Telekom: Höhere Tiefbaukosten verteuern Preis für letzte Meile

Die Deutsche Telekom soll deutlich mehr Geld für die Nutzung ihrer Kupferleitungen verlangen dürfen. Die Konkurrenz sieht darin ein Millionengeschenk an die Telekom.

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Hauptverteiler
Hauptverteiler (Bild: Alex456601/CC-BY-SA 4.0)

Die Deutsche Telekom soll künftig für die Bereitstellung der Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) deutlich mehr Geld verlangen dürfen. Nach dem Vorschlag der Bundesnetzagentur soll vom 1. Juli 2019 an der Preis für die Anmietung der Leitung vom Hauptverteiler zum Kunden (HVt-TAL) von derzeit 10,02 Euro auf 11,19 Euro steigen. Das entspräche einem Anstieg von fast zwölf Prozent. Der Preis für den Anschluss ab Kabelverzweiger (KVz-TAL), den grauen Verteilerkästen am Straßenrand, soll um vier Prozent von 6,77 Euro auf 7,05 Euro steigen.

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Seit 1999 ist der Preis für die Bereitstellung der HVz-TAL kontinuierlich von 12,99 Euro auf derzeit 10,02 Euro gesunken. Der neuerliche Anstieg erklärt sich jedoch aus der Berechnungsmethode, die auf den Kosten für den hypothetischen Neubau der Leitungen basiert. Laut Konsultationsentwurf (PDF) machte die Deutsche Telekom in ihrem Antrag die "erheblich gestiegenen" Tiefbaupreise geltend. Sie verweist auf einen Anstieg bei den durchschnittlichen Baukosten pro Meter in den vergangenen beiden Jahren um 33 Prozent, bei einzelnen Glasfaserprojekten (FTTH/B) um 50 Prozent und mehr. Zudem seien "von steigenden TAL-Preisen positive Auswirkungen auf den Breitbandausbau insgesamt sowie die Migration von Endkunden und Vorleistungsnachfragern auf Produkte mit hohen Übertragungsraten zu erwarten".

60 Millionen Euro mehr für die Telekom

Letzteres hatte auch eine Studie des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) ergeben, die im November 2016 vorgestellt wurde. Laut den darin vorgenommenen Modellrechnungen stimuliert eine Erhöhung der Miete für die letzte Meile um einen Euro die Nachfrage der Haushalte nach glasfaserbasiertem Breitbandinternet EU-weit (EU 27) um 1,5 Prozent. Die Telekom-Konkurrenz hält diese Studie aber für "nicht geeignet, die Notwendigkeit einer Entgeltsteigerung zu untermauern". So sei lediglich festgestellt worden, dass in Abhängigkeit vom Einzelfall höhere TAL-Entgelte zu einem verstärkten FTTH-Ausbau führen könnten, zugleich aber auch das Gegenteil möglich sei.

Nach Darstellung des VATM sichert der Vorschlag der Telekom zusätzliche Einnahmen in Höhe von 60 Millionen Euro pro Jahr. Diese Summe werde dem wettbewerblichen Gesamtmarkt für den Glasfaserausbau entzogen, "ohne dass dem auf Seiten der Telekom irgendwelche realen Mehrkosten entgegenstehen", sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Laut VATM erhält die Telekom künftig jährliche Einnahmen durch die TAL-Vermietung in Höhe von 650 Millionen Euro.

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Neben den TAL-Preisen schlug die Bundesnetzagentur noch weitere Entgelthöhen vor. Sofern Wettbewerber für die Anbindung eines Kabelverzweigers auf ein Kabelleerrohr der Telekom zurückgreifen, sollen sie dafür monatlich 0,06 Euro pro Meter eines Viertelrohres statt bisher 0,04 Euro zahlen. Die Anbindung eines Kabelverzweigers mit unbeschalteter Glasfaser soll künftig 13,61 Euro im Monat kosten. Bislang lag der Preis bei 46,76 Euro. Das monatliche Überlassungsentgelt für einen Einbauplatz in einem Multifunktionsgehäuse soll künftig 86,91 Euro betragen statt bisher 90,14 Euro.

Interessierte Parteien können demnach bis 24. April 2019 Stellung zu dem Vorschlag nehmen. Anschließend werden die Entwürfe der Europäischen Kommission, dem Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (GEREK) und den nationalen Regulierungsbehörden der übrigen EU-Mitgliedstaaten übermittelt. Sollte es keine Einwände geben, gelten die neuen Preise vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2022.

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