Telekom-Chef Tim Höttges: Mobilfunk von SpaceX soll für Telekom keine Bedrohung sein
Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges sieht keine Bedrohung durch ein direkt angekündigtes terrestrisches Mobilfunknetz von SpaceX in den USA. Das Mobilfunkangebot von SpaceX für Smartphones gelte "als eine Ergänzung für unseren Service, aber wir sehen es nicht als eine Kannibalisierung oder eine Substitution unseres Geschäftes an."
Es gebe ein Interesse an Partnerschaften mit Satellitenbetreibern, aber keine Existenzsorgen wegen der Ankündigung von SpaceX, "das zeigen ja unsere Zahlen, das ist nicht der Fall", betonte Höttges am 6. August 2026 nach Bekanntgabe der Quartalszahlen.
Die großen Mobilfunkbetreiber decken 70 bis 75 Prozent der Landmasse der USA ab, daher besteht dort ein anderer Bedarf an zusätzlicher Versorgung. Satelliten seien eine interessante komplementäre Technologie.
"Wir haben Gebiete, gerade in den USA, wo es keine terrestrische Versorgung gibt. Da ist für uns die Satellitenversorgung eindeutig eine Ergänzung und wir haben auch Deals gemacht mit SpaceX, sowohl was die Gen 1 betrifft in Amerika, als auch was Gen 2 betrifft für Europa, um unseren Kunden diese Möglichkeit auf Direct-to-Device zu gewährleisten", sagte Höttges.
Starlink hat mit Direct-to-Device eine geringe Kapazität
Während Starlink von SpaceX für ländliche Gebiete "definitiv eine Alternative für zusätzliche Versorgung" sei, sehe Höttges dies für die Städte nicht. Tatsächlich hat Starlink mit Direct-to-Device nur eine Kapazität, die SMS und Sprachtelefonie bieten kann. Im Durchschnitt dauerte das Senden und Empfangen einer Nachricht noch 1 Minute und 17 Sekunden.
Bei Fahrtests von Rootmetrics (einer Ookla-Tochter) in New York lag die Erfolgsquote für den SMS-Versand bei etwa 60 Prozent. Die meisten aktuellen Verbindungen können lediglich "einige Bytes" übertragen.
Technisch funktioniert Mobilfunk aus dem All eingeschränkt: Bei dem langen Signalweg der Starlink-Satelliten zur Erde geht sehr viel Energie verloren. Die Signalstärke nimmt im Quadrat zur Entfernung ab. Dadurch funktioniert Satellitenmobilfunk nur unter freiem Himmel zuverlässig, in Gebäuden teils gar nicht.
Bei gleicher Frequenzbandbreite lassen sich weniger Daten übertragen. An diesen physikalischen Gesetzen können auch die Sprüche von Konzernchef Elon Musk und seiner Top-Managerin nichts ändern.
D2D kommt kaum in Innenräume
Höttges betonte: "Wir haben in Amerika bei T-Mobile 385 MHz an Spektrum. Das heißt also, hier haben wir einen riesigen Kapazitätsvorstrom. Zweitens, die Entfernung von der Erde zum Satelliten und zurück ist immer noch größer als von der Antenne, die irgendwo in der Regel im Radius von maximal vier Kilometern entfernt ist."
Die Ambitionen von SpaceX, einen terrestrischen Mobilfunkdienst aufzubauen, haben Investoren im US-Mobilfunksektor dennoch aufgeschreckt; das Unternehmen skizzierte Pläne, die Starlink langfristig in direkte Konkurrenz zu den Branchengrößen Verizon, AT&T und T-Mobile US bringen könnten. SpaceX erwarb im vergangenen Jahr von Echostar Lizenzen für Mobilfunkfrequenzen im Umfang von 65 Megahertz.
"Das von Echostar erworbene Frequenzspektrum umfasst auch terrestrische Komponenten; wir haben also definitiv vor, eine terrestrische Infrastruktur aufzubauen", erklärte SpaceX-President Gwynne Shotwell am 4. August 2026 nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen. Shotwell kündigte an, das Unternehmen werde die nötige Infrastruktur schaffen, um Starlink zu einem "echten Mobilfunkdienst" zu machen, und wolle "eine Reihe" von Kunden der drei großen Mobilfunkanbieter abwerben.
Zu dem Thema hatte es immer wieder Andeutungen von SpaceX gegeben. Dies war die bislang deutlichste Aussage dazu, dass SpaceX sein Satellitennetzwerk mit bodengebundener Infrastruktur kombinieren will, um ein breiteres Mobilfunkangebot zu schaffen – und damit über den aktuellen Direct-to-Device-Dienst für Gebiete ohne Mobilfunkabdeckung hinauszuwachsen. Die Aktien von Verizon, AT&T und T-Mobile gaben an dem Tag um 1 bis 2,4 Prozent nach.
SpaceX braucht eine Partnerschaft
"Sofern Starlink keine MVNO-Vereinbarung (Mobile Virtual Network Operator) mit einem der Mobilfunkanbieter schließen kann, die eine grundlegende Netzabdeckung gewährleisten würde, ist es schwierig vorstellbar, dass Starlink in den nächsten fünf Jahren einen Direktkundendienst anbietet, der mit den Angeboten der etablierten Mobilfunkanbieter konkurrieren kann", sagte Craig Moffett von MoffettNathanson.
"Es ergibt für SpaceX keinen Sinn, zu versuchen, mit 65 MHz Bandbreite das nachzuahmen, was terrestrische Anbieter über 30 Jahre hinweg mit insgesamt 1000 MHz aufgebaut haben", sagte David Barden von New Street Research.
- Anzeige Hier geht es zu den besten Deals auf Mobilfunk, Internet und mehr bei der Telekom Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.