CoD Advanced Warfare im Technik-Test: Flüssiger denn je trotz Supersampling

Vor rund neun Jahren zählte Call of Duty 2 zu den schönsten PC-Spielen überhaupt (der Rauch und die Specular-Maps!), die IW-Engine war auf dem damals aktuellen Stand der Technik. Die folgenden Serienanleger verbesserten das grafische Grundgerüst zwar hier und da, konnten aber optisch mit Konkurrenztiteln wie Battlefield nicht mithalten.
Den wichtigen Schritt hin zu einer moderneren Engine unternahm Treyarch mit dem 2012 erschienenen Black Ops 2 : Die Direct3D9-Unterstützung wurde gestrichen, der neue D3D11-Pfad sorgte zusammen mit dem altbackenen Renderer für sehr hohe Bildraten. Multisampling-Kantenglättung funktionierte erst mit D3D10.1-Karten, da hier ein Tiefenpuffer-Zugriff möglich ist.
Das erste "echte" D3D11-CoD ist Ghosts von 2013: Infinity Ward hat mit Hinblick auf die Current-Gen-Konsolen die Optik kräftig überarbeitet, eine bessere Beleuchtung und Tessellation integriert. Ohne 64-Bit-Betriebssystem sowie eine D3D11-Grafikkarte startet das Spiel nicht, auf der Xbox One reicht die Leistung der seit Jahren aufgebohrten Engine nur für eine 720p-Auflösung .

Für Call of Duty Advanced Warfare hat Sledgehammer Games daher den Renderer komplett neu geschrieben – der Shooter ist grafisch verglichen mit Ghosts ein deutlicher Schritt nach vorne (wenngleich die Qualität eines Ryse nicht geboten wird – trotz Physically Based Shading ), die Bildraten sind messbar höher und die PC-Version profitiert ebenfalls.
So konnte das Entwicklerstudio der Xbox One eine dynamische Auflösung von 1.360 x 1.080 bis 1.920 x 1.080 Pixeln plus Post-Processing entlocken, das Spiel flimmert sichtlich weniger als Ghosts – das 2013 auch noch unter dem ungepatchten Scaler der Xbox One litt. Im Februar 2014 behob Microsoft dieses Problem, das April-SDK brachte neue Filter.
Digital Foundry(öffnet im neuen Fenster) zufolge läuft Advanced Warfare auf der Xbox One häufiger mit 60 fps als auf der Playstation 4, die durchgehend in 1080p rendert. Frameraten-Einbrüche gibt es jedoch auf beiden Spielekonsolen.
Viele Kantenglättungsmodi
Die PC-Version von Call of Duty Advanced Warfare setzt wie Ghosts ein 64-Bit-Betriebssystem und eine D3D11-Grafikkarte voraus, auf der Festplatte oder SSD belegt der Shooter 45 GByte – mit Multiplayer sind es 48 GByte. Den größten Anteil hieran haben die Texturen, die wir anders als bei früheren Serienteilen als hochauflösend und detailliert empfinden. Sledgehammer Games arbeitet zudem oft mit Parallax-Mapping, um die Pixeltapeten plastischer wirken zu lassen.
Das Grafikmenü ist überraschend umfangreich: Neben üblichen Optionen wie Auflösung, Textur- und Schattenqualität sind auch Schalter für die Kantenglättung sowie die Beleuchtung vorhanden. Mit Pixeltapeten auf Extra und der anisotropen Filterung auf High aktiviert das Spiel 16:1 AF – sehr gut. Im Test mussten wir die Option Cache Sun/Spot Shadow Maps abschalten, da das Spiel trotz der wie vom Hersteller empfohlenen 4 GByte Videospeicher(öffnet im neuen Fenster) unserer Sapphire Radeon R9 290X Tri-X nur niedrig aufgelöste Texturen lud.











Wie schon Ghosts bietet Advanced Warfare neben der Umgebungslichtverdeckung von Sledgehammer Games auch Nvidias HBAO+ , einzig die TXAA-Kantenglättung gibt es exklusiv für Geforce-Grafikkarten. Die Alternativen überzeugen: Im Grafikmenü sind FXAA, mehrere SMAA-Modi und sogar Supersampling anwählbar.
Fast Approximate Anti-Aliasing (FXAA) ist ein vergleichsweise simpler Post-Processing-Filter, der kaum Leistung kostet, das Bild etwas weichzeichnet und vor allem in Bewegung nur mäßig glättet. Subpixel Morphological Antialiasing (SMAA) wurde unter anderem von Activisions Jorge Jimenez zusammen mit Tiago Sousa von Crytek entwickelt , die temporale Komponente der (Filmic-)2Tx-Stufe beruhigt das Bild deutlich.











Die beste Glättung bietet Supersampling: Sledgehammer Games hat die Stufen 2x, 4x, 8x und 16x eingebaut – mehr als in jedem uns bekannten Spiel. Genau genommen handelt es sich bei 2x-Supersampling um ein 2,25x-Supersampling, da für jede Achse 50 Prozent mehr Pixel berechnet werden (1,5 x 1,5). Ausgehend von 1.920 x 1.080 Bildpunkten muss die Grafikkarte bei 2,25x-SSAA also 2.880 x 1.620 Pixel stemmen. Advanced Warfare nutzt demnach integriertes Downsampling wie beispielsweise auch Battlefield 4 oder Tomb Raider.
4x entspricht einer Verdopplung pro Achse, also UHD statt 1080p, 16x vervierfacht die Achsenauflösung. Gerade Faktoren sehen besser aus als ungerade, zumal Sledgehammer Games beim 2,25-Supersampling nur einen Box- und nicht wie beispielsweise Crytek in Ryse einen Gauss-Filter für das Downsampling verwendet. Wir raten daher zu 2Tx-SMAA oder gleich 4x-Supersampling.
Benchmarks und 144 Hz
Für unsere Messungen haben wir die gleiche Szene genutzt wie für die Screenshot-Vergleiche der Kantenglättungsmodi. Die nachfolgenden Benchmarks zeigen daher nicht, mit welcher Bildrate Call of Duty Advanced Warfare in Actionszenen läuft, sondern nur, welche Kantenglättungstechnik sich wie auswirkt.
Ausgehend von deaktiviertem Antialiasing verringert FXAA die Bildrate unmerklich, ein typisches Ergebnis für den Post-Processing-Filter. Mit 137 zu 133 fps in 1080p läuft Call of Duty Advanced Warfare auf unserer Sapphire Radeon R9 290X Tri-X flüssiger als Ghosts mit vergleichbaren Einstellungen. Mit 2Tx SMAA sinkt die Bildrate kaum weiter ab, dafür ist die Glättung sichtlich besser, wenn auch wie bei FXAA zulasten der Schärfe.











Mit Supersampling bleibt Advanced Warfare auf schnellen Grafikkarten gut spielbar: Mit der 2x-Einstellung erreichen wir 117 fps, selbst mit Faktor 4x und somit interner UHD-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixeln) liefert die Radeon R9 290X noch hohe 91 fps.
Mit vielen Effekten wie Explosionen und Sperrfeuer sinkt die Bildrate abseits unserer Kantenglättungsszene zwar teils auf 45 fps, für die gebotene Qualität ist das aber ein guter Wert. 8x- und 16x-Supersampling hingegen laufen einzig mit Multi-GPU-Systemen flüssig.











Hier mangelt es derzeit an einer Treiberunterstützung seitens AMD, unser 290X-Gespann ist nicht schneller als eine Karte. Wir gehen jedoch davon aus, dass AMD heute oder in den kommenden Tagen ein Multi-GPU-Profil für das neue Call of Duty zum Download anbieten wird. Nvidia hat bereits den Geforce-Treiber 344.60(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht.
Sledgehammer Games hingegen hat an Nutzer von mehreren Grafikkarten und modernen Monitoren gedacht: Advanced Warfare unterstützt Bildwiederholraten von 60, 75, 120 plus 144 Hz und Nvidias G-Sync . In der Kampagne sind entsprechend hohe Framerates möglich, im Multiplayer ist die Bildrate jedoch auf 91 fps limitiert.



