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Assassin's Creed Unity im Technik-Test: Paris - die Stadt der Liebe zu Details

Assassin's Creed Unity ist ein wunderschönes Spiel - bis auf die Distanzdarstellung und die hohen CPU-Anforderungen. Dafür können Radeon-Besitzer die Nvidia-Effekte ohne Nachteile nutzen.
/ Marc Sauter
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Assassin's Creed Unity (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
Assassin's Creed Unity Bild: Marc Sauter/Golem.de

Assassin's Creed Unity ist das erste Spiel der Reihe, das nur für den PC und die aktuelle Konsolen-Generation erscheint. Da die Ubisoft-Studios keine Rücksicht mehr auf die Playstation 3 oder die Xbox 360 nehmen mussten, haben die Entwickler die Anvil-Next-Engine deutlich verbessert.

Größter Unterschied zum Vorgänger Black Flag ist die Beleuchtung von Assassin's Creed Unity , da die Anvil-Next mittlerweile Physically Based Rendering unterstützt. PBR entkoppelt die Material- und Lichtinformationen, um Oberflächen wie Metall, Holz oder Stein realistischer wirken zu lassen.

Assassin's Creed Unity - Grafiktest
Assassin's Creed Unity - Grafiktest (01:50)

In Unity ist das den Ubisoft-Studios vortrefflich gelungen: Das Paris zur Zeit der Französischen Revolution bietet eine tolle Beleuchtung (Global Illumination). Betritt die Spielfigur Gebäude oder verlässt sie, passen sich die Lichtverhältnisse sofort an, selbiges gilt beim langsamen Wechsel der Tageszeit.

Notre-Dame versinkt gegen Abend in Dunkelheit, am frühen Morgen hingegen wandern wunderschöne Schattenspiele über die Fassade. Die Kathedrale wird wie alle Umgebungen mit Unmengen an Geometrie bis hin zu kleinsten Details, weichen Schatten und mit tollen Texturen dargestellt.

Diese enorme Informationsdichte kann die Anvil-Next zumindest in Assassin's Creed Unity nur auf kurze Entfernung darstellen. Schon nach wenigen Metern greift das Level of Detail (LoD) und verringert aggressiv die Darstellungsqualität. Gebäude, Passanten und Straßenzüge büßen drastisch an Polygonen ein, viele Schatten verschwinden und Unity lädt niedrig aufgelöste Texturen.

Der Übergang zwischen verschiedenen LoD-Stufen ist nicht weich, sondern oft abrupt: Rüschenärmel ploppen ebenso auf wie Ohren, Marktstände und Gebäudedetails werden Pixel für Pixel flimmernd eingeblendet.

Da an den LoD-Übergängen zudem die Kantenglättung versagt, stört das Level of Detail sehr. Dennoch ist Assassin's Creed Unity eines der schönsten Spiele überhaupt. Nie haben wir eine derart imposante Kulisse bewundern dürfen.

CPU und Grafikkarte gefordert

Die Systemanforderungen von Assassin's Creed Unity ließen es bereits vermuten: Ohne starke Hardware kommt wenig Spielspaß auf. Einerseits haben schwache Grafikkarten mit der Beleuchtung zu kämpfen, andererseits fordert die Detailfülle auch den Prozessor.

Befindet sich die Spielfigur in den Gassen der Stadt, so ist oft die CPU der limitierende Faktor. Zwar nutzt Assassin's Creed Unity mehr als sechs Kerne, Prozessoren mit geringer Pro-Takt-Leistung oder niedrigen Frequenzen bewältigen die vielen Passanten aber nur mit Mühe.

Selbst unser Core i7-3770K erreicht keine 60 fps im CPU-Limit. Die Menschenmassen reduzieren sich auch mit niedrigen Details nicht, hier hilft einzig Übertakten oder Aufrüsten. Obacht: Mit zwei oder drei Kernen ruckelt das Spiel extrem.

Über den Dächern von Paris ist die Bildrate meist deutlich höher, nur wenn imposante Gebäude wie Notre-Dame im Blickfeld sind, verringert sich aufgrund der vielen Geometrie die Geschwindigkeit. Wir haben für unsere Messungen eine Gassen-Szene genutzt, da zumindest in höheren Auflösungen auch hier die Grafikkarte bremst - vor allem mit Kantenglättung.

Gerne hätten wir Benchmarks mit unserer Geforce GTX 980 angefertigt, das Sample zeigte jedoch an mehreren Rechnern kein Bild mehr an. Den Werten der PCGH(öffnet im neuen Fenster) zufolge läuft Assassin's Creed Unity auf Nvidia-Grafikkarten deutlich besser. Selbst eine Geforce GTX 780 (ohne Ti) überholt eine Radeon R9 290X.

Generell raten wir dazu, mit Fast Approximate Anti-Aliasing zu spielen. FXAA ist ein Post-Processing-Filter, der auf das komplette Bild angewendet wird und wenig Leistung kostet. Da Assassin's Creed Unity neben Polygon- auch starkes Shader- und Texturflimmern zeigt, ist FXAA eine recht gute Methode, um die Darstellung zu beruhigen.

Nvidia-Effekte auch für Radeons

Wie schon bei Black Flag haben die Ubisoft-Studios eng mit Nvidia zusammen gearbeitet. Das Resultat sind zwei in Assassin's Creed Unity integrierte Grafikoptionen, die ursprünglich von Nvidia entwickelt wurden. Percentage Closer Soft Shadows (PCSS) ähnelt AMDs Contact Hardening Shadows.

Bei beiden Techniken werden die Schattenkanten immer weicher, je weiter sie von dem Objekt entfernt sind, das sie wirft. Wir sind der Ansicht, dass die Percentage Closer Soft Shadows deutlich realistischer aussehen als die nächst niedrigere Schattenqualitätsstufe.

Horizon Based Ambient Occlusion Plus (HBAO+) ist eine spezielle Art der Umgebungslichtverdeckung. Anders als das ebenfalls im Spiel vorhandene Screen Space Ambient Occlusion (SSAO), verschattet HBAO+ die Umgebung mit mehr Samples pro Pixel. Die Lichtverdeckung ist stärker, was an einigen Stellen realistischer aussieht - andere Szenen empfinden wir hingegen als zu dunkel.

PCSS und HBAO+ basieren auf Gameworks , einer Sammlung von geschlossenen Grafik-Bibliotheken. Beide Render-Techniken laufen auch auf Radeon-Grafikkarten und verringern die Bildrate nicht übermäßig stark.

Bei der Kantenglättung hingegen gibt es Unterschiede: Nur Geforce-Modelle mit Kepler- oder Maxwell-Architektur unterstützen Temporal Approximate Anti-Aliasing (TXAA). Diese Technik verringert zwar die Bildschärfe deutlich, beruhigt aber die Darstellung umso mehr.

Multisampling-Kantenglättung gibt es für AMD- wie Nvidia-Grafikkarten. MSAA glättet jedoch nur Polygon-Kanten, Shader- oder Texturflimmern tritt weiterhin auf. Radeon-Nutzer können bis zu 8x MSAA aktivieren, bei Geforce-Modellen fehlt diese Option zugunsten von TXAA.

Künftig möchte Ubisoft mehrere Patches für Assassin's Creed Unity veröffentlichen , diese sollen unter anderem die Geschwindigkeit von AMD-Karten erhöhen und generell die Leistung verbessern.


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