Niemand braucht dieses Gerät, aber ...
Mixer, Audiorekorder oder Bluetooth-Controller, das sind drei der mehr oder weniger offensichtlichen praktischen Anwendungsfälle für den TX-6. Und die vielen (teils unscheinbaren) Features und eine anpassbare Bedienoberfläche laden sogar dazu ein, eigene zu finden. So lassen sich etwa die Equalizer-Regler frei mit anderen Funktionen belegen. An den Stellen, über die sich die Stockholmer Gedanken gemacht haben, spürt man das auch.
"In der Regel machen wir Produkte, die wir selber wollen und auf dem Markt vermissen", sagt ein Sprecher von Teenage Engineering. "Das TX-6 ist so eines." In den zwei Jahren, seit die Entwicklung (in Form eines Gimmicks für Kanye West) begonnen hat, wurde das Produkt laut Teenage Engineering ständig verändert. "Wir haben auf dem Weg verschiedene Dinge ausprobiert", sagen die Schweden. Beispielsweise habe der Synthesizer als einfacher Testton begonnen.
Ausstattung für Apple-Nutzer
Nach unserem intensiven Test gibt es am TX-6 grundsätzlich nichts zu beanstanden. Der Sound ist tadellos, dank hochwertiger Verarbeitung bleiben die Bedienelemente trotz der Größe gut nutzbar. Besonders mit Apples iOS und MacOS klappt die Verbindung reibungslos. Ob Macbook oder iPad Mini, per USB-C-Kabel wurden alle Eingänge sofort erkannt.
Der größte Haken hängt abseits von Apples Ökosystem. Windows-User können nicht alle zwölf Spuren verwenden, sondern sind auf ein abgemischtes Stereosignal beschränkt. Bei den getesteten Android-Geräten verweigerte das TX-6 gleich komplett den Dienst.
Zugegeben: Ein Zoom Livetrak L-12 erfüllt die Funktion als 12-Spur-Livemixer mit integrierter Aufnahmefunktion und USB-Audiointerface ebenso, wenn nicht sogar besser als der TX-6 und kostet nur knapp die Hälfte. Gleichzeitig fühlt sich der Vergleich an wie die Wahl zwischen einem arbeitsamen, aber schon etwas angerosteten Schwerlaster und einem schicken, modernen Sportcabrio.
Teenage Engineering ist Glamping statt Camping
Das TX-6 ist auch ein Ausblick auf die neue Richtung der Firma. Teenage Engineerings Stand auf der Superbooth 2022 in Berlin war nicht zufällig einem Campingplatz nachempfunden. Das neue Modell des Synthesizers OP-1 trägt den Beinamen Field, Bluetooth-Lautsprecher mit Tragegriff hat man schon länger im Angebot, und wer möchte, findet sogar eine Gürteltasche für das TX-6 im Shop. Teenage Engineering zieht es raus aus dem Heimstudio und rein in die Natur.
Golem.de sagte das Unternehmen, man arbeite schon an weiteren Produkten dieser Field-Serie, die "ein nettes Ökosystem zusammen ergeben werden." Mit dem umstrittenen Preisanstieg des mobilen Synthesizers OP-1 Field auf fast 2.000 Euro und dem TX-6 ist Teenage Engineering mehr Glamping als Camping. Der verspielte DIY-Charme der Pocket-Operator-Serie oder des originalen OP-1 ist dem TX-6 zwar noch anzumerken, Fans der Marke müssen sich aber endgültig mit der Positionierung im Premiumsegment abfinden.
"Wir designen Produkte nicht, um billig zu sein", sagt Teenage Engineering. "Die Leute verstehen nicht, wie teuer es für eine kleine Firma ist, solche Produkte herzustellen", kommentieren es die Kritik am hohen Preis. "Wir können nicht mit großen Konzernen mithalten, die höhere Stückzahlen produzieren." Und das scheinen sie auch gar nicht erst zu versuchen.
Weniger wäre auch genug gewesen
Für das Luxus-Feeling des TX-6 wäre weniger mitunter sogar mehr gewesen. In der Preisklasse über 1.000 Euro muss niemand mit albernen Gimmicks wie einem DJ-Modus überzeugt werden. Auch die Synth-Engine ist in ihrem aktuellen Zustand nur auf dem Papier ein Feature. Wer einen Mixer für diesen Preis kauft, hat selbst bessere Sounds zu bieten.
Denn auch ohne diese Features ist das Teenage Engineering TX-6 beeindruckend genug. Natürlich muss selbst ein tragbarer Mixer nicht wirklich so klein sein - aber dass er es ist, ist cool. Neben diesem eleganten, kleinen Sportwagen wirkt jedes andere vergleichbare Gerät eben wie ein hässlicher Truck. Steve Jobs hätte das sicher gefallen.
Wie die bereits nachgereichte Aufnahmefunktion zeigt, ist die Entwicklung am TX-6 noch nicht abgeschlossen. Wenn Teenage Engineering den Fokus weiter auf die Kernfunktionen für einen "ultra-portablen, professionellen Mixer und Audio-Interface" legt, könnten sich auch weitere Kritikpunkte mit der Zeit erledigen.
Braucht man den TX-6 also? Nein. Aber das ist die Sache mit Teenage Engineering. Wenn man ihre Geräte eine Weile benutzt, kann es durchaus passieren, dass man sie wegen ihres cleveren Designs einfach trotzdem haben will. Sofern der Kontostand es zulässt, lautet die beste Antwort, warum man sich einen TX-6 zulegen sollte, also ganz einfach: "Weil's geht."
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| Was kann man mit dem TX-6 machen? |










Hatte ich auch bei einem kleinen Gerät gemacht, bei dem die Designer 70% der Kanten in...
Dieselben Features würden in einem Gehäuse und mit Komponenten "normaler" Größe nur 75...
Klasse, das nanoloop-Modul habe ich neulich erst wieder aus dem Nostalgie-Schrank geholt :)
Ja. Es ist nicht so, dass ich das nicht verstehen könnte. :-D Ich hatte auch schon...