Ein kostenloses Selbstgespräch rund um die Welt

Es war 1968. Draper war gerade ehrenhaft aus der US Air Force entlassen worden - ein Vietnam-Veteran. Dort hatte er einiges über Nachrichtentechnik und Elektronik gelernt. Von Phreaking habe er damals überhaupt nichts gewusst, erzählt er. Er sei eher zufällig dazugekommen, Telefone zu hacken. "Zufällig" ist ein Wort, das er oft verwendet. Mit einer selbst gebastelten UKW-Antenne und einem Piratensender auf seinem VW-Bus kurvte der 25-Jährige mit seinem Rauschebart und seinen wirren Haaren durch die Vororte von San Francisco. Er wollte eigentlich nur wissen, ob ihm jemand zuhörte, und sprach seine Telefonnummer ins Mikrofon.

Joybubbles und der 2.600-Hertz-Ton

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Kurz darauf rief jemand an: "Wenn du in der Nähe bist, komm doch vorbei." Die Tür zu dem Einfamilienhaus öffnete der Vater. Der Raum war vollkommen dunkel. Vier blinde Jungs saßen da, als er das Licht anmachte, darunter Joe Engressia alias Joybubbles, der ihm das Geheimnis des 2.600-Hertz-Tons verriet, den auch die Pfeife aus der Knusperflockenpackung erzeugte. Den sendeten die musikalischen Phreaks zunächst mit einer Orgel in den Telefonhörer. "So einfach war das! Ich war total erstaunt, wie verdammt einfach das war." Die Aufregung ist Draper noch mehr als 40 Jahre später beim Erzählen anzumerken, er rutscht auf der Interview-Couch hin und her.

  • John Draper alias Captain Crunch im Interview mit Golem.de (Bild: Daniel Pook/Golem.de)
  • Diese Pfeife aus einer Cap'n-Crunch-Packung konnte zum Eindringen in alte Telefonnetze genutzt werden (Screenshot: Golem.de)
  • John Draper alias Captain Crunch
  • John Draper alias Captain Crunch
  • John Draper programmierte Easywriter - eine Textverarbeitung für den Apple II (Bild: Marcin Wichiary)
  • John Draper hat noch Pläne für die Zukunft
John Draper alias Captain Crunch im Interview mit Golem.de (Bild: Daniel Pook/Golem.de)

Denn bis Ende der 1970er Jahre wurden die Signaldaten und die Gespräche auf der gleichen Leitung übertragen - das sogenannte Inline-Banding. Mit dem Ton mit der Frequenz von 2.600 Hertz konnte eine bestehende Verbindung gekappt und der eigene Apparat in einen Wartungsmodus versetzt werden. Mit weiteren Tönen konnte dann der Gebührenzähler ausgeschaltet und eine Verbindung zu einem anderen Telefon hergestellt werden. Die damals einzige Telefongesellschaft in den USA war AT&T - auch Ma Bell genannt.

Das habe auch international bei anderen Telefongesellschaften funktioniert, erzählt Draper. Einmal habe er von einem öffentlichen Fernsprecher über mehrere Knotenpunkte um die ganze Welt mit sich selbst telefoniert. Es dauerte ein paar Minuten, bis der Fernsprecher neben ihm klingelte, und 20 Sekunden bis seine Stimme dort ankam - lang genug für ein kostenloses Selbstgespräch.

Klingelstreiche beim Präsidenten

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Anekdoten erzählt Draper gerne und er hat viele davon in seinem Repertoire - Fragen sind jetzt überflüssig. Auf einem Treffen von Phreaking-Fans, so berichtet er, wurden geheime Telefonnummern ausgetauscht. Eine erschien ihm interessant. Dass es das Krisentelefon der CIA im Weißen Haus war, erfuhr er erst später. Er erfuhr auch den Codenamen, unter dem der damalige US-Präsident Richard Nixon dort zu erreichen war.

Draper rief an. Zunächst verlangte er am Telefon nach "Olympus" und wurde gebeten, einen Moment zu warten. Gerade, als sich am anderen Ende eine Stimme meldete, riss ihm ein Kumpel den Hörer aus der Hand. "Sir, wir haben hier eine nationale Krise. Sir, das Klopapier ist alle!", rief er in den Hörer. Die aufgebrachte Stimme am anderen Ende der Leitung habe gefragt, woher er diese Nummer habe, erzählt Captain Crunch. Und wieder fallen Drapers fehlende Zähne auf - er grinst.

Steve Jobs und The Woz bitten um Hilfe

Steve Wozniak und sein Freund Steve Jobs studierten damals noch und waren ebenfalls in der Phreaking-Szene aktiv und trafen sich später im Homebrew Computer Club. 1971 veröffentlichte die Zeitschrift Esquire einen Artikel über den bisherigen Kenntnisstand der Phreaks und die sogenannte Blue Box, die ihnen ersparte, die Töne einzeln in den Hörer zu pfeifen oder mit der Orgel einzuspielen. Mit fünf Tasten spielte sie alle nötigen Töne ab. Die Frequenzen hatten Wozniak und Jobs in der Bibliothek in einem Handbuch der Telefongesellschaft nachgelesen, wie Draper sagt. Die beiden späteren Apple-Gründer wollten die blaue Kiste nachbauen, die die für das Phreaking benötigten Frequenzen digital generierte. Wozniak suchte Captain Crunch auf und bat um Hilfe.

"Ich fand, dass das keine gute Idee war." Draper meint das ernst. Denn die ins Digitale umgewandelten Töne verursachten Fehler im Telefonnetz und zogen Aufmerksamkeit auf sich. "Jeder, der Steve Wozniaks Blue Box verwendete, war automatisch verdächtig."

In dem Interview mit der Zeitschrift Esquire plauderte Joybubbles, der Captain Crunch das Telefon-Hacken beigebracht hatte, auch über die damals unbekannte Phreaking-Szene. Sein Name sei ohne seine Erlaubnis gefallen, sagt Draper. Weil ein anderer Hacker Wozniaks Blue Box benutzte und aufflog, und weil sein Name in dem Artikel stand, wurde er 1972 verhaftet.

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 Telefon-Hacking: Das bewegte Leben des Captain CrunchHackerschulungen im Knast 
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Konfuzius Peng 11. Okt 2012

Damals, als wir noch das Impulswahlverfahren hatten, konnte man bei einem Telefon...

fehlermelder 09. Okt 2012

Es war wohl eher die Faszination, mit Pfeiftönen Anlagen über das Telefon zu bedienen...

detructor15 09. Okt 2012

next up: Ada Lovelace / Charles Babbage, brauchen nur noch eine Zeitmaschine.

Anonymer Nutzer 09. Okt 2012

Natürlich weiß er was er da macht. Eine promotion Tour für seine kommende Biographie und...

Misdemeanor 09. Okt 2012

Ich finde das ganze Interview interessant, ein kluger Mensch, sehr sympathisch. Aber wenn...



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