Telekom Netzgeschichten Talk: "Netzneutralität ist überholt"

Die Telekom hat in einer Talkrunde eine Europaabgeordenete und Experten versammmelt, die die Netzneutralität aus ökonomischen und ökologischen Gründen angreifen.

Artikel veröffentlicht am ,
Brent Goff, Angelika Niebler, Simon Hinterholzer und Roslyn Layton (v. l. n. r. im Uhrzeigersinn)
Brent Goff, Angelika Niebler, Simon Hinterholzer und Roslyn Layton (v. l. n. r. im Uhrzeigersinn) (Bild: Deutsche Telekom)

Es sei Aufgabe des Gesetzgebers, einzugreifen und die großen Internetunternehmen an den Netzausbaukosten zu beteiligen. Das sagte die Europaparlamentarierin Angelika Niebler (CSU) auf der Veranstaltung der Deutschen Telekom Netzgeschichten Talk (Video). "Kommerzielle Fairness" sei ein wichtiges Thema, das künftig in den Mittelpunkt rücken müsse. In die Diskussionsrunde hatte die Telekom nur Experten und Politiker eingeladen, die die Netzneutralität aus verschiedenen Blickwinkeln hinterfragen.

Stellenmarkt
  1. Team Leader IT Security (m/w/d)
    BHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH, Weiherhammer
  2. IT-Anwendungsbetreuer (m/w/d) Krankenhausträgergesellscha- ft
    Knappschaft Kliniken Service GmbH, Gelsenkirchen
Detailsuche

Es sei jedem klar, dass flächendeckende Glasfaser- und 5G-Netze viel Geld kosteten. Deshalb, sagte Niebler, sei es umso wichtiger, zu hinterfragen, wer den Netzausbau sicherstelle und bezahle. Eine faire Kostenaufteilung spiele überall eine wichtige Rolle: Beispielsweise müssten Airlines ja auch für Start- und Landerechte an Flughäfen bezahlen.

Im Netz entfällt heute bis zu 80 Prozent des Datenverkehrs auf nur fünf große Internetunternehmen. Roslyn Layton von der Aalborg University Kopenhagen sagte, heute seien Entertainment und Videostreaming die mit Abstand populärsten Anwendungen, die auch den Hauptanteil der Kapazitäten in den Netzen beanspruchten.

Zwar investierten große Internetkonzerne in ihre Rechenzentren und Content Delivery Networks (CDNs), trügen aber darüber hinaus nichts zum Netzausbau bei. Layton erinnerte daran, dass Netflix in den Zeiten, als das Unternehmen noch DVDs per Post verschickte, Porto für den Versand bezahlt, die Zahlungspflicht an den US Postal Service aber nie in Frage gestellt habe. Heute würden die Kosten für die Übertragung der Filme auf die Telekommunikationsunternehmen abgewälzt. Was Layton unerwähnt ließ, ist, das Google und Facebook an vielen Seekabelprojekten beteiligt sind.

Gesetzgeber soll Netzneutralität aufgeben

Golem Akademie
  1. CEH Certified Ethical Hacker v11: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    21.–25. Februar 2022, Virtuell
  2. Hands-on C# Programmierung: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    9.–10. Februar 2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Simon Hinterholzer vom Borderstep Institut schätzte, dass Rechenzentren inklusive Herstellung jährlich 200 bis 250 Megatonnen CO2-Äquivalente emittieren. Der Stromverbrauch der Rechenzentren der Hyperscaler stelle bereits heute vielerorts eine enorme Herausforderung für die Stromversorgung dar.

Niebler wies darauf hin, dass die Europäische Union mit dem Fit-for-55-Paket und dem Europäischen Emissionshandel (EU-ETS) den klima- und energiepolitischen Rahmen gesetzt habe. Angesichts der dynamischen Entwicklung könne die Digitalbranche künftig in Brüssel stärker in den Fokus rücken, als dies bislang der Fall sei.

Die Regeln zur gleichberechtigten Übertragung von Daten und zum diskriminierungsfreien Netzzugang (Netzneutralität) seien überholt, sagte Layton: Sie stammten aus einer Zeit, in der noch nicht absehbar war, dass das Netz von einer Handvoll großer Internetunternehmen mit ihren Videoinhalten dominiert werden würde.

Deshalb sei es höchste Zeit, das Regelwerk zu modernisieren und den neuen Marktrealitäten anzupassen. Konkret bedeute dies, dass zuständige Behörden angemessene Transitpreise für die Verkehrsabwicklung festsetzten oder als "Schiedsrichter" sicherstellten, dass Breitband- und Inhalteanbieter auf Augenhöhe miteinander verhandeln.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


jsonn 17. Jan 2022 / Themenstart

Korrekt, es ist nicht nur die Telekom. Auch z.B. die amerikanischen Kabelnetzbetreiber...

Kakiss 17. Jan 2022 / Themenstart

Es ist schon recht erstaunlich, wie offen die CXU-Menschen mit ihren Lobbyisten vor die...

marvin_42 17. Jan 2022 / Themenstart

... zu solchen Empfehlungen? Wo "Liberalisierung" bei Netzwerkindustrien funktioniert...

TheBlueFire 17. Jan 2022 / Themenstart

Es gibt einfach das Hobby einiger, dass man die Telekom gerne kritisiert. Das ist...

TheBlueFire 16. Jan 2022 / Themenstart

Es ist ja bestimmt klar dass die Deutsche Telekom die meiste Glas Faser in Deutschland...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Bundesservice Telekommunikation  
Ist eine scheinexistente Behörde für Wikipedia relevant?

Die IT-Sicherheitsexpertin Lilith Wittmann hat eine dubiose Bundesbehörde ohne Budget entdeckt. Reicht das für einen Wikipedia-Artikel?

Bundesservice Telekommunikation: Ist eine scheinexistente Behörde für Wikipedia relevant?
Artikel
  1. Elektroauto: VW e-Up ab Mitte Februar wieder bestellbar
    Elektroauto
    VW e-Up ab Mitte Februar wieder bestellbar

    Der e-Up gehörte 2021 zu den meistgekauften Elektroautos. Nun will VW den Kleinwagen wieder verfügbar machen.

  2. Bitcoin, Ethereum: Was steuerlich bei Kryptowährungen gilt
    Bitcoin, Ethereum
    Was steuerlich bei Kryptowährungen gilt

    Kryptowährungen wie Bitcoin sind unter Anlegern beliebt - doch wie muss man die Gewinne eigentlich versteuern?

  3. Neues Geschäftsmodell: Luca-App plant flexible Abos und will Preise senken
    Neues Geschäftsmodell
    Luca-App plant flexible Abos und will Preise senken

    Angesichts drohender Kündigungen will die Luca-App den Bundesländern entgegenkommen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Bosch Professional zu Bestpreisen • WSV bei MediaMarkt • Asus Vivobook Flip 14" 8GB 512GB SSD 567€ • Philips OLED 65" Ambilight 1.699€ • RX 6900 16GB 1.489€ • Samsung QLED-TVs günstiger • Asus Gaming-Notebook 17“ R9 RTX3060 1.599€ • Seagate 20TB SATA HDD [Werbung]
    •  /