Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Netzausbau: Telekom-Chef nennt 1&1-Mobilfunknetz "riesiges Funkloch"

Die Telekom würde gerne mehr Gigabit-Frequenzen einsetzen. Doch diese liegen bei 1&1 und würden kaum genutzt, kritisiert Tim Höttges .
/ Achim Sawall
11 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Telekom-Chef Tim Höttges antwortet am 10. April 2024 auf Fragen von Aktionären. (Bild: Deutsche Telekom/Screenshot Golem.de)
Telekom-Chef Tim Höttges antwortet am 10. April 2024 auf Fragen von Aktionären. Bild: Deutsche Telekom/Screenshot Golem.de

Der Vorstandschef der Deutschen Telekom, Tim Höttges, hat auf der Hauptversammlung des Konzerns den mangelnden Netzausbau von 1&1 angegriffen. Der neue Netzbetreiber besitze viele Frequenzen, nutze sie aber praktisch nicht, sagte Höttges am 10. April 2024 in Bonn(öffnet im neuen Fenster) . Das Mobilfunknetz von 1&1 sei "ein riesiges Funkloch" .

Tatsächlich hatte 1&1 Ende vergangenen Jahres nur 243 Basisstationen, Ende des ersten Quartals erreichte man rund 600. Doch davon waren nur 200 bereits an Glasfaser angeschlossen und funktionierten. 1&1 ist ansonsten komplett auf das Roaming im Netz der Telefónica und künftig bei Vodafone angewiesen, wird aber nicht müde, sich selbst für das modernste Mobilfunknetz zu loben.

Zudem scheint es Probleme mit dem bisherigen Generalunternehmen Rakuten für das Open-RAN-Netz von 1&1 zu geben. 1&1 hatte am 13. März 2024 erklärt, dass Rakuten nicht mehr Generalunternehmer sei und nachträglich eine ältere Pressemitteilung zu dem Thema geändert. Rakuten-Sprecher Johan Villet in Japan reagierte auf Nachfrage von Golem.de irritiert, wollte dies mit dem Partner in Deutschland klären und sich schnell zurückmelden. Doch seitdem schweigt Rakuten beharrlich.

Höttges: 1&1 nutzt kostbares Spektrum nicht

Höttges betonte: "Dass wir jetzt in Deutschland wieder mit Unterstützung der Politik, wieder mit Unterstützung durch asymmetrische Privilegien, einen vierten Mobilfunkoperator bekommen, nämlich 1&1, halten wir für falsch." Dadurch werde keine einzige Antenne mehr gebaut und Technologie eingesetzt, sagte er.

1&1 besitzt zwei 20-MHz-Blöcke bei 2 GHz und 50 MHz im Bereich 3,6 GHz. Zudem forderte 1&1-Firmenchef Ralph Dommermuth wiederholt eigene Low-Band-Frequenzen im 800-MHz-Bereich. Zum Ende des Jahres 2025 laufen Frequenznutzungsrechte in den Bereichen 800 MHz, 1.800 MHz und 2,6 GHz aus, die gegenwärtig vor allem für LTE genutzt werden.

Höttges kritisierte, dass so "teures Spektrum, was wir erwerben würden, jetzt noch knapper" werde. 1&1 würde dieses Spektrum noch nicht für Kunden nutzen. "Es wird ihnen ganz im Gegenteil vorbehalten, weil das Netz nicht steht." Er sei gespannt, ob 1&1 wirklich eine Infrastruktur in Deutschland errichten wird, sprach Höttges aus, was sich viele in der Branche fragen.


Relevante Themen