Abo
  • IT-Karriere:

Technologie: Warum Roboter in Japan so beliebt sind

Japaner produzieren nicht nur mehr Roboter als jede andere Nation, sie gehen auch selbstverständlicher mit ihnen um. Das liegt an der besonderen Geschichte und Religion des Inselstaats - und an Astro Boy.

Artikel von Miroslav Stimac veröffentlicht am
Japaner mögen ihre Roboter.
Japaner mögen ihre Roboter. (Bild: Jeena Paradies/CC-BY 2.0)

Roboter betreiben Hotels (wenn auch wenig erfolgreich), sind Haustiere, Gefährten und sogar eine emotionale Stütze: Japaner begeistern sich nicht nur für Technologie und produzieren mehr Roboter als irgendeine andere Nation, sie lassen sie auch nah an sich heran. Berührungsängste haben sie dabei vergleichsweise wenig. Dabei war der abgelegene Inselstaat noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein wenig fortschrittliches, ja sogar fortschrittsfeindliches Land. Was ist da passiert?

Dass Japan sich von der Rückständigkeit in der Isolation zu einer Roboter-Supermacht entwickelt hat, ist durch eine historische Entwicklung und die gelebten Religionen zu erklären. Geschichtlich sind zwei Epochen bedeutsam: die Edo- und die Meiji-Epoche. Erstere war die wohl friedlichste Zeit in Japan, in der Kunst und Kultur auf einem Höhepunkt waren. Es war aber auch eine Zeit, in der sich das Land von Anfang des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts am meisten abschottete.

Grund dafür war die Bedrohung durch europäische Kolonialmächte aus dem Westen, deren Einfluss Japan sich um jeden Preis entziehen wollte. Deswegen begrenzte es (Handels-)Kontakte vorwiegend auf direkte Nachbarn. Die einzige westliche Macht, der es gestattet war mit Japan Handel zu treiben, waren die Niederlande. Das lag unter anderem daran, dass die Niederlande im Gegensatz zu anderen Kolonialmächten wie Portugal nicht versucht hatten, Japan religiös zu missionieren und dadurch ihren politischen Einfluss auszubauen, sondern sich lediglich für Handel interessierten.

Die Abschottung führt zur technologischen Rückständigkeit

Die Abschottung Japans funktionierte etwa 250 Jahre gut, verhinderte Einflüsse von ausländischen Mächten, stärkte die gesellschaftliche Ordnung und förderte somit auch die interne Stabilität des Landes. Doch der mangelnde Austausch hatte langfristig den Effekt, dass Japan technologisch zurückblieb - und so wiederum ein leichtes Ziel für militärische Angriffe wurde. Um die gesellschaftliche Ordnung, bestehend aus vier Kasten (Samurai, Bauern, Handwerker, Händler), stabil zu halten und Frieden zu gewährleisten, waren Feuerwaffen in Japan weitgehend verboten und auch andere Waffen wie Schwerter durften nur von der Kriegerkaste (Samurai) getragen werden.

Stellenmarkt
  1. Deloitte, Berlin, Düsseldorf, Hamburg
  2. Allgeier Experts Pro GmbH, Großraum Berlin

Die japanischen Schiffe durften bestimmte Größenlimits nicht überschreiten und waren von der Bauweise her nur bedingt hochseetauglich, weil nach dem Willen der japanischen Shogun-Regierung ein Kontakt mit dem Ausland streng begrenzt werden sollte. Die erste japanische Dampfmaschine wurde erst 1853 konstruiert. Zum Vergleich: James Watt patentierte seine bezüglich des Wirkungsgrads verbesserte Dampfmaschine bereits 1769.

So konnte Mitte des 19. Jahrhunderts Mathew Perry, ein US-amerikanischer Admiral, die Japaner mit Androhung von Waffengewalt mit seinen modernen Schiffskanonen dazu zwingen, einen Handelsvertrag zu unterzeichnen. Verträge mit anderen Ländern folgten, was nicht alle Entscheidungsträger im Land gut fanden, weil diese sogenannten ungleichen Verträge den westlichen Mächten Sonderrechte und Vorteile gewährten.

