Abo
  • Services:
Anzeige
"Your computer is hacked..."
"Your computer is hacked..." (Bild: Jörg Thoma)

Ab in meinen Honigtopf!

Ich starte die virtuelle Maschine und gebe mich am Telefon möglichst besorgt - ein williges Opfer. Mein Gegenüber liest bereits eine Nummer vor, mit der er sich verifizieren will. Ich muss ihn bremsen, Windows will noch Updates installieren. Mein Rechner sei nicht besonders schnell, beschwichtige ich ihn und hoffe, er merkt später nicht, dass mein Windows in einer virtuellen Maschine läuft.

Ich folge seinen Anweisungen, öffne ein Kommandozeilenfenster und gebe den Befehl assoc ein. Der listet eigentlich sämtliche bei Windows registrierten Dateiendungen auf. Ich soll auf die vorletzte Zeile der Ausgabe achten. Dort steht die ClassID (CLSID) der Verknüpfung ZIP-komprimierter Ordner im Kontextmenü Senden an. Sie ist bei allen Windows-Versionen identisch. Der Anrufer behauptet das Gegenteil: Es sei die eindeutige Identifikationsnummer meiner Windows-Installation, die Microsoft kenne. Ich verzichte diesmal darauf nachzufragen, woher Microsoft meine Telefonnummer haben soll. Bisher hat diese wiederholte Nachfrage den Anrufer jedes Mal abgeschreckt.

Anzeige

Mit meinem Windows stimmt was nicht

Jetzt soll ich die Ereignisanzeige öffnen. Mein Anrufer will mir zeigen, dass mein System gefährdet ist. Dort protokolliert Windows sämtliche Systemfehler. In meinem virtuellen Windows sind das tatsächlich ziemlich viele. Das liegt unter anderem daran, dass der identische Rechnername der vorangegangenen Installation noch irgendwo im virtuellen Netzwerk herumgeistert. Außerdem fehlen noch etliche Aktualisierungen.

Die einzelnen Fehlermeldungen interessieren meinen Anrufer aber nicht, ich soll nur die Gesamtzahl der Meldungen mitteilen. Das seien aber ziemlich viele, sagt er besorgt. Das deute auf einen Hackerangriff hin. Die Fehler müssten unbedingt schnell behoben werden. Ich höre ihn im Hintergrund mit einem Kollegen sprechen.

Jetzt soll ich eine von Microsoft zertifizierte Software installieren, damit sich mein vermeintlicher Helfer auf meinem Rechner umgucken kann. Es handelt sich um die legitime Fernwartungssoftware Supremo, die kostenlos genutzt werden kann. Ich befolge die akribisch und geduldig beschriebenen Schritte zum Download und zum Starten der Software. Jetzt übergibt der Anrufer an einen Experten, der deutlich akzentfreieres Englisch spricht. Mich erstaunt aber, dass beide offenbar keine Probleme damit haben, im Zweifel die deutsche Übersetzung des Betriebssystems zu nennen. Offenbar haben sie auch eine deutschsprachige Windows-Version vor sich.

Zugriff per Fernwartungssoftware

Jetzt verschafft sich der zweite Experte mit meiner Erlaubnis über die Fernwartungssoftware Zugriff auf meinen virtuellen Rechner. Er stellt sich als Harry vor. Harry zeigt mir noch mal in der Ereignisanzeige das umfangreiche Fehlerprotokoll und erklärt mir wieder, dass mein Rechner vermutlich von Hackern angegriffen wurde. Da ich ja aus Deutschland stamme, ruft der fürsorgliche Betrüger den Google-Übersetzer auf und tippt dort seine Schritte auf Englisch ein, die ich - ins Deutsche übersetzt - mitlesen darf. Und auch abfilmen, denke ich mir.

Er wolle mir jetzt zeigen, dass auch meine E-Mail-Adresse kompromittiert sei, sagt Harry. Ich bin gespannt. Er ruft den Markup Validation Service des World Wide Web Consortiums (W3C) im Browser auf. Der dient eigentlich dazu, HTML-Code auf Webseiten zu prüfen und nicht E-Mail-Adressen.

