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Telekom-Chef: "Naiv, technisch unrealistisch und absolut unmöglich"

Bundesinnenministerin Nancy Faeser will Huawei-Technik in kurzer Zeit austauschen lassen. Telekom -Chef Tim Höttges erklärt, was das bedeutet.
/ Achim Sawall
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Die Telekom würde ihr gutes 5G-Netz gerne behalten und weiter ausbauen. (Bild: Deutsche Telekom)
Die Telekom würde ihr gutes 5G-Netz gerne behalten und weiter ausbauen. Bild: Deutsche Telekom

Das Bundesinnenministerium will Huawei-Antennen schnell aus dem Mobilfunknetz ausbauen lassen, weil sie eine Sicherheitsbedrohung seien. Solche politischen Forderungen seien "naiv, technisch unrealistisch und absolut unmöglich" , erklärte Telekom-Chef Tim Höttges der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)(öffnet im neuen Fenster) .

Die Technik von Mobilfunkantennen auf den Dächern sei keine sicherheitsrelevante Komponente. Höttges: "In meinen Augen ist sie das nicht." Das entspricht auch der geltenden Rechtslage.

Forderungen aus der Politik, in zwei Jahren alle Antennen auszuwechseln, zeugten "von einem völligen Unverständnis über die technische Komplexität, über die wir hier reden. England, das ja entschieden hat, dass es sich unabhängig macht von chinesischen Herstellern, hat gerade den Migrationsprozess von acht Jahren auf zehn Jahre erweitert aufgrund der Komplikationen" , sagte Höttges.

Dem will die Telekom entgehen, indem die Steuerungssoftware der 5G-Antennen von Huawei ersetzt wird. Das erklärten informierte Branchenkreise Golem.de bereits Mitte August 2023 . Offenbar will die Telekom die Software selbst entwickeln, Huawei muss dafür seine Schnittstellen offenlegen.

Für die Telekom heißt Open RAN inzwischen, Mobilfunkantennen etablierter Hersteller mit eigener Steuerungssoftware zu betreiben. Höttges sagte, Open-RAN-Technologie bedeute, dass die Telekom, "wenn wir noch ein bis zwei Jahre weiter sind, jede Antenne, egal von welchem Hersteller aus Japan, Südkorea, China oder aus Europa beliebig auf die Antennenträger bringen" werde. Die Steuerung übernehme dann die Telekom mit "ihren eigenen Zertifikaten, mit ihren eigenen Leuten" .

5G-Netze würden weit zurückgeworfen

Höttges sagte der FAZ: "Die Open-RAN-Technologie ist für uns die Souveränität und macht uns unabhängig. Ob es aber klug wäre, Antennen jetzt abzureißen und moderne Antennen durch einen europäischen Hersteller zu ersetzen, wage ich zu bezweifeln." Dies würde enorm viel kosten und den Ausbau der 5G-Technologie und die Modernisierung wieder zurückwerfen.

Gegenwärtig betreibt die Telekom die Steuerungssoftware von Huawei und anderen Ausrüstern im "Radio" selbst: "Alles, was mit Information und Software zu tun hat, ist heute schon in der Hoheit der Deutschen Telekom" , betonte Höttges. Die Telekom hatte Befürchtung zurückgewiesen, dass sie nicht in der Lage sei, die Network Management Software (NMS) von Huawei im 5G-Mobilfunknetz sicher zu betreiben.

Open RAN bedeutet eigentlich White-Box-x86-Hardware, Cloud, virtualisierte Netzwerkelemente, Software zur Integration und standardisierte Schnittstellen. Auf proprietäre, hochentwickelte Chips der Ausrüster und die entsprechende Software soll eigentlich verzichtet werden, weshalb man nicht auf dem aktuellsten Stand der Technik ist, besonders was Energieeffizienz und Leistung anbelangt.

Das Huawei-Verbotsszenario läuft auf Druck der USA, die seit Jahren einen Handelskrieg um Technologie mit China und Huawei führen. Zugleich sind viele Open-RAN-Anbieter in den USA beheimatet.


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