Schließlich kam es zu einem Konflikt zwischen dem Shogun, einer Art militärischem Anführer und in der Edo-Periode die mächtigste Person in Japan, und dem Kaiser (japanisch: Tenno), der traditionell das Oberhaupt Japans ist, aber in der Edo-Periode nur eine symbolische Figur ohne Macht war. Der Streit kulminierte in einem Bürgerkrieg, aus dem Kaiser Mutsuhito als Sieger hervorging. Es war der Beginn der sogenannten Meiji-Epoche, die bis 1912 andauerte und in der Japan einen einzigartig schnellen und radikalen gesellschaftlichen und technologischen Wandel erlebte.

Japan auf der Überholspur 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 114,99€ (Release am 5. Dezember)
  2. 107,00€ (Bestpreis!)
  3. täglich neue Deals bei Alternate.de
  4. 274,00€

plutoniumsulfat 19. Apr 2019

Wie wärs, wenn die Roboter Menschen gerade in dem Bereich unterstützen/ersetzen, die im...

plutoniumsulfat 19. Apr 2019

Zumindest besser als die Beschäftigungsprogramme hierzulande :D

FreiGeistler 17. Apr 2019

Und der Himmel ist wunderbar und wunderbar ist er, weil er blau ist.... Nee scherz...

Hugo1of2 16. Apr 2019

+1

Aki-San 16. Apr 2019

Wieso Entwürfe? Es gibt schon Exoskelette und auch schon "funktionale" Suits. (Zumindest...


Folgen Sie uns
       


Cherry Stream 3.0 mit großem ß ausprobiert

Alle möglichen Umlaute auf einer Tastatur: Wir haben Cherrys Europa-Tastatur ausprobiert.

Cherry Stream 3.0 mit großem ß ausprobiert Video aufrufen
Transport Fever 2 angespielt: Wachstum ist doch nicht alles
Transport Fever 2 angespielt
Wachstum ist doch nicht alles

Wesentlich mehr Umfang, bessere Übersicht dank neuer Benutzerführung und eine Kampagne mit 18 Missionen: Das Schweizer Entwicklerstudio Urban Games hat Golem.de das Aufbauspiel Transport Fever 2 vorgestellt - bei einer Bahnfahrt.
Von Achim Fehrenbach

  1. Mordhau angespielt Die mit dem Schwertknauf zuschlagen
  2. Bus Simulator angespielt Zwischen Bodenschwelle und Haltestelle
  3. Bright Memory angespielt Brachialer PC-Shooter aus China

FPM-Sicherheitslücke: Daten exfiltrieren mit Facebooks HHVM
FPM-Sicherheitslücke
Daten exfiltrieren mit Facebooks HHVM

Server für den sogenannten FastCGI Process Manager (FPM) können, wenn sie übers Internet erreichbar sind, unbefugten Zugriff auf Dateien eines Systems geben. Das betrifft vor allem HHVM von Facebook, bei PHP sind die Risiken geringer.
Eine Exklusivmeldung von Hanno Böck

  1. HHVM Facebooks PHP-Alternative erscheint ohne PHP

LEDs: Schlimmes Flimmern
LEDs
Schlimmes Flimmern

LED-Licht zu Hause oder im Auto leuchtet nur selten völlig konstant. Je nach Frequenz und Intensität kann das Flimmern der Leuchtmittel problematisch sein, für manche Menschen sogar gesundheitsschädlich.
Von Wolfgang Messer

  1. Wissenschaft Schadet LED-Licht unseren Augen?
  2. Straßenbeleuchtung Detroit kämpft mit LED-Ausfällen und der Hersteller schweigt
  3. ULED Ubiquitis Netzwerkleuchten bieten Wechselstromversorgung

    •  /