Technik-Test: Alan Wake 2 ist das neue Crysis

Die Systemanforderungen von Alan Wake 2 haben in den letzten Wochen für einige Bedenken gesorgt, besonders unter Besitzern älterer PCs. Auch die Aussagen des Herstellers, dass Nvidia-Pascal-Grafikkarten (GTX-10-Serie) gar nicht funktionieren sollen, haben für Unverständnis gesorgt. Und auch in der Praxis zeigt sich, Alan Wake 2 ist ein echter Hardwarekiller – bietet dafür aber einiges.
Wer in den Einstellungen alle Regler auf Anschlag dreht, braucht mindestens eine Nvidia Geforce RTX 4080, besser noch eine RTX 4090. In nativer Auflösung inklusive DLAA, Pathtracing und Ray Reconstruction kommen wir mit der Nvidia Geforce RTX 4090 auf knappe 37 fps. Erst im DLSS-Quality-Modus erreichen wir die 60-Fps-Marke. Die CPU hingegen gerät in den Hintergrund.
Dafür bietet das Spiel die bisher beste Grafik, die wir gesehen haben. Alan Wake 2 verschlingt die Hardware keinesfalls grundlos, an allen Ecken fallen uns Details auf, die teilweise wirklich fotorealistisch sind. Als Beispiel seien die Glassteine am Eingang zum Oh-Deer-Diner genannt, dazu die stimmige Beleuchtung und eine sehr gleichmäßige Bildrate, die das Spiel auch bei unter 60 fps gut spielbar macht.
Ganz rund läuft die neue Technik noch nicht
Gleichzeitig muss aber auch erwähnt werden, dass die Engine ganz offensichtlich an den Grenzen des Möglichen arbeitet und an vielen Stellen getrickst wird. So verschiebt sich etwa die Skybox im Hafengewässer von Bright Falls linear mit den Bewegungen des Charakters, zudem entstehen dabei auch noch Bildfehler. Realistische Reflexionen sehen sicher anders aus. Abgeschaltetes DLSS-3.5 oder Frame Generation helfen nicht dagegen.
Auf Radeon-Grafikkarten hat Wasser zudem eine starke Körnung, die sich glatt über die Wasseroberfläche legt. Zudem flackern Pfützen in 720p-Renderauflösung auf unserer Radeon RX 7900 XTX. Auch wenn sich die Denoising-Qualität einstellen lässt, bekommen wir häufig den Eindruck, dass herkömmliche Filter zugunsten von Ray Reconstruction vernachlässigt wurden.
Kurios ist auch, dass das hervorragende Pathtracing mit Ray Reconstruction die Reflexionen in Pfützen gestochen scharf aussehen lässt. Charaktere, Objekte und Gebäude lassen sich darin klar erkennen. Eine bestimmte Art von Objekten, die im echten Leben für besonders gute Spiegelungen bekannt ist, kann das im Spiel allerdings erstaunlich schlecht, viel schlechter als jede Pfütze – Spiegel!





Ebenfalls ungewöhnlich für realistisch berechnete Beleuchtung: Der Fußboden ist bei gemischten Lichtverhältnissen verdächtig oft vollkommen immun gegen unsere Taschenlampe, obwohl zumindest ein kleiner Lichtkegel sichtbar sein sollte.
Kaputte Maussteuerung stört das Spielerlebnis
Ein weiteres Problem zieht sich laut einigen Threads auf Steam und Reddit offenbar schon länger durch die Spiele von Remedy Entertainment: Die Steuerung mit der Maus ist nicht flüssig. Bei einer gleichmäßigen Mausbewegung bewegt sich die Kamera im Spiel sehr ungleichmäßig, was besonders bei niedriger Bildrate und abgeschaltetem Motion Blur stark auffällt. Das Bild bleibt immer wieder stehen, als würden wir die Maus in kleinen Schüben bewegen.
Wenn wir in gleichen Einstellungen mit einem Controller die gleiche Bewegung durchführen, tritt der Fehler nicht auf. Wir konnten das Problem auf mehreren PCs mit verschiedenen Mäusen reproduzieren. Auch anderen Reviewern ist diese Problematik bereits aufgefallen, wird dort aber schnell übergangen. Wir halten eine ordentliche Steuerung mit Maus und Tastatur auf dem Computer allerdings für essenziell wichtig und hoffen, dass Remedy endlich dem Fehler auf den Grund geht und das Problem behebt.
Das untenstehende Video zeigt den Unterschied zwischen der Steuerung mit der Maus und einem Xbox-One-Controller. Die schlechte Bildrate ist vor allem der Aufnahme geschuldet, der Unterschied ist dennoch klar zu erkennen. Während die Bewegungen vom Controller gleichmäßig umgesetzt werden, bleibt die Maussteuerung immer wieder kurz stehen.

