Teenage Engineering TX-6 ausprobiert: Das Luxuscabrio unter den Audiointerfaces

Der Audiomixer von Teenage Engineering ist kleiner als eine Kassette und so teuer wie ein Macbook. Aber ist er die vielen Kompromisse wert?

Ein Test von Daniel Ziegener veröffentlicht am
Das TX-6 ist verspielte Hardware zum Profi-Preis.
Das TX-6 ist verspielte Hardware zum Profi-Preis. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

"Weil's geht", beantwortete ein Mitarbeiter von Teenage Engineering auf der Musikinstrumente-Messe Superbooth die Frage nach dem Warum. Warum hat die Firma, die in der Musikwelt vor allem für den kultigen Synthesizer OP-1 bekannt ist, einen mehr als 1.000 Euro teuren Audiomixer herausgebracht, der kaum die Maße einer Kompaktkassette übersteigt? Eben einfach, weil es geht.

Inhalt:
  1. Teenage Engineering TX-6 ausprobiert: Das Luxuscabrio unter den Audiointerfaces
  2. Was kann man mit dem TX-6 machen?
  3. Niemand braucht dieses Gerät, aber ...

Die Designfirma aus Stockholm hat es beim TX-6 mit der Miniaturisierung so weit wie nur möglich getrieben. In dem 90 x 62 x 23 mm kleinen und 160 Gramm leichten Gerät stecken viele Funktionen. Der TX-6 kann bis zu zwölf Audiospuren live abmischen, mit Effekten versehen und per USB-C-Anschluss an eine digitale Aufnahmesoftware auf Computer oder iOS-Geräte senden. Gimmicks wie eine digitale Synth-Engine und eine Drummachine stecken auch noch drin. Dank verbautem Akku lässt sich das Gerät auch unabhängig betreiben.

Mit gebürstetem Aluminiumgehäuse, einer Unterseite aus Kunstleder und filigranen Bedienelementen hat der TX-6 wenig mit robustem Outdoor-Audioequipment zu tun. Selbst die Hochglanz-Werbefotos erinnern eher an eine Apple-Präsentation. Dazu passt auch der Preis: Die Mischung aus kompaktem Design und hoher Verarbeitungsqualität lässt sich Teenage Engineering satte 1.199 Euro kosten. Lohnt sich dieses extravagante Stück Audiohardware - und wenn ja, für wen eigentlich?

Winzige Hardware mit großen Kompromissen

Mit der Kleinheit gehen große Kompromisse einher. Für die Standardanschlüsse des professionellen Audiobereichs ist kein Platz, XLR-Stecker und 6,3-mm-Klinken fehlen (bis auf den primären Ausgang). Stattdessen befinden sich auf der Oberseite des Aluminiumgehäuses sechs TRS-Miniklinken-Eingänge für insgesamt sechs Stereo- oder zwölf Monokanäle.

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Ein wirkliches Problem wird das, wenn man zwei nebeneinanderliegende Anschlüsse gleichzeitig verwenden will. Denn die liegen so dicht beieinander, dass handelsübliche Klinkenstecker schlicht zu dick sind. Natürlich bietet Teenage Engineering dafür eigene Adapterkabel an - in Einheitslänge und zu Preisen zwischen 10 und 15 Euro. Im Lieferumfang ist nur ein USB-Kabel enthalten. Wie bei Apple braucht man also jede Menge Dongel.

Neben sechs Fadern zum Kontrollieren der Lautstärke verfügt jeder Stereokanal über je drei Drehregler, denen standardmäßig ein Drei-Band-Equalizer zugewiesen ist. Sie erfordern sprichwörtliches Fingerspitzengefühl, denn natürlich sind diese Regler der kompakten Bauweise geschuldet schmaler als ein Strohhalm und eng beieinander platziert. All das sind offensichtliche Mängel an einem Gerät, das preislich im Profi-Bereich liegt.

Untermenüs voller Features

Was wirklich im TX-6 steckt, zeigt sich erst bei genauerer Betrachtung. Das 10 x 14 cm kleine, monochrome OLED-Display hilft bei der Bedienung und offenbart in Untermenüs das wirkliche Potenzial des Miniatur-Mixers. Trotz des Displays sollte man die Kurzanleitung griffbereit halten, denn viele Optionen verbergen sich hinter Sekundärbelegungen und Tastenkombinationen.

Die sechs Stereostecker lassen sich mit einem entsprechenden Kabel jeweils als zwei Monokanäle verwenden. So kommen bis zu zwölf Spuren über USB-C in der am Laptop, Tablet oder Smartphone geöffneten digitalen Audioworkstation der Wahl an. Zusätzlich gibt es einen 6,3-mm-Ausgang, einen Kopfhöreranschluss für ein Monitorsignal und einen weiteren Ausgang für ein Aux-Kabel.

Die integrierten Effekte sind auf zwei Gruppen mit je einem eigenen Knopf aufgeteilt. Sie lassen sich entweder für eine einzelne oder global für alle Spuren aktivieren. Statt Feintuning bieten die sieben Effekte lediglich Presets an. Delay und Reverb klingen gut, der Chorus mit seinen drei Optionen subtil, mittel und stark eher pragmatisch. Dazu kommen auf dem zweiten Effektkanal Tremolo, Bitcrusher und Verzerrung sowie ein sehr passabler Filter. Die Tape- und Freeze-Effekte sind eher als Effekt für Live-Performances ausgelegt.

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Was kann man mit dem TX-6 machen? 
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alpinlol 25. Jul 2022 / Themenstart

Hatte ich auch bei einem kleinen Gerät gemacht, bei dem die Designer 70% der Kanten in...

Kein Kostverächter 22. Jul 2022 / Themenstart

Dieselben Features würden in einem Gehäuse und mit Komponenten "normaler" Größe nur 75...

MakiMotora 18. Jul 2022 / Themenstart

Klasse, das nanoloop-Modul habe ich neulich erst wieder aus dem Nostalgie-Schrank geholt :)

Sil53r Surf3r 18. Jul 2022 / Themenstart

Ja. Es ist nicht so, dass ich das nicht verstehen könnte. :-D Ich hatte auch schon...

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