , betonte Schmidt. D er zweitgrößte FTTH-Betreiber Deutsche Glasfaser erreicht eine Take-Up-Quote von über 30 Prozent, während die Telekom nach eigenen Angaben auf "über 15 Prozent" kommt.
Schmidt sagte: "Das eigentliche Ziel des VATM ist es, die Telekom auszubremsen und den Wettbewerbern unregulierte Monopole bei Glasfaser zu ermöglichen sowie eine Konkurrenz zum Kupfer-Koaxialnetz durch leistungsfähigere Glasfaseranschlüsse der Telekom zu verhindern." Ein wichtiges Mitglied im VATM ist der Kabelnetzbetreiber Vodafone.
8,2 Millionen Haushalte haben laut Schmidt derzeit die Möglichkeit, einen Glasfaseranschluss der Telekom zu buchen und zu nutzen. "Mehr als eine Million Kundinnen und Kunden tun dies auch bereits. Glasfaserausbau ist teuer, daher ist es in unserem eigenen Interesse, weiterhin auch möglichst schnell viele neue Glasfaserkunden zu gewinnen" , erklärte sie. Telekom-Finanzchef Christian Illek hatte Ende Februar 2024 eingeräumt , dass die Vermarktung der eigenen Glasfaseranschlüsse nicht die allerhöchste Priorität für den Netzbetreiber habe. Illek sagte: "Am Ende des Tages ist für mich das einzig Entscheidende, ob sich die Kunden für die Deutsche Telekom entscheiden. Und wenn sie sagen, mir reicht auch ein Vectoring-Anschluss in meiner Umgebung, Hauptsache, sie sind bei uns auf dem Netz."