Ich gebe auf Harrys Anweisung meine E-Mail-Adresse ein. Es handelt sich um eine GMX-Adresse, die ich als Spam-Köder verwende. Statt meiner E-Mail-Adresse prüft die W3C-Webseite jetzt aber die Webseite von GMX und spuckt dabei allerhand Fehler aus. Meine E-Mail-Adresse sei auch gehackt, sagt Harry aufgeregt und scrollt zum Beweis durch die lange Fehlerliste. Zwanzig Minuten telefonieren wir schon, denke ich, verdammt, ich muss noch Spargel und Kartoffeln aufsetzen und mein Pesto machen.

Doch was Harry mir jetzt mitteilt, macht mich wieder aufmerksam. Er will mein Computer scannen.

 Telefonabzocke: Dirty Harry erklärt mein Windows für kaputtHütchenspiele im Terminal 

eye home zur Startseite
Fíli 20. Jun 2016

Och, je nach Rufnummer im Display (Bin Wohnhaft in der CH) Federal Buero of...

Bachsau 19. Jun 2016

Hä? Was hast du für'n Problem?

Bachsau 19. Jun 2016

Wasn das für'n Film? Gibts eigentlich in Indien keine Gesetze gegen sowas? Ich meine, den...

Friko44 16. Jun 2016

Es ist nicht immer leicht, das stimmt. Wobei ich das Brechdeutsch eines Inders nicht...

newbit 13. Jun 2016

+1



Anzeige

Stellenmarkt
  1. MVV EnergySolutions GmbH, Mannheim
  2. item Industrietechnik GmbH, Solingen
  3. Haufe Gruppe, Freiburg im Breisgau
  4. Fresenius Medical Care Deutschland GmbH, Bad Homburg


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 29,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. Einzelne Folge für 2,99€ oder ganze Staffel für 19,99€ kaufen (Amazon Video)
  3. (u. a. Hobbit Trilogie Blu-ray 43,89€ und Batman Dark Knight Trilogy Blu-ray 17,99€)

Folgen Sie uns
       


  1. Sysadmin Day 2017

    Zum Admin-Sein fehlen mir die Superkräfte!

  2. Ipod Touch günstiger

    iPod Nano und iPod Shuffle eingestellt

  3. Nissan Leaf

    Geringer Reichweitenverlust durch alternden Akku

  4. Quartalsbericht

    Amazons Gewinn bricht ein

  5. Sicherheitslücke

    Caches von CDN-Netzwerken führen zu Datenleck

  6. Open Source

    Microsoft tritt Cloud Native Computing Foundation bei

  7. Q6

    LGs reduziertes G6 kostet 350 Euro

  8. Google

    Youtube Red und Play Music fusionieren zu neuem Dienst

  9. Facebook Marketplace

    Facebooks Verkaufsplattform kommt nach Deutschland

  10. Ryzen 3 1300X und 1200 im Test

    Harte Gegner für Intels Core i3



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Ausprobiert: JPEGmini Pro komprimiert riesige JPEGs um bis zu 80 Prozent
Ausprobiert
JPEGmini Pro komprimiert riesige JPEGs um bis zu 80 Prozent
  1. Google KI erstellt professionelle Panoramen
  2. Bildbearbeitung Google gibt Nik Collection auf

Kryptowährungen: Bitcoin steht vor grundlegenden Änderungen
Kryptowährungen
Bitcoin steht vor grundlegenden Änderungen
  1. Geldwäsche Mutmaßlicher Betreiber von BTC-e angeklagt und festgenommen
  2. Linux-Distributionen Mehr als 90 Prozent der Debian-Pakete reproduzierbar
  3. Kryptowährung Bitcoin notiert auf neuem Rekordhoch

Matebook X im Test: Huaweis erstes Ultrabook glänzt
Matebook X im Test
Huaweis erstes Ultrabook glänzt
  1. Porsche Design Huaweis Porsche-Smartwatch kostet 800 Euro
  2. Smartphone Neues Huawei Y6 für 150 Euro bei Aldi erhältlich
  3. Huawei Neue Rack- und Bladeserver für Azure Stack vorgestellt

  1. Re: Warum wird sowas akzeptiert?

    Peter(TOO) | 09:11

  2. Re: Sie machen alles richtig.

    Kaosmatic | 09:10

  3. Re: Staatstrojaner

    SJ | 09:08

  4. Re: Hui! 100 km Reichweite, statt der...

    nightmar17 | 09:07

  5. Re: FALSCH

    Kleba | 09:07


  1. 09:04

  2. 07:23

  3. 07:13

  4. 22:47

  5. 18:56

  6. 17:35

  7. 16:44

  8. 16:27


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel