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Technik-Test: Starfield braucht eine außerirdische Grafikkarte

Kein DLSS , SSD -Zwang und Launch-Treiber nur von AMD. Starfield ist anspruchsvoll, aber nicht so wählerisch, wie es scheint.
/ Martin Böckmann
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Starfield lastet CPUs sehr gleichmäßg aus. Grafikkarten sind fast nie schnell genug. (Bild: Martin Böckmann/Golem.de)
Starfield lastet CPUs sehr gleichmäßg aus. Grafikkarten sind fast nie schnell genug. Bild: Martin Böckmann/Golem.de

Nach unserem Test des Spiels haben wir uns auch die Hardwareanforderungen von Starfield genauer angesehen. Selbst die Mindestanforderungen setzen eine 6-Kern-CPU und eine AMD Radeon RX 5700 ( Test ) oder eine Nvidia Geforce GTX 1070 Ti ( Test ) voraus. Außerdem soll zwingend eine SSD vorhanden sein.

Eine SSD haben wahrscheinlich alle Spieler, deren System die restlichen Anforderungen erfüllt. Aber gerade in günstigeren Systemen wird gern auf eine kleine SSD für das Betriebssystem, wichtige Programme und Onlinegames gesetzt, während Daten und größere Singleplayer-Titel weiterhin auf einer Festplatte landen. Bei 125 GByte Speicherbedarf ohne Modifikationen dürfte Starfield in letztere Kategorie fallen.

Glücklicherweise können wir vorsichtig Entwarnung geben: Zwar sind Ladezeiten zwischen Zonen von einer Festplatte deutlich wahrnehmbar, im reinen Spielverlauf stört eine Festplatte allerdings weiterhin selten. Wer auf eine NVMe-SSD setzt, darf sich hingegen über erfrischend niedrige Ladezeiten freuen. Selbst größere Zonen oder das Spiel selbst sind in wenigen Sekunden spielbereit.

Grafikeinstellungen lassen zu wünschen übrig

Das Grafikmenü stellt uns vor erste Probleme. Wir können nur zwischen Fenstermodus und randlosem Fenstermodus wählen. Im Fenstermodus lässt sich das Fenster aber nicht immer verschieben, außerdem kann es nicht maximiert werden. In voller Auflösung passt es daher nie ganz auf den Bildschirm. Einen echten Vollbildmodus, in dem man auch die Auflösung ändern kann, gibt es nicht.

Beim Ändern der Voreinstellungen wird zudem immer wieder FSR2 aktiviert. Schnelles Wechseln von mittleren auf hohe Details zwingt Nutzer jedes Mal, auch FSR2 erneut auszuschalten. Außerdem hätten wir uns für die Einstellungen eine Beschreibung oder idealerweise sogar Hinweise darauf erhofft, wie viel Einfluss sie auf die Performance haben.

Positiv ist die allgemein zügige Menüführung. Das Wechseln zwischen den Untermenüs wird nicht durch langsame Animationen ausgebremst, sondern geht meistens ohne Verzögerung. Einstellungen werden direkt übernommen, per Tab und Escape kommen wir direkt wieder ins Spiel und können weitermachen.

Braucht es wirklich sechs CPU-Kerne?

Als einer der wenigen Titel auf dem Markt setzt Starfield einen Prozessor mit mindestens sechs Kernen voraus. Wir haben in unserer alten Sammlung sowohl den vom Entwickler genannten AMD Ryzen 5 2600X ( Test ), als auch einen AMD Ryzen 7 1800X ( Test ) gefunden und jeweils mit einer AMD Radeon RX 7900 XTX ( Test ) getestet, um zu sehen, ab wann die Grafikkarte nicht mehr durch den Prozessor ausgebremst wird. Die erfreuliche Nachricht: Während die CPUs am Rande der Mindestanforderungen zwar unsere High-End-Grafikkarte nicht ausreizen, läuft das Spiel auf beiden Prozessoren auf maximalen Details gut spielbar.

Das liegt daran, dass Starfield den Prozessor sehr gleichmäßig über alle Kerne auslastet. Auch der laut Entwickler zu alte 1.-Generation-Ryzen ist deshalb dank 8 Kernen und SMT (Simultaneous Multi Threading) nicht komplett überfordert. Wir haben außerdem an unserem AMD Ryzen 7 7800X3D Kerne abgeschaltet, um zu sehen, ab wann es generell problematisch wird.

Auch die aktuelle Zen-4-CPU mit 3D-V-Cache liefert in Kombination mit der Radeon RX 7900 XTX bereits ab sechs Kernen etwas schlechtere Werte bei den Minimum-fps. Mit nur vier aktiven Kernen fällt die 1%-Bildrate von über 60 fps auf nur noch 21 fps. Selbst eine moderne Architektur mit hoher Single-Thread-Performance braucht also mindestens sechs Kerne.

Auch schnelle Quad-Cores haben ausgedient

Das bedeutet vor allem, dass Besitzer von Intel-Prozessoren bis zur 7. Core-Generation in Starfield kein optimales Spielerlebnis haben werden. Trotz hoher Single-Thread-Leistung und selbst mit etwas Übertaktung reichen sie nicht mehr aus; die in der Steam-Statistik häufig auftauchenden Ryzen 3600, 3700X und 5600(X) hingegen schon.

Bei den Grafikkarten hatten wir zuerst einen positiven Eindruck. Die für Full-HD eingesetzte Nvidia Geforce RTX 4060 ( Test ) schaffte mit hohen Details sehr gleichmäßige 40 fps. Mit niedrigerer Einstellung schafften wir nicht ganz 60 fps, allerdings ist die Bildrate in beiden Fällen stets sehr gleichmäßig, was das Spiel auch unterhalb von 60 Bildern pro Sekunde gut spielbar macht. Die AMD Radeon RX 7600 knackt dann sogar knapp die 60-fps-Marke.

Je nach Detailgrad brauchen wohl die meisten Grafikkarten mindestens FSR2 auf 75 Prozent Skalierung, um wirklich flüssige Bildraten zu ermöglichen. Die Systemanforderungen zeigen zudem, dass beispielsweise eine Nvidia Geforce GTX 1060 nicht mehr ausreicht. Auch in Full-HD wird man damit wenig Spaß haben, realistisch braucht es eine Geforce RTX oder Radeon RX 5700 (oder besser), auch für Full-HD.

Sehr hohe GPU-Anforderungen

Schnell zeigt sich aber: Um über 60 Bilder pro Sekunde zu kommen, braucht es sehr performante Grafikkarten. Ehemalige High-End-Grafikkarten wie die AMD Radeon RX 6900 XT ( Test ) oder Nvidia Geforce RTX 3080 Ti ( Test ) schaffen in Full-HD ohne FSR2 durchschnittlich über 60 fps. Bereits die RTX 3080 hat damit aber schon zu kämpfen. Für WQHD und 60 fps muss man bei diesen GPUs bereits die Einstellungen reduzieren oder FSR2 hinzuziehen.

Auch im High-End zeigt sich, dass das Spiel enorm leistungshungrig ist. Wir haben sowohl die Nvidia Geforce RTX 4090 ( Test ) als auch die AMD Radeon RX 7900 XTX in 4K mit maximalen Einstellungen ausprobiert. Die RTX 4090 liegt mit 75 fps im Durchschnitt vor der Radeon RX 7900 XTX mit durchschnittlich 67 fps. Erst in weniger anspruchsvollen Innenräumen oder mit FSR2 auf 75 Prozent Auflösung schaffen es die beiden Karten, über 100 fps zu liefern.

Kurios ist die niedrige Leistungsaufnahme der Grafikkarten. Weder die Geforce RTX 4090 noch die Radeon RX 7900 XTX schöpfen ihr Power-Budget aus. Trotz nahezu 100 Prozent GPU-Last bleibt unsere Geforce beispielsweise bei rund 75 Prozent der maximalen Leistungsaufnahme von 450 Watt. Auch die Radeon RX 7900 XTX kommt kaum auf 350 Watt, obwohl unsere Sapphire Nitro+ sogar noch mehr erlauben würde. Zwar ist es üblich, dass gerade Nvidia-Grafikkarte selten den Maximalwert erreichen, eine so große Abweichung ist aber ungewöhnlich und zeugt von einem Flaschenhals, der eine tatsächlich vollständige Auslastung verhindert.

Auf unserem Testsystem hat sich das Spiel bislang leider beharrlich geweigert, auf einer Intel Arc zu starten. Mit allen drei Testkarten in der Redaktion öffnete sich das Spiel nicht, eine Fehlermeldung gab es ebenfalls nicht. Wir hoffen, dass dies in Kürze durch einen Launch-Treiber behoben wird. Aktuell bietet nur AMD einen Treiber mit offizieller Unterstützung für das Spiel.

Fazit: Das Spiel läuft gut, aber hohe Bildraten brauchten Top-Hardware

Dank guter CPU-Auslastung über alle Kerne läuft Starfield gefühlt sehr flüssig, obwohl die Anforderungen an die Grafikkarte sehr hoch sind. Selbst ehemalige High-End-Grafikkarten stehen bereits in WQHD-Auflösung vor einer größeren Herausforderung. 4K ist nur mit den schnellsten GPUs sinnvoll möglich. In allen Fällen schafft das eingebaute FSR2 etwas Abhilfe, allerdings auf Kosten der Bildqualität.

Leider gibt es bislang kein DLSS. Insbesondere DLSS3 Frame Generation würde dem Spiel vermutlich guttun, gleiches gilt für FSR3. Die niedrige Leistungsaufnahme besonders auf Nvidia-GPUs lässt zudem hoffen, dass noch etwas Optimierungspotenzial in dem Spiel steckt.


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