Botnetz: Telekom-Routerausfälle waren nur Kollateralschaden
Kunden der Telekom müssen seit Montag mit einigen Ausfällen kämpfen. Verantwortlich ist wohl ein Botnetz, das auf dem Code von Mirai basiert. Allerdings waren die Telekom-Router dabei nicht direkt Opfer des Botnetzes. Das zeigt eine Analyse von Ralph-Philipp Weinmann von der Firma Comsecuris(öffnet im neuen Fenster).
Botnetz durch Sicherheitslücke in Fernwartungsinterface
In den vergangenen Tagen verbreitete sich massenhaft eine Malware, die eine Sicherheitslücke in der Implementierung der Fernwartungsschnittstellen TR-064 und TR-069 ausnutzte. Diese ließ das Ausführen von beliebigen Linux-Kommandos aus der Ferne zu, die auf dem Routerbetriebssystem ausgeführt werden.
Zwar unterstützen die betroffenen Speedport-Router der Telekom ebenfalls TR-069, einen Service, der auf dem Netzwerkport 7547 läuft. Doch auf den betroffenen Routermodellen – beispielsweise dem Speedport W921V – läuft laut Comsecuris überhaupt kein Linux-System, sondern das Embedded-Betriebssystem RTOS. Damit ist das Einschleusen von Linux-Kommandozeilenbefehlen logischerweise auch nicht möglich. Die Speedport-Router werden von der Telekom nicht selbst produziert, verantwortlich dafür ist bei den betroffenen Modellen die taiwanesische Firma Arcadyan.
Angriffsversuche legen Speedport-Router lahm
Comsecuris konnte beobachten, dass die Router Netzwerkverbindungen verweigerten, nachdem mehrere Angriffsversuche des Mirai-Botnetzes auf dem Router eingegangen waren. Offenbar gibt es auf den Geräten also einen Bug, der dazu führt, dass das Netzwerkrouting auf den Speedport-Geräten durch die Angriffsversuche nicht mehr funktionieren.
Zwar sind die betroffenen Speedport-Geräte von der Script-Injection-Lücke, die das Mirai-Botnetz ausnutzt, nicht betroffen, jedoch schreibt Comsecuris, dass es andere Sicherheitslücken in den Routern gefunden habe. Die Details dazu habe das Unternehmen der Telekom mitgeteilt.
Mirai-Botnetz nutzt Script-Injection-Lücke
Die Sicherheitslücke, die für das Botnetz verantwortlich ist, wurde am 7. November erstmals für einen vom irischen ISP Eir eingesetzten Router beschrieben(öffnet im neuen Fenster). Allerdings scheint dieselbe Lücke in einer ganzen Reihe von Geräten vorhanden zu sein, nicht jedoch wie zunächst angenommen in den Speedport-Routern der Telekom.
Fernwartungsprotokoll ohne Authentifizierung
Auf Port 7547 lauscht auf diesen Routern ein Webserver, der die beiden Protokolle TR-069 und TR-064 implementiert. TR-069 ist ein Fernwartungsprotokoll, mit dem Internet-Service-Provider Einstellungen an den Routern ihrer Kunden vornehmen können. Das Protokoll TR-064 ist eigentlich nur für die Konfiguration von Geräten in lokalen Netzwerken vorgesehen. Dass es auf einem vom Internet aus zugänglichen Port aktiviert ist, ist auf jeden Fall ein Fehler. Befehle für diese Protokolle werden als HTTP-POST-Request mittels eines SOAP-Datenformats gesendet.
Im Fall der betroffenen Router kann man TR-064 ohne jede Authentifizierung nutzen. Das alleine ist schon problematisch, man könnte etwa einen anderen DNS-Server oder Router konfigurieren. Doch eine Funktion in diesen Routern hat eine zusätzliche Script-Injection-Sicherheitslücke: Die Funktion "SetNTPServer", mit der man Zeitserver für den Router konfigurieren kann, ermöglicht es, in Backticks eingebettete Befehle zu schicken, die dann auf dem betroffenen System ausgeführt werden.
Angriffe auf Port 7547
Mittels dieser Skript-Injection-Lücke verbreitet sich die Botnetz-Malware. Das lässt sich relativ simpel beobachten: Wer auf einer öffentlich zugänglichen IP den Port 7547 öffnet, etwa mithilfe des Tools Netcat, wird bereits nach wenigen Minuten Angriffsversuche sehen. Mittels der beschriebenen Skript-Injection-Lücke wird versucht, eine Datei per wget von einem Kontrollserver herunterzuladen und auszuführen.
Die heruntergeladene Datei mit dem schlichten Dateinamen "1" enthält Code für MIPS-Prozessoren. Doch weitere Dateien mit den Namen 2, 3, 4 und 6 lassen sich ebenfalls herunterladen und enthalten Code für verschiedene andere Prozessorarchitekturen. Manche Angriffe laden offenbar ein Skript herunter, das die verschiedenen Varianten alle ausprobiert(öffnet im neuen Fenster). Die Malware versucht also anscheinend, sehr unterschiedliche Systeme zu infizieren. Auf infizierten Geräten schließt die Malware den Port 7547 sofort mittels iptables.
TR-069 macht nicht zum ersten Mal Ärger
Die Fernwartungsschnittstelle TR-069 war bereits vor zwei Jahren Angriffspunkt für eine Sicherheitslücke. Eine Lücke namens Misfortune Cookie konnte in einer uralten Webserver-Software ausgenutzt werden. Allerdings handelt es sich dabei um ein von der aktuellen Sicherheitslücke völlig unabhängiges Problem.
Generell erscheint es sehr problematisch, dass Router überhaupt für die Wartung durch den Internet-Service-Provider Ports nach außen öffnen, denn derartige Services bieten immer eine große Angriffsfläche. Selbst wenn man generell die Wartung von außen ermöglichen möchte, wäre es sinnvoller, wenn die Router von sich aus eine Verbindung zu einem Service-Server aufbauen würden.
Nachtrag vom 30. November 2016, 10:15 Uhr
Ursprünglich hatten wir berichtet, dass die Speedport-Router der Telekom selbst Teil eines Botnetzes seien. Das hat sich aufgrund der Recherchen von Comsecuris als falsch erwiesen. Wir haben den Artikel entsprechend angepasst.
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