Dragon Age Inquisition im Technik-Test:Drachentöten flott gemacht
Der bisher schönste Frostbite-Engine-Titel heißt Dragon Age Inquisition . Das Bioware -Rollenspiel sieht fantastisch aus, die hohen Prozessor-Anforderungen verringern sich durch das Mantle -API.
Dragon Age Origins war grafisch altbacken, der Nachfolger technisch viel ausgereifter – er unterteilte die Welt aber in sehr kleine Abschnitte. Dragon Age Inquisition ist in beiden Punkten viel besser: Das Rollenspiel von Bioware nutzt die Frostbite-Engine, bietet tolle Grafik und gigantische Umgebungen.
Die beiden ersten Titel basieren auf der Eclipse-Engine, für Dragon Age Inquisition greift Bioware wie viele andere EA-Studios auf die Engine der Battlefield-Entwickler zurück. Dice hat die Technik in den vergangenen Monaten verbessert, so dass Dragon Age Inquisition als erstes Frostbite-Spiel Physically Based Rendering einsetzt.
PBR entkoppelt Material- und Lichtinformationen. Oberflächen erhalten so eine realistischere Beleuchtung. Vor allem die Rüstungen sehen klasse aus, die Hautdarstellung profitiert ebenfalls deutlich. Unterstützt wird die Beleuchtung durch die Umgebungslichtverdeckung HBAO, Volumenstreuung (Sub Surface Scattering) und weich auslaufende Schatten.
Die weitläufigen Bereiche mit Wäldern, Bergketten und Wüsten sind bis auf ganz wenige Ausnahmen mit hochauflösenden Texturen versehen – der Boden direkt vor uns wie das Felsmassiv am Horizont. Bioware verzichtet auf eine eingeschränkte Sichtweite oder ein aggressives Level-of-Detail: Schweift der Blick in die Ferne, ploppen keine Objekte auf.
Das Studio setzt Render-Techniken wie Parallax-Occlusion-Mapping ( POM(öffnet im neuen Fenster) ) oder Tessellation oft ein. Gerade hohe Unterteilungsfaktoren drücken die Bildrate sehr – ohne die Optik zu verbessern. Biowares Ansatz ist sinnvoller: geringe Unterteilungsfaktoren, diese aber überall.
Prozessoren in Mantle hüllen
Nachteil der hochauflösenden Texturen und des Physically Based Rendering: Dragon Age Inquisition neigt an einigen Stellen zum Flimmern. Mit dem FXAA-Post-Processing-Filter, der das Bild weichzeichnet, ist dies kaum zu beheben. Multisampling-Kantenglättung mit zwei- oder vierfacher Stufe glättet immerhin die Geometriekanten, nicht aber Shader- oder Specular-Aliasing.
Supersampling wie in Battlefield 4 gibt es nicht, das Spiel ermöglicht nur Up- statt Downsampling: 100 Prozent stellt die gewählte Auflösung dar, beispielsweise 1.920 x 1.080 Pixel.
Ein Upscale-Wert von 50 Prozent halbiert die Achsen, das Bild wird also mit 960 x 540 Bildpunkten berechnet und auf 1080p hochskaliert . Das erhöht die Framerate, verschlechtert die Grafik aber sehr.
Auf vielen Systemen ist unserer Ansicht nach ohnehin der Prozessor die limitierende Komponente und nicht die Grafikkarte. Die großen Spielabschnitte mit hoher Sichtweite fordern ältere oder schwächere CPUs sehr. Selbst starke Prozessoren liefern oft weit weniger als 60 Bilder pro Sekunde.
Praktisch, dass Dragon Age Inquisition als erstes Rollenspiel die Mantle-Schnittstelle unterstützt: Nutzen wir das API von AMD statt die Direct3D-11-Schnittstelle, steigt die Bildrate im CPU-Limit um 59 Prozent. 70 statt 44 fps bedeuten im Umkehrschluss, dass Besitzer langsamer Prozessoren mit Mantle deutlich höhere Bildraten erhalten.
Selbst in 1080p mit maximalen Details bremst unser Core i7-3770K die Radeon R9 290X noch aus. Der Wechsel von Direct3D 11 auf Mantle steigert die Framerate von 42 auf 51 fps, also plus 22 Prozent. Da die taktische Kamera in Dragon Age Inquisition recht nutzlos ist, spielen wir meist in Echtzeit – flüssige Bildraten sind daher wichtig.
Wichtig für Besitzer älterer Grafikkarten: Die Frostbite-Engine unterstützt nur Modelle mit Direct3D 10 oder höher. Bioware nennt als Minimum eine Geforce 8800 GT oder Radeon HD 4870 mit 512 MByte Videospeicher. Für Mantle ist eine Karte mit GCN-Architektur (ab Radeon HD 7000) erforderlich, ohne 4 GByte sollte Multisampling deaktiviert bleiben.
Bei Leistungsproblemen raten wir zum Verringern der Schatten- und Ambient-Occlusion-Qualität, die Vegetationsdarstellung sollte mindestens auf Mittel stehen. Andernfalls verschwinden viele Grasbüschel und Pflanzen, und die Welt von Dragon Age Inquisition wirkt leer.
Nachtrag vom 14. November 2014, 19:07 Uhr
Ein neuer Patch für Dragon Age Inquisition verringert die Videospeicher-Auslastung unter Nutzung des Mantle-APIs deutlich. Auch mit 4x MSAA sind 4 GByte genug.