Auch nicht unterstützte GPUs funktionieren
Hinter den Kulissen scheint es schwierig zu sein, die neuen Technologien in allen Aspekten so zu implementieren, dass sie auch immer wie gewünscht funktionieren. Auch das mit Ray Rekonstruktion eigentlich der Geschichte angehörende Ghosting ist in einigen Szenen gut sichtbar, obwohl diese noch nicht einmal besonders anspruchsvoll sind.
Wir haben ausprobiert, ob Alan Wake 2 tatsächlich gemäß den Anforderungen nicht auf älteren Nvidia-GTX-Grafikkarten startet. Beim Starten des Spiels sehen wir zunächst eine Fehlermeldung, da unsere Nvidia Geforce GTX 1080 Ti keine Mesh-Shader unterstützt. Die Meldung lässt sich aber überspringen und Alan Wake 2 startet auch auf unserer Pascal-GPU.





Mit 2560 x 1440 Pixeln Auflösung und Medium-Details läuft das Spiel mit immerhin 25 fps, Raytracing unterstützt die Grafikkarte ohnehin nicht. Das fühlt sich nicht besonders flüssig an, spielbar ist es allerdings durchaus. Zudem können wir per FSR2 und mit Anpassungen an den Details die Bildrate auf über 34 fps steigern. Größere Grafikfehler sind uns dabei vorerst nicht aufgefallen.
Arc, Radeon und Raytracing
Unsere Arc Alchemist A770 schafft in WQHD-Auflösung mit Medium-Details und FSR2-Quality-Einstellung zwar rund 45 fps. Alle paar Sekunden sorgt jedoch ein kurzes Ruckeln dafür, dass sich das Spielerlebnis nie wirklich flüssig anfühlt. Spielbar ist der Titel trotzdem, sowohl das Bewegen durch die Gebiete als auch Kampfszenen sind gut zu bewältigen.
Für Raytracing oder gar Pathtracing-Beleuchtung reicht es aber nicht. Wenn wir diese Funktionen aktivieren, sinkt die Bildrate deutlich unter 20 fps, auch FSR2 kann die Situation kaum retten. Leider funktioniert die Darstellung von Wasser nicht richtig, gerade größere Seen sind überzogen von Texturfehlern. Hier könnte Intel mit einem optimierten Treiber nachbessern, ein Update für Alan Wake 2 gab es in den letzten Tagen nicht.
Obwohl das Spiel definitiv ein Showcase für Nvidia-Technologien ist, funktionieren AMD-Grafikkarten und FSR2 gut. Eine AMD Radeon RX 7900XTX kommt ohne Raytracing auf über 100 fps mit hohen Details bei 2560 x 1440 Pixeln. Mit Raytracing sinkt die Bildrate aber auf knapp die Hälfte, während aktives Pathtracing noch einmal für eine knappe Halbierung sorgt, dann sind wir bei nur noch 28 fps in WQHD-Auflösung. FSR2 sollte unbedingt eingeschaltet werden, um wieder über die 60-fps-Marke zu kommen.
Upscaling muss sein
Spieler mit einer Nvidia-Ada-GPU haben wohl am meisten Freude an Alan Wake 2. Alle Technologien der Grafikkarte werden im Spiel eingesetzt. Uns gefällt dabei gut, dass in der DLSS-Einstellung sowohl die Voreinstellung als auch die Auflösung eingeblendet wird. So weiß man immer genau, in welcher Auflösung das Bild berechnet wird. Außerdem kann die native Auflösung eingestellt werden, was mit DLAA zur Kantenglättung genutzt wird – genügend Performance vorausgesetzt.
DLSS-3.5-Ray-Reconstruction sorgt dafür, dass Reflexionen mit einem höheren Detailgrad dargestellt werden. In Pfützen und an Häuserwänden können wir damit auch feine Details besser erkennen, selbst die Haare unseres Charakters, Vegetation im Wald und Zäune gewinnen an Details.
Frame Generation ist in höheren Detailgraden oder bei aktiviertem Pathtracing Pflicht. Während man in 4K-Auflösung mit hohen Details mindestens eine Nvidia Geforce RTX 4080 für mehr als 60 fps benötigt, funktioniert WQHD auch gut mit der sehr viel vernünftigeren Nvidia Geforce RTX 4070 sowie einer Radeon RX 7800 XT. Beide GPUs schaffen über 70 fps, wobei bei der AMD-Grafikkarte dafür auf Raytracing verzichtet werden muss.
Fazit: DLSS oder FSR2 werden die meisten Spieler durch Alan Wake 2 begleiten. Das muss allerdings kein Nachteil sein, denn insbesondere DLSS-3.5-Ray-Reconstruction sorgt dafür, dass das Spiel spürbar besser aussieht, sowohl in feinen Details als auch die Beleuchtung generell.
Alan Wake 2 sieht außerdem auch in niedrigeren Einstellungen gut aus. PC Games Hardware hat eine größere Anzahl an Grafikkarten in verschiedenen Auflösungen getestet. Auch dabei wird klar, Frame Generation sollte man auf neueren Grafikkarten unbedingt aktivieren. Die etwas höhere Latenz fällt in einem Singleplayer-Titel kaum ins Gewicht, die viel höhere Bildrate ist klar zu bevorzugen